Startup-Gründerin​: "Ich bringe das Internet der Dinge sicher zum Fliegen"

Mit einer neuartigen Software will das Startup Staex Roboter sicher vernetzen. Die Co-Gründerin lernt gerade, visionär und bodenständig zu sein.

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(Bild: Rawpixel.com/Shutterstock.com)

Von
  • Peter Ilg

Gründerin Alexandra Mikityuk

"Ich heiße Alexandra Mikityuk, bin 33 Jahre und mein Name verrät gleich, dass ich nicht aus Deutschland komme. Ein Elternteil von mir stammt aus der Ukraine, aus Lwiw, zu Deutsch Lemberg. Ich bin dort in den Karpaten und in St. Petersburg aufgewachsen. Denn das andere Elternteil ist russisch und stammt aus der Zarenstadt. Mein Opa in Lemberg war Flugzeugingenieur. Er nahm mich als Mädchen oft mit in seine Garage, dort haben wir allerhand Fahrzeuge gebaut, auch ein kleines Flugzeug. Das hat Spaß gemacht und ich fand es spannend von ihm zu hören, weshalb Flugzeuge fliegen. Unsere gemeinsame Zeit hat mich dazu inspiriert, Ingenieurin zu werden, von großen Erfindungen zu träumen und sie umzusetzen.

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Im September 2007, mit 18 Jahren, kam ich nach Deutschland. Ich erinnere mich noch genau daran, wie das war. Vor allem, weil ich kaum Deutsch gesprochen habe. Der Deutsche Akademische Austauschdienst hat es mir durch ein Stipendium ermöglicht, an der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft Nachrichtentechnik zu studieren. Mit 22 Jahren war ich Diplom-Ingenieurin und habe in einer Forschungs- und Entwicklungsabteilung bei T-Systems angefangen. Dort ging ich der Frage nach, wie mein Arbeitgeber seinen Anwendern bei der Nutzung von Medien im Internet IT-Sicherheit bereitstellen kann.

Drei Jahre war ich bei der Telekom-Tochter und habe mich intensiv mit IT-Sicherheit beschäftigt. Das Thema hat mich so sehr interessiert, dass ich über Sicherheit in der Computertechnik promoviert habe. Auch für meine Promotion hatte ich wieder Menschen, die an mich geglaubt und mich unterstützt haben. In diesem Fall war es die Initiative Software Campus. Das ist eine Kooperation deutscher Universitäts-, Forschungs- und Industriepartner, die gemeinsam IT-Masterstudierende und IT-Doktoranden fördern. Meine Partner waren T-Systems und die TU Berlin.

Für meine Promotion habe ich einen Businessplan einschließlich einer Finanzplanung erstellt. Dadurch sollen die Teilnehmer lernen, wie ein Projekt geplant und abgeschlossen wird. Leitende Angestellte von großen und bekannten Unternehmen haben uns in Seminaren Projektmanagement aus und für die Praxis beigebracht. Das war unglaublich interessant.

Meine Promotion habe ich berufsbegleitend begonnen und ab der Hälfte der Zeit verstanden, dass sich Arbeiten und Promovieren zeitlich nicht kombinieren lässt. So wurde ich Vollzeitdoktorandin. Fünf Jahre habe ich promoviert, 2017 war ich fertig. Zehn Jahre nachdem ich nach Deutschland kam war ich Ingenieurin und hatte einen Doktortitel in IT-Sicherheit.

Für einen Job habe ich von der Tochter zur Mutter gewechselt und bei der Deutschen Telekom in den Innovation Labs angefangen. Die T-Labs, wie sie abgekürzt heißen, sind ebenfalls eine Forschungs- und Entwicklungseinheit. Ich wurde eingestellt, um die damals neu gegründete Blockchain-Gruppe inhaltlich und personell aufzubauen. Ich war das erste Mitglied im Team und als ich die Telekom verlassen habe, waren es 15 Leute. Außerdem haben wir ein Ökosystem mit Partnern und Startups aufgebaut, sodass um die 80 Personen an dem Projekt mitgearbeitet haben.

Im vergangenen Jahr habe ich mit Philip Toepffer das Startup Staex gegründet. Philip war Mitglied in meinem Team bei der Telekom und hatte betriebswirtschaftliche Aufgaben. Grundlage unserer Geschäftsidee ist die Software, die wir bei der Telekom entwickelt haben. Die Technologie war reif und es stand die Frage im Raum, wie sich die Technologie am besten auf den Markt bringen lässt. Philip und ich waren der Überzeugung, dass ein Startup die richtige Form ist, um eine neue Technologie rasch in den Markt zu bringen, weil ein kleines Unternehmen die dafür notwendige Flexibilität hat. Die Telekom teilte unseren Plan und unterstützte die Exkubation. Wir haben die Software einschließlich Patente übernommen.

Unserem Geschäftsmodell liegen Blockchain und verteilte Technologien zugrunde. Die Software Staex ist eine Lösung, die Maschinen auf eine neue Art und Weise sicher vernetzt. Die Maschinen sind nicht angreifbar und die Anwendung läuft auf einer einfachen und damit preisgünstigen Infrastruktur, über die Maschinen verwaltet, Applikationen aufgespielt und Services durchführt werden können. Vor einigen Monaten haben wir autonome, mobile Roboter als Anwendungsfall für unsere Lösung entdeckt.

Bestimmt werden sich manche fragen, warum ich meinen interessanten und gut dotierten Job gekündigt habe. Die Antwort ist ganz einfach: Weil ich mich in das technische Problem verliebt habe. Immer wieder habe ich gesehen, wie ineffizient Maschinen verwaltet werden und das zudem unsicher. Ich habe die Technologie in Händen gehalten, die beide Probleme lösen kann. Das treibt mich an.

Wir haben unseren Firmensitz in Berlin und hier gibt es eine lebendige Startupkultur mit zahlreichen Förderprogrammen. Philip und ich haben unser eigenes Geld in Staex investiert, wir bekamen ein Stipendium der Berliner Senatsverwaltung. Außerdem investierten Business Angels in unsere Idee. Dadurch hatten wir Zeit, finanzstarke Investoren zu finden. Ende April haben zwei Investoren in einer ersten Finanzierungsrunde 1,65 Millionen Euro in Staex investiert.

Meine Bekannten sagen über mich, ich hätte Durchhaltevermögen und eine gehörige Portion Optimismus. Beides hilft, um langfristige Ziele zu erreichen. Sie sagen auch, ich hätte große Visionen. Die brauchen Gründer, aber sie hindern auch. Als Gründerin muss ich den Spagat schaffen, eine Vorstellung davon zu haben, wohin wir uns entwickeln sollen. Andererseits ist es wichtig, heute schon Umsätze zu machen. Im Moment bin ich dabei zu lernen, das große Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und dennoch ganz bodenständig jeden Tag Geld zu verdienen. Das ist eine echte Herausforderung.

Primär will ich eine sichere und effiziente Maschinenökonomie aufbauen, sodass die Industrie 4.0 endlich fliegt. Ein lukrativer Exit ist ein zweitrangiges Ziel, wenn das erste geschafft ist. Denn ich habe auch noch andere Ziele, die ich verwirklichen will: Ich wäre gerne daran beteiligt, nachhaltige Flugzeuge zu entwickeln. Das würde meinen Opa freuen."

Protokolliert von Peter Ilg

(axk)