Stichproben: Zweifel an der Zuverlässigkeit der Daten von Google Trends

Abfragen von Google Trends werden vielfältig genutzt, auch von Wissenschaftlern. Eine Untersuchung wirft nun jedoch Fragen zur Zuverlässigkeit der Daten auf.

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(Bild: achinthamb/Shutterstock.com)

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Eine identische Suchabfrage zu unterschiedliche Zeiten in Google Trends liefert abweichende Ergebnisse: Untersuchungen eines Teams aus Journalisten des NDR und dem Big-Data-Beratungsunternehmen "Hase & Igel" zweifeln die Aussagekraft der Daten von Google Trends an. Die entdeckten Diskrepanzen werfen laut dem Bericht Fragen auf, inwiefern die Daten tatsächlich das Suchverhalten der Nutzer wiedergeben.

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Google Trends liefert Informationen über die Suchanfragen seiner Nutzer im Internet. Der im Jahr 2006 gestartet Dienst des Internet-Suchriesen zeigt, wie populär Begriffe über einen Zeitraum waren. Später wurde der Dienst um die Besucherzahlen von Domains erweitert – dessen Aussagekraft angezweifelt wurde, da die Daten auch aus Abfragen wie der Google Toolbar stammten. 2013 testeten Forscher Google Trends für Wirtschaftsvorhersagen; dabei wurde der Wert eines Test-Portfolios vervierfacht, wohingegen eine Durchschnitts-Strategie nur 16 Prozent Zuwachs verzeichnete. Im Jahr 2015 macht der Konzern den Zugriff über sein "aufgebohrtes" Webtool auf Grundlage von über 100 Milliarden Suchanfragen pro Monat in Echtzeit möglich.

"Diese Themen interessieren die Welt" wirbt das Unternehmen für Google Trends, das Wissenschaftlern, Wirtschaftsexperten, Ermittlern und Journalisten als Recherche-Werkzeug dient. Um "die journalistische Arbeit im digitalen Zeitalter zu fördern" bietet die Alphabet-Tochter im Rahmen der "Google News Initiative" Lernmodule für Google Trends kostenlos an. Den Untersuchungen des NDR zufolge, an denen auch Wissenschaftler der Universitäten Oldenburg und Hannover beteiligt waren, seien diese Daten jedoch nicht zuverlässig.

In identischen Google Trends-Abfragen an drei unterschiedlichen Tagen (25.04., 28.04. und 08.05.) zum Suchbegriff "Kurzarbeit" für den gleichen Zeitraum (Februar 2020) lieferte der Dienst abweichende Ergebnisse. Immer wieder hätten identische Suchabfragen zu "zum Teil eklatant unterschiedlichen Ergebnissen" geführt. In Hunderten automatisierter Abfragen seien "starke Schwankungen bei den Ergebnissen einiger Stichworte" festgestellt worden, auch bei historischen Daten. Reproduzierbare Ergebnisse gebe es nur in bestimmten Konstellationen, heißt es in dem Bericht weiter.

Drei identische Google-Trends-Abfragen, drei stark variierende Ergebnisse

(Bild: NDR Data)

Aus Google Trends gewonnene Vergleichswerte sollen vom Sachverständigenrat Wirtschaft für einen Corona-Report veröffentlicht worden sein. Auch das Landeskriminalamt Bayern nutze Google Trends für Recherchen – mit geringerem Stellenwert im Vergleich zu anderen Methoden –, die regelmäßig im Rahmen von Ermittlungen durchgeführt würden, wie auch Landeskriminalämter in anderen Ländern.

Die Google News Lab-Leiterin, Isabelle Sonnenfeld erklärt gegenüber dem NDR, dass die in Google Trends verwendeten Stichproben aus Milliarden täglichen Suchanfragen ausreichend seien, da eine Verarbeitung aller Suchanfragen aufgrund der Datenmenge nicht mehr möglich sei. Zu den kleinen Abweichungen, auch in abgeschlossenen Zeiträumen, könne es kommen, wenn ein Suchbegriff in der betrachteten Periode nur ein sehr geringes Suchvolumen aufweise, so Sonnenfeld weiter.

(bme)