Star Trek Discovery: Sinnlos im Weltraum

Auch in der 3. Staffel findet Discovery seine Identität als Serie nicht. Man will zu viele Dinge auf einmal und scheitert, vor allem an schlechten Drehbüchern.

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"Der Weltraum... unendliche Langeweile. Wir befinden uns in einer fernen Galaxie vollkommener Hirnlosigkeit." Diese legendäre Einleitung der Fansynchro Sinnlos im Weltraum ist wie für die dritte Staffel Discovery geschrieben.

(Bild: Netflix / CBS)

Von
  • Fabian A. Scherschel
Inhaltsverzeichnis

Die dreizehn Folgen der dritten Staffel von Star Trek Discovery sind seit Januar komplett bei Netflix verfügbar. Die Serie kann auch in ihrer aktuellen Staffel mit hervorragenden Schauspielern glänzen, hat atemberaubende Spezialeffekte und profitiert von kompetenten Regisseuren. Leider ist das alles ohne gute Drehbücher vergebene Liebesmüh – und mit guten Drehbüchern können die Macher der Serie auch in der dritten Staffel nicht dienen. Und so bleibt Discovery eine Serie, welche die Aufschrift "Star Trek" nicht verdient, aber auch nicht erwachsen genug ist, auf eigenen Beinen zu stehen. Es folgt ein Schadensbericht eines eingefleischten Trekkies.

Hinweis: Diese Rezension enthält erhebliche Spoiler für alle drei Staffeln von Star Trek Discovery.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass die erste Staffel einer Star-Trek-Serie nicht die beste ist. Die Schauspieler und Drehbuchschreiber müssen sich erst finden und die Produzenten justieren meist in der zweiten Staffel, basierend auf dem Feedback der Fans, noch mal gehörig nach. Das ist ein Grund dafür, warum viele ursprüngliche Skeptiker auch bei Discovery eine Menge Eigenheiten der ersten Staffel der Serie wohlwollend übersehen haben. Die Show musste sich und ihren Platz im Pantheon des Star-Trek-Universums erst noch finden. Mitte der zweiten Staffel sah es dann kurz mal so aus, als ob die Macher die Kurve hin zu einer richtigen Star-Trek-Serie kriegen. Captain Pike, Talos IV, Nummer Eins – da passte auf einmal vieles zusammen. Leider verspielte die Serie dieses Trek-Kapital mit dem unsinnigen Finale der zweiten Staffel direkt wieder. Hier wurde klar: Eigentlich wollen diese Leute gar keine Star-Trek-Serie machen. Die mögen Star Wars, okkulte Mysterien und überstiegenes Drama viel lieber als den etwas klinischen, aber auch hoffungsvollen Sci-Fi, den Trek-Fans so lieben.

Nun gut, dafür war der Sprung der Discovery 900 Jahre in die Zukunft – so herbeikonstruiert die Gründe und die technischen Umstände für seine Umsetzung auch gewesen sein mögen – immerhin wie gemacht. Frei von jeglichen Story-Elementen hätten die Macher mit der Discovery und ihrer Crew im 32. Jahrhundert nun komplett freie Hand gehabt. Pilz-Warp, um das Schiff schwebende Bauteile, universelle Transporter, Hologramme ohne Holodeck, ein bodenloses Wasserbecken auf dem Planeten Trill, Telekinese – wen juckt das alles, wenn man eh so weit in der Zukunft ist, dass es keine Referenzpunkte zum etablierten Star-Trek-Universum mehr gibt. Und nach der Pilotfolge der Staffel sah es auch erst mal so aus, als wäre genau das der Plan. Aber dann verlieren die Macher der Serie wieder mal den Faden.

Die dritte Staffel Star Trek Discovery könnte auch eine Star-Wars-Serie sein. Vom Schiffs- über das Kostümdesign bis hin zu den Storylines passt da alles. Aber irgendwie muss man ja rechtfertigen, dass hier die Star-Trek-Fans zugucken sollen. Und so reden Figuren auch in der dritten Staffel ständig darüber, wofür die Vereinigte Föderation der Planeten steht oder warum sie sich gerade wirklich, ungelogen, echt jetzt, wie Sternenflottenoffiziere verhalten. Aber genau das tun sie eben nicht. Allen vorweg Michael Burnham, die zwar immer wieder betont, wie wichtig ihr die Föderation und wie toll doch die Sternenflotte ist, aber nicht den einfachsten Befehl befolgen kann. Jedes Mal, wenn der Captain irgendwas machen will, was Michael nicht gefällt, macht sie das einfach nicht. Wie passt das mit der Sternenflotte von Picard und Janeway zusammen? Nicht einmal Sisko oder sogar der legendär laxe Captain Kirk riskieren so oft ein Kriegsgericht wie Burnham.

Natürlich ist es eine Tradition bei Star Trek, Befehle zu missachten oder kreativ auszulegen – vor allem die Erste Direktive – aber bisher haben die Drehbuchschreiber am Ende immer die Kurve gekriegt und einigermaßen glaubhaft erklärt, warum der entsprechende Offizier nicht direkt Hochkant aus der Flotte geschmissen wurde. Nicht so bei Discovery. Hier missachten fast alle Befehle: Der erste Offizier, der Schiffsarzt, der Captain, ja selbst der Oberbefehlshaber der Flotte hält sich nicht an seine eigenen Vorgaben. Aber hey, wir sind die Sternenflotte! Haben wir erwähnt, dass wir alle super tolle Sternenflottenoffiziere sind? In der Sternenflotte. Die gehört zur Vereinigten Föderation der Planeten.