Streit mit Epic: Apple kann Ex-iOS-Boss nicht finden

Epic Games will Scott Forstall vorladen. Doch die Telefonnummer des ehemaligen Topmanagers liegt dem iPhone-Konzern laut eigenen Angaben nicht vor.

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Ex-Apple-Manager Forstall ist seit 2012 nicht mehr bei dem Konzern.

(Bild: paz.ca / Flickr / cc-by-2.0)

Von
  • Ben Schwan

Im international ausgetragenen Konflikt um Apples App Store soll nun auch ein prominenter ehemaliger leitender Angestellter des iPhone-Konzerns aussagen. Das Problem: Er scheint aktuell nicht aufzufinden zu sein – und Apple hilft seinem Gegner, der Spielefirma Epic Games, nicht wirklich dabei.

Scott Forstall war zuletzt Senior Vice President (SVP) für den Bereich iOS-Software und über Jahre einer der wichtigsten Mitarbeiter des 2011 verstorbenen Apple-CEO Steve Jobs. Im Oktober 2012 verließ der Software-Ingenieur, der 1992 zu NeXT gekommen und 1997 mit Jobs zu Apple gegangen war, den Konzern. Zuvor war es zu internen Streitigkeiten und einem Konflikt mit Jobs-Nachfolger Tim Cook gekommen, was zu Forstalls Entlassung führte. Der Ex-Apple-Manager betätigt sich mittlerweile als Musical-Produzent.

Nun soll Forstall nach dem Willen von Epic Games im Prozess mit Apple – beziehungsweise den zuvor ablaufenden anwaltlichen Anhörungen – auftreten und sich vermutlich zu den Anfängen des App Store im Sommer 2008 äußern. Allerdings gelingt es Epic Games derzeit offenbar nicht, Kontakt aufzunehmen. Das geht aus Gerichtsunterlagen hervor, die der Patentrechtsexperte Florian Mueller veröffentlicht hat.

Demnach soll Apple im Dezember angeboten haben, Forstall unter Eid aussagen zu lassen und ihn zudem anwaltlich zu vertreten. Epic Games behauptet allerdings, Apple sage nun, sich nicht um die Befragung kümmern zu wollen und auch ein Termin sei nicht zustande gekommen, obwohl er für den 11. Februar vorgesehen war. Anfang Februar räumte Apple laut der Papiere und Aussagen Epics ein, dass Forstall nicht geantwortet habe. Forstall muss nun vor dem 10. März erscheinen – wenn dieser gefunden wird. Epic Games sucht ihn derzeit. Apple will angeblich mithelfen, aber dies auch nicht ewig mittragen. Ferner behauptete das Unternehmen laut dem Bericht zunächst, Forstalls Telefonnummer nicht an Epic Games herausgeben zu dürfen, musste dann aber einräumen, dass man glaube, dass sich "diese Information nicht in unserem Besitz" befindet.

Der Konflikt zwischen Epic Games und Apple entbrannte im August 2020, nachdem sich Epic nicht mehr an die seit mehr als einem Jahrzehnt geltende Vorgabe halten wollte, dass virtuelle Artikel in dem Spiel auf iPhones und iPads nur über das System der In-App-Käufe von Apple angeboten werden können. Dabei behält Apple 30 Prozent Provision ein. Epic möchte stattdessen einen eigenen App Store auf dem iPhone betreiben oder zumindest die Möglichkeit von Direktverkäufen erhalten.

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Nachdem der iPhone-Konzern Änderungen an den Geschäftsbedingungen ablehnte, bauten die Epic-Entwickler in der App die vertraglich verbotene Möglichkeit ein, die Artikel auch direkt bei Epic kaufen zu können. Dafür wurde im Spätsommer eine versteckte Funktion in der Anwendung aktiviert, die Epic an den App-Prüfern von Apple vorbeigeschmuggelt hatte. Seither laufen gegenläufige Verfahren sowie Wettbewerbsuntersuchungen in mehreren Ländern.

(bsc)