Starlink & Co.: Auch Radioastronomen schlagen nun Alarm

Angesichts der geplanten Konstellationen aus Tausenden Satelliten sorgen sich auch Radioastronomen um ihre Forschung. Abhilfe sei aber möglich.

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So soll das SKA in Südafrika einmal aussehen.

(Bild: SKA Organisation)

Von
  • Martin Holland

Starlink & Co. sorgen nicht mehr nur in der optischen Astronomie und unter Sternenguckern für Unruhe, auch Radioastronomen fürchten Einschränkungen. Eine für das geplante riesige Radioteleskop SKA erstellte Studie kommt nun zu dem Schluss, das allein das Netz von SpaceX auf die geplante Forschungsarbeit erhebliche Auswirkungen haben könnte. Signifikant größere Konstellationen könnten bestimmte Beobachtungen komplett unmöglich machen, schreiben sie weiter. Betroffen ist demnach ein Bereich eines Frequenzbands, das zwar auf dem Boden explizit geschützt sei, aber nicht im All.

SpaceX hat im Frühjahr 2019 begonnen, ein Satellitennetz aufzubauen, das auch abgelegene Regionen auf der Erde mit einem preisgünstigen Internetzugang versorgen soll. Starlink soll eine komplette Netzstruktur im Weltraum nachbilden, andere Konzerne wollen nachziehen, etwa Amazon mit dem Project Kuiper. Sie setzen dafür auf jeweils Tausende Satelliten, allein SpaceX hat Genehmigungen (aus den USA) für fast 12.000 Satelliten. Nachdem die Spuren der ersten Exemplare aber bereits astronomische Aufnahmen unbrauchbar gemacht hatten, hatten Astronomen Alarm geschlagen. SpaceX war auf die Kritik eingegangen und hatte die Satelliten weniger stark reflektierend gemacht.

Mit den Betreibern des geplanten Riesenteleskops SKA (Square Kilometre Array) warnen nun auch Radioastronomen, dass ihre Arbeit durch die Satellitennetze beeinträchtigt werden könnte. Sie formulieren aber auch Maßnahmen, durch die diese Auswirkungen drastisch reduziert werden könnten. Betroffen ist demnach das sogenannte 5b-Frequenzband zwischen 8,3 und 15,4 GHz, in dem nicht nur die Radioantennen lauschen, sondern auch die Satelliten Daten zur Erde funken. Sollten die Betreiber hier nicht nacharbeiten, wäre "wahrscheinlich" das gesamte Band betroffen: Bei den anfangs geplanten etwa 6400 Satelliten müssten Beobachtungen hier etwa 70 Prozent länger dauern, heißt es. Bei 100.000 Satelliten wäre das Frequenzband nicht mehr erforschbar.

Das Square Kilometre Array ist ein geplanter Teleskopverbund, der einmal zur größten Wissenschaftseinrichtung der Welt wachsen soll. Hunderte Parabolspiegel und tausende Einzelantennen sollen den Planungen zufolge über hunderte Kilometer in Australien und Südafrika errichtet und zusammengeschaltet werden. Mit der deutlich besseren Auflösung soll nach Signalen gefahndet werden, die in der Anfangszeit des Universums ihren Ursprung haben. Weiterhin soll grundlegenden Fragen der Astrophysik etwa zur Relativitätstheorie, der Dunklen Materie, der Dunklen Energie und möglichem außerirdischen Leben nachgegangen werden. In Südafrika ist das Gebiet des geplanten Teleskops eine Schutzzone funktechnischer Anlagen (RQZ), in der strenge Regeln das Funkspektrum vor Störungen schützen.

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Wie die Betreiber nun erklären, finden sich in dem betroffenen Frequenzband unter anderem die Spektrallinien "komplexer präbiotischer Moleküle". Auf der Suche nach außerirdischem Leben würde man unter anderem genau danach suchen. Bei mehreren Tausend Satelliten müsste man dann aber immer länger beobachten, um die Störungen auszugleichen. Irgendwann sei das aber nicht mehr möglich. Schon das würde die Forschung aber behindern, denn es bliebe weniger Zeit für andere Beobachtungsziele.

Betreiber wie SpaceX könnten das Problem aber verringern, indem sie die Satelliten anweisen, Gegenden wie die um das SKA nicht anzufunken. Dafür bestehe sowieso kein Anreiz, da es dort aufgrund der Regelungen keine Bodeninfrastruktur geben dürfe, so die Betreiber. Insgesamt könnten die Einschränkungen damit um den Faktor 10 verringert werden, anfangs müssten die Beobachtungen also jeweils nur um etwa 7 Prozent ausgedehnt werden.

Die Betreiber des SKA geben sich optimistisch, dass sie im Dialog mit SpaceX & Co. Lösungen finden werden. Gleichzeitig weisen sie auf weitere Analysen hin, die sich aktuell anderen möglichen Problemen widmen, beispielsweise den Reflexionen von irdischen Signalen an den Satelliten, wie sie auch der optischen Astronomie Sorgen bereiten.

(mho)