Starlink: Chinesische Forscher simulieren Atomwaffenangriff auf Satelliten

Im Mai hat ein chinesischer Forscher gefordert, dass das Militär Starlink zerstören können muss. Nun simuliert ein Forschungsteam einen Angriff per Atomwaffe.

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Aufnahme einer in fast 80 km Höhe von den USA gezündeten Atombombe

Eine Forschungsgruppe in Diensten der chinesischen Armee hat einen möglichen Angriff auf Satellitenkonstellationen wie die von Starlink mit einer Atombombe simuliert. Das berichtet die South China Morning Post unter Berufung auf die jetzt veröffentlichte Forschungsarbeit. Darin heißt es demnach, dass die Detonation einer 10-Megatonnen-Bombe in einer Höhe von 80 km zu einer ernsten Gefahr für Satelliten werden kann, ohne den kompletten Erdorbit zu gefährden. Dabei ins All geschleuderte radioaktive Partikel könnten Fehlfunktionen auf Satelliten auslösen oder diese gar direkt zerstören, heißt es demnach. Erst im Frühjahr hatte ein Forscher gefordert, dass China in der Lage sein müsse, das Satelliteninternet Starlink gegebenenfalls zu zerstören.

Wie die Zeitung aus Hongkong zitiert, haben die Modelle der Forschungsgruppe ergeben, dass solch eine Explosion radioaktive Luftteilchen erzeugt, die mit bis zu 2,3 km/s (8300 km/h) ins All geschleudert werden. Die entstehende Wolke würde die Form einer umgekehrten Birne haben und schon nach fünf Minuten eine Höhe von 500 km erreichen sowie ein Areal von 140.000 km² abdecken. Außerdem würde es dort besonders viel schädliche Gammastrahlung und viele Betateilchen geben. Durch dieses Gebiet rasende Satelliten, etwa von Starlink, könnten darin beschädigt oder zerstört werden. Die radioaktiven Teilchen würden dann aber nicht in eine Umlaufbahn eintreten, sondern wieder auf die Erde fallen. Die Auswirkung wäre also vergleichsweise begrenzt.

Zwar habe es schon viele Computersimulationen gegeben, mit denen Einsätze von Atomwaffen gegen Satelliten untersucht wurden, schreibt die Zeitung weiter. Dabei sei es aber meist um Explosionen im All gegangen. Bei denen würde keine wirkliche Wolke produziert, dafür würden radioaktive Teilchen danach in eine Umlaufbahn eintreten, das Ergebnis wäre ein radioaktiver Gürtel um die Erde. Im Kampf gegen bestimmte Satelliten oder Konstellationen wäre das nicht sehr effektiv. Die jetzt simulierte Detonation könnte dagegen das gewünschte Ziel erreichen, gezielt eine Konstellation wie Starlink schwer zu beschädigen. Das Ergebnis der Simulationen passt demnach zu den Beobachtungen nach einer in dieser Höhe durchgeführten Detonation einer Atombombe durch die USA vor Hawaii im Jahr 1958.

Die jetzt öffentlich gemachten Simulationen hießen nicht, dass China solch einen Angriff tatsächlich durchführen würde, versichert ein anonymer Pekinger Experte gegenüber der Zeitung. Tests und Einsätze von Atombomben in der Atmosphäre und im Weltraum sind seit 1963 durch das Moskauer Atomteststoppabkommen verboten. Dem ist die Volksrepublik aber – wie die Atommacht Frankreich – bislang nicht beigetreten. Erst im Frühjahr war bekannt geworden, dass ein Forscher aus einem der Volksbefreiungsarmee unterstehenden Institut gefordert hat, dass China in der Lage sein müsse, Starlink zu zerstören.

Das Satelliteninternet von SpaceX hat sich im Rahmen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine als besonders hilfreich erwiesen, um nicht nur die zivile Kommunikation aufrechtzuerhalten, sondern auch die des Militärs. Vorher waren bereits aus Russland Drohungen gegen SpaceX laut geworden, inzwischen hat das immer wieder von China bedrohte Taiwan publik gemacht, dass im Fall eines Angriffs von China "umgehend" auf alternative Kommunikationsformen gewechselt werden soll, darunter auch Satelliteninternet wie Starlink. Die jetzt publik gemachte Studie stammt der South China Morning Post aus einem Forschungsinstitut im zentralchinesischen Xi'an, das ebenfalls Chinas Armee untersteht.

(mho)