Spyware-Skandal: NSO Group sperrt Staaten von Pegasus-Nutzung aus

Während die NSO Group den Überwachungsvorwürfen vehement widerspricht, gibt es offenbar trotzdem Konsequenzen. Kunden verlieren wohl den Zugang zur Spyware.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 26 Beiträge

(Bild: Katya Rekina/Shutterstock.com)

Von
  • Martin Holland

Die umstrittene NSO Group hat einige Staaten inzwischen mindestens temporär von der Nutzung ihrer Spyware ausgeschlossen. Das jedenfalls hat eine anonyme Quelle aus dem israelischen Unternehmen dem US-Nachrichtensender NPR gegenüber versichert. Welche und wie viele Kunden die Spyware deswegen aktuell nicht nutzen können, habe der oder die Angestellte nicht ausgeführt. Das Unternehmen selbst hatte nach den jüngsten Enthüllungen von einer "gut orchestrierten Medienkampagne" gesprochen und antwortet seitdem nicht mehr auf Presseanfragen, "um nicht Teil dieser heimtückischen und verleumderischen Kampagne zu sein". Mitte der Woche hatten Regierungsvertreter Büros der Firma aufgesucht.

Zwar steht das Spyware-Geschäft der NSO Group seit Jahren in der Kritik, enorm Fahrt aufgenommen hat die Debatte darüber aber Mitte Juli. Ein internationales Journalistenkonsortium hatte öffentlich gemacht, dass auf Dutzenden Smartphones von Journalisten, Menschenrechtlern, deren Familienangehörigen und Geschäftsleuten Spuren von Angriffen mit der Pegasus-Software des Unternehmens gefunden worden sein. Pegasus nutzt Sicherheitslücken in Smartphone-Software, um weitreichenden Zugriff auf Daten zu erlangen. Die Nummern gehören zu einem Datensatz mit mehr als 50.000 Telefonnummern, der von den Journalisten und Journalistinnen ausgewertet wurde. Enthalten war demnach sogar eine Nummer von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, in dem Land gibt es inzwischen eine Untersuchung.

Während die NSO Group die Vorwürfe aber vehement bestreitet, hat Israels Regierung die Brisanz der Angelegenheit erkannt. Eine Delegation besuchte am Mittwoch die Büros der NSO Group in Herzlia nahe Tel Aviv. Worum es sich bei dem Besuch genau gehandelt hat, hat das Verteidigungsministerium nicht erläutert, in Medien war sogar von einer Durchsuchung die Rede. Israels Verteidigungsminister Benny Gantz hatte parallel dazu Frankreich besucht und seinem Amtskollegen versichert, dass man die Angelegenheit mit größer Ernsthaftigkeit untersuche, zitiert der Guardian. Gantz hatte demnach erst wenige Tage zuvor Exportlizenzen für Spyware verteidigt, aber versichert, die Abnehmer müssten bestimmte Standards erfüllen.

Anfang der Woche hatte außerdem ein anonymer Ex-Mitarbeiter von Cellebrite in der Zeitung Haaretz schwere Vorwürfe an die Branche der Spyware-Anbieter erhoben. Genauso wie die NSO Group stelle Cellebrite modernste Technik zum Hacking her, von Maßnahmen zur Verhinderung von Missbrauch hat die Person demnach dort nichts mitbekommen. Stattdessen seien wissentlich Produkte und Dienstleistungen an Kunden mit Verbindungen zu autokratischen Regimen verkauft worden. Die Argumente von Cellebrite, NSO & Co. zur Verteidigung ihres Geschäfts seien leicht zu entkräften und wenn sie ihre Technik nicht mehr an autokratische Staaten verkaufen würden, würden die Menschen dort weniger stark unterdrückt.

(mho)