Spenden in Kryptogeld: Gründer kritisiert Mozilla Foundation

Die Mozilla Foundation hat um Spenden auch in Bitcoin, Ether, Dogecoin und Co. gebeten. Einem ihrer Gründer gefällt das gar nicht.

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(Bild: mk1one/Shutterstock.com)

Von
  • Axel Kannenberg

Ein Aufruf der Mozilla Foundation, in Kryptogeld für die Organisation zu spenden, hat auf Twitter für heftige Kritik gesorgt. Unter anderem wendete sich Jamie Zawinski, ehemaliger Netscape-Entwickler und Mitgründer des Mozilla-Projekts, mit harten Worten gegen Spenden in Bitcoin und Co.: "Ich bin mir sicher, dass die Person, die diesen Account betreibt, keine Ahnung hat, wer ich bin. Aber ich habe Mozilla gegründet und ich bin hier, um zu sagen: Fickt euch und scheißt darauf. Alle, die am Projekt beteiligt sind, sollte die Entscheidung zutiefst beschämen, mit Planeten-verbrennenden Ponzi-Ganoven zusammenzuarbeiten."

Der ehemalige Netscape-Entwickler Zawinski hatte 1998 zusammen mit Brendan Eich das Mozilla-Projekt aus der Tiefe gehoben, es 1999 aber verlassen und einen Musikclub gekauft, den er seitdem betreibt. Mit seiner derb formulierten Kritik greift er unter anderem die Debatte über Energieverschwendung und Klimafeindlichkeit beim Kryptowährungs-Mining auf. Streitpunkt ist das stromhungrige Proof-of-Work-Verfahren, mit dem zahlreiche Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum Konsens in ihren verteilten Netzwerken herstellen. Über eine aufwendige Hashwert-Berechnung wird dabei das Recht verteilt, einen neuen Block mit Transaktionen für die Blockchain zu erzeugen. Schätzungen des Ökonomen Alex de Vries nach liegt der jährliche Stromverbrauch allein des Bitcoin-Netzwerks ungefähr bei dem Thailands.

Zustimmung erhielt Zawinski unter anderem vom ehemaligen Mozilla-Entwickler Jannis Leidel, derzeit Mitglied im Vorstand der Python Software Foundation. Leidel forderte Mozilla auf, den Spenden-Tweet zurückzuziehen und zu erklären, wie "Mozillas Mission zur derzeitigen Klimakrise" passe. Auch zahlreiche andere Personen reagierten negativ auf den Mozilla-Tweet und verlangten etwa, Mozilla möge von seiner Krypto-Akzeptanz abrücken und sich nicht mit "Crypto-Bros" gemein machen. Andererseits gab es auch Spendenzusagen, Verwunderung über die aufwallende Stimmung gegen Kryptowährungen und Verweise darauf, dass das Mining durchaus auch den Ausbau erneuerbarer Energien voranbringe.

Mozilla reagierte bislang nicht auf die Kritik. Der Spendenlink, den Mozilla teilte, verweist auf den Dienstleister Bitpay. Der ermöglicht Händlern und Organisationen, Kryptozahlungen anzunehmen, ohne selber eine Wallet zu betreiben. Das Geld wird dabei im Regelfall von Bitpay in konventionelle Währungen wie den US-Dollar getauscht.

(axk)