Staatspropaganda statt vertrauenswürdiger Nachrichten: Google News in der Kritik

Eine Untersuchung von Netzpolitik.org zeigt, Suchergebnisse bei Google News sind oftmals fragwürdig. Dabei wirbt der Konzern mit Faktencheckern.

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(Bild: Bubble_Tea Stock/Shutterstock.com)

Von
  • Eva-Maria Weiß

Laut Google werden im eigenen News-Bereich nur vertrauenswürdige und ausgewählte Medieninhalte angezeigt, Faktenchecker sichern die Informationen. Die Recherchen von Netzpolitik.org zeigen ein anderes Bild: Unter etwa 5200 Suchergebnissen von Google News befanden sich zahlreiche mehr als fragwürdige Quellen. Dazu zählten rechtspopulistische Blogs, Webseiten von Parteien und Behörden sowie PR-Meldungen von Unternehmen. Mindestens sechs Fälle zeigten Staatspropaganda, vier davon stammten aus China.

Mehr als 5000 Ergebnisse unterschiedlicher Suchanfragen bei Google News haben sich die Autoren angeschaut. Neben vielen bekannten Medienunternehmen tauchten etwa auf, "Radio China International" und "Xinhuanet Deutsch" sowie die iranische "Mehr News Agency" und das ungarische "Híradó". "Staatsmedien autoritärer Regierungen lassen sich schwerlich als vertrauenswürdig bezeichnen", schreibt Netzpolitik.org. Und auch inhaltlich wird es entsprechend finster. In einem Artikel des "chinesischen Radios" würden die Menschenrechtsverletzungen an der muslimischen Minderheit der Uiguren als Lügen bezeichnet. Der Artikel leugne die Zwangsarbeit und den Genozid in Xinjiang. Die Vereinten Nationen haben eben jene Menschenrechtsverletzungen erst kürzlich in einem Bericht angeprangert.

Ein Bericht aus dem Iran kritisiere die Verurteilung einer Holocaust-Leugnerin in Deutschland. Aus Ungarn kommt ein Artikel, der den US-Investor George Soros mitverantwortlich dafür macht, dass eine französische Stadt Ganzkörper-Badeanzüge erlauben wolle, beschreibt Netzpolitik die Rechercheergebnisse weiter. Soros ist eine beliebte Figur für und bei Verschwörungserzählungen.

Während Google News diese Quellen unkommentiert anzeigt, werden sie bei Youtube gekennzeichnet. So steht dort unter den Videos von Xinhua, dass dieses "ganz oder teilweise von der Regierung Chinas finanziert" wird. Mit den Ergebnissen konfrontiert, teilte ein Sprecher den Autoren mit, "schädliche und hasserfüllte Inhalte" sei laut Googles Richtlinien verboten. Mehr als 10.000 Testerinnen und Tester sollen demnach die Ergebnisse auf Fachwissen, Autorität und Vertrauenswürdigkeit prüfen. Die Frage, ob die konkreten Fälle gegen die Richtlinien verstoßen, blieb unbeantwortet. Dafür betonte Google dass der Algorithmus Nachrichten aus zuverlässlichen Quellen sogar hervorheben würde.

Netzpolitik.org hat Anfang September mithilfe einer Software 50 Suchbegriffe über den News-Reiter bei Google abgefragt. Die Hälfte der Suchbegriffe betraf große Nachrichtenthemen wie "Ukraine", "Hitzewelle" und "9 Euro Ticket", die andere Hälfte rechtspopulistische Begriffe wie etwa "Überfremdung" und "Genderwahn". Jeweils die ersten zehn Ergebnisse gelangten in die Auswertung, das ergab am Ende 5202 Berichte aus 889 Quellen. Die Tabelle mit den Suchbegriffen und Ergebnissen haben die Autoren veröffentlicht.

Neben den Staatsmedien tauchen in den Ergebnissen auch Blogs auf, die bereits nachweislich Falschinformationen verbreitet haben. Zudem finden sich neben den journalistischen Inhalten auch solche, die eher direkt aus den Pressestellen stammen. Die Bundesregierung und das Finanzministerium gelten Google als News-Quelle, auch die Stadt Mannheim und das Land Nordrhein-Wesfalen sind vertreten. Die Union sowie die Grünen und rechte Parteien wurden bei den Suchen angezeigt.

Wie Google News Quellen tatsächlich auswählt und welchen Kriterien sie entsprechen müssen, bleibt auch auf Nachfrage von Netzpolitik.org ziemlich uneindeutig. Webseitenbetreiber können sich selbst dafür bewerden, Google fügt freilich durch Crawlen Inhalte hinzu. Wann ein Medien ausgeschlossen wird – unklar. Die Reihenfolge, der Algorithmus und die menschlichen Prüfer? Unbekannt.

(emw)