"Ablenkend und peinlich": Interne Kritik an Elon Musk, SpaceX feuert Angestellte

Musks Äußerungen auf Twitter seien für Angestellte von SpaceX ablenkend und peinlich. Einige fordern eine Distanzierung. SpaceX reagierte prompt und harsch.

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(Bild: SpaceX)

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Von
  • Martin Holland

Unter den Angestellten des US-Raumfahrtunternehmens SpaceX wird gegenwärtig ein offener Brief an die Geschäftsführung diskutiert, in dem mit deutlichen Worten Kritik an Geschäftsführer Elon Musk geübt wird. Dessen Verhalten in der Öffentlichkeit sei vor allem in den vergangenen Wochen häufig ablenkend und peinlich für alle bei SpaceX gewesen, heißt es in dem Text, den The Verge öffentlich gemacht hat.

Musk werde als das Gesicht von SpaceX gesehen, jeder Tweet werde als Statement des Unternehmens verstanden. Es sei entscheidend, allen bei SpaceX, aber auch potenziellen Angestellten deutlich zu machen, dass seine Äußerungen nicht die Arbeit, die Mission oder die Werte des Unternehmens repräsentierten.

Laut The Verge wird der offene Brief aktuell im internen Chat von SpaceX diskutiert, Angestellte würden aufgefordert, ihn zu unterzeichnen – namentlich oder anonym. Später soll er der Unternehmenspräsidentin Gwynne Shotwell zugestellt werden. Begründet wird die Kritik mit der "signifikanten Arbeit", die Individuen und Gruppen bei SpaceX geleistet hätten, um die Firma inklusiver zu machen. Das Unternehmen leiste dazu viel zu wenig und gegenwärtig werde seinen selbst formulierten Ansprüchen nicht in genügendem Ausmaß gerecht. Ohne Musk in diesem Kontext namentlich zu nennen, heißt es, dass die viel zitierte "kein-Arschloch-Vorgabe" nicht von allen gleichermaßen umgesetzt werde.

Am Ende des Briefs werden demnach drei zentrale Forderungen formuliert. Zuallererst sollte Musks "schädliches Verhalten auf Twitter" öffentlich angesprochen und verurteilt werden, fordern die anonymen Autoren und Autorinnen. SpaceX müsse sich schnell und deutlich von Musk persönlicher Marke distanzieren. Weiterhin müsste die Führung des Unternehmens in gleichem Umfang dafür verantwortlich gemacht werden, SpaceX zu einem großartigen Arbeitsplatz zu machen. Nicht akzeptables Verhalten solle außerdem eindeutig definiert werden und die Reaktion darauf konsistent sein. Es müsse klare Konsequenzen geben, die für alle, vom CEO bis hinunter zu neuen Angestellten durchgesetzt werden. Wie viele den Brief bereits unterzeichnet haben, sei unklar, aber es gebe hunderte Meinungsäußerungen und viel Zustimmung.

Der offene Brief macht deutlich, dass es auch intern bei SpaceX teils große Kritik an dem charismatischen CEO gibt. Erst im Dezember hatte eine Ex-Mitarbeiterin schwere Vorwürfe gegen das US-Raumfahrtunternehmen erhoben und harsche Worte für Elon Musk benutzt. Seit der versucht, den Kurznachrichtendienst Twitter zu kaufen, steht er noch einmal stärker im öffentlichen Rampenlicht und irritiert immer wieder mit Tweets. Zuletzt hat er sich auch politisch deutlich positioniert und dürfte damit nicht nur viele Angestellte verprellt haben, sondern könnte auch zur Sorge beitragen, dass die weitere Entwicklung der Raumfahrt in den USA parteipolitisch aufgeladen wird. Angesichts von Musks Visionen wird in dem offenen Brief außerdem gefragt, ob die Firmenkultur bei SpaceX wirklich dem entspreche, was man zum Mars und darüber hinaus bringen wolle.

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SpaceX hat am Donnerstag mehrere Angestellte, die beim Schreiben und Verbreiten des offenen Briefs geholfen haben, entlassen. Das berichtet die New York Times unter Berufung auf mehrere anonyme Quelle. SpaceX-Präsidentin behauptete demnach in einer Mail, dass sich Angestellte wegen des Briefs und der gesamten Angelegenheit "unwohl, eingeschüchtert, schikaniert und/oder wütend" fühlen würden: "Wir haben zuviel entscheidende Arbeit zu erledigen und keine Zeit für solchen übertrieben Aktivismus." Tausende Angestellte wiederholt mit unangeforderten E-Mails einzudecken und um Unterschriften zu fordern, sei nicht akzeptabel: "Bitte konzentriert euch weiter auf die Mission von SpaceX und arbeitet so gut ihr könnt. Nur so kommen wir zum Mars." Wie viele Personen ihren Job verloren haben, ist unklar, SpaceX hat die Angelegenheit bislang nicht öffentlich kommentiert.

(mho)