Strafe droht: Techkonzerne müssen gegen Deep Fakes vorgehen

Google, Facebook und Co. müssen gegen Deep Fakes vorgehen oder riskieren EU-Strafen. Der aktualisierte EU-Verhaltenskodex wird wohl bald veröffentlicht werden.

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(Bild: Dilok Klaisataporn/Shutterstock.com)

Von
  • Andreas Knobloch

Die Techkonzerne Google, Facebook, Twitter und andere müssen Maßnahmen ergreifen, um Deep Fakes und gefälschte Konten auf ihren Plattformen zu bekämpfen, oder sie riskieren saftige Geldstrafen im Rahmen eines aktualisierten EU-Verhaltenskodex. Das meldete die Nachrichtenagentur Reuters am Montag exklusiv und beruft sich dabei auf mit der Angelegenheit vertraute Quellen. Demnach werde die Europäische Kommission den aktualisierten Verhaltenskodex zur Desinformation am Donnerstag als Teil ihres Durchgreifens gegen Fake News veröffentlichen.

Der bislang freiwillige Kodex wird künftig zu einem Koregulierungssystem, bei dem die Verantwortung zwischen den Regulierungsbehörden und den Unterzeichnern des Kodex geteilt wird, so Reuters. Er wird den Quellen zufolge mehr Beispiele für manipulatives Verhalten wie Deep Fakes und Fake-Accounts aufführen, gegen die die Unterzeichner vorgehen müssen.

Bei Deep Fakes handelt es sich um hyperrealistische Fälschungen. Mit Hilfe von Systemen Künstlicher Intelligenz (KI) werden Personen in realistisch wirkenden Fotos, Audios oder Videos in neue Kontexte gestellt. Oft werden so Dritten etwa Worte in den Mund gelegt, die sie so niemals gesagt haben. Deep Fakes gefährden die Demokratie, so eine EU-Studie. Das Spektrum reicht von der Manipulation demokratischer Prozesse bis zu Unterbrechungen des Finanz-, Justiz- und Wissenschaftssystems. Laut Europol werden Deep Fakes auch bei Kriminellen ein immer beliebteres Werkzeug. Kürzlich brachte Österreich ein internationales Verbot für Deepfake-Technik ins Spiel.

Der aktualisierte Kodex wird auch mit den strengen neuen EU-Vorschriften verknüpft sein, die unter dem Namen Digital Services Act (DSA) bekannt sind, und einen Abschnitt zur Bekämpfung von Desinformation enthalten. Die EU-Gremien hatten sich im April auf dieses neue "Plattform-Grundgesetz" geeinigt. Unternehmen, die ihren Verpflichtungen im Rahmen des aktualisierten Kodex nicht nachkommen, müssten dann mit Geldstrafen von bis zu sechs Prozent ihres weltweiten Umsatzes rechnen, schreibt Reuters und zitiert den EU-Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistungen, Thierry Breton, der das Vorgehen der EU gegen Desinformation leitet: "Vom Brexit bis zum russischen Krieg gegen die Ukraine haben bekannte soziale Netzwerke in den letzten Jahren zugelassen, dass sich Desinformationen und Destabilisierungsstrategien hemmungslos verbreiten konnten – und sogar Geld damit verdient." Das beste Gegenmittel sei es, ihre Finanzierung auf eine klare Art und Weise zu unterbinden, so Breton weiter. "Die Plattformen sollten keinen einzigen Euro mehr für die Verbreitung von Desinformation erhalten. Die Demonetisierung ist ein Eckpfeiler des Verhaltenskodexes gegen Desinformation", sagte er.

Der EU-Verhaltenskodex war angesichts der rasanten Ausbreitung von Falschnachrichten im Netz 2018 auf freiwilliger Basis eingeführt worden. Er sieht vor, dass Online-Plattformen ihre Werbekunden genauer prüfen und die Personalisierung von politischer Werbung einschränken. Bezahlte politische Inhalte sollen kenntlich gemacht werden. Zudem sollen die Unternehmen ihren Nutzern den Zugang zu vertrauenswürdigen Informationen und die Unterscheidung erleichtern. Mit der Freiwilligkeit könnte es nun also bald vorbei sein.

(akn)