Streit über App-Store-Regeln: Apple gibt Update-Blockade von E-Mail-App auf

Apple versucht, einen schnell hochgekochten Streit mit einem App-Anbieter zu schlichten. Die weitere Zukunft der E-Mail-App Hey bleibt aber ungewiss.

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Bei einer Suche im App Store soll künftig auch bezahlte Werbung auftauchen.

(Bild: dpa, Alex Heinl/Archiv)

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Apple hat ein zuerst abgelehntes Bugfix-Update für eine neue E-Mail-App inzwischen doch noch zugelassen – nach einem kurzen aber erbittert ausgetragenen öffentlichen Streit mit dem Entwickler. Die App "Hey" ist am Montag in Version 1.0.2 im App Store gelandet.

Der App-Anbieter hatte sich geweigert, Apples Bezahlschnittstelle zu integrieren und damit bis zu 30 Prozent des Umsatzes bei Abschluss eines Abonnements an den iPhone-Konzern abzutreten. Apple blockierte das Update daraufhin in der vergangenen Woche unter Verweis auf Regelverstöße und teilte dem Entwickler mit, die App hätte in dieser Form gar nicht erst im App Store erscheinen dürfen. Der Anbieter Basecamp sah sich drangsaliert, machte die Update-Blockade öffentlich und verglich Apples Vorgehen mit Mafia-Taktiken.

Der Fall löste eine breitere Debatte über den App Store, dessen Regeln, deren Auslegung und Apples Umsatzbeteiligung aus. Apple kontrolliert mit dem Software-Laden den Zugang zu iPhones und iPads. Weitere iOS-Entwickler meldeten sich daraufhin mit ähnlichen Erfahrungsberichten zu Wort und merkten an, man habe bislang aus Angst vor Apple geschwiegen.

Apples Marketingchef, der auch für den App Store zuständig ist, betonte noch am Freitag, es werde keine Regeländerung geben. Dennoch wurde das Update in der Nacht auf Samstag dann von Apple durchgewunken. Apple wollte den Konflikt damit vermutlich kurz vor Start seiner Entwicklerkonferenz WWDC entschärfen, die am Montagabend mit einer Keynote beginnt.

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Wie es mit Hey weitergeht, bleibt allerdings unklar. Basecamp beharrt darauf, Apples Bezahlschnittstelle keinesfalls integrieren zu wollen. Man habe nun andere Vorschläge des Konzerns bei der Weiterentwicklung berücksichtigt und werde eine Gratisfunktion integrieren, damit Nutzer die App auch einfach so verwenden können, statt direkt mit einer Login-Ansicht konfrontiert zu werden. Zudem habe man den E-Mail-Dienst mehr auf Geschäftskunden ausgelegt. Diese Schritte seien ein "guter Kompromiss", schreibt Basecamp-Chef Jason Fried. Allerdings bleibt unklar, ob Apple die neue Version in den App Store lässt – sie wurde nun zur Prüfung eingereicht.

Digitale Inhalte dürfen im App Store nur über Apples Bezahlschnittstelle verkauft werden, der Konzern verdient daran automatisch mit. Anbietern ist untersagt, auf externe Möglichkeiten – etwa die eigene Webseite – zum Abschluss eines Abonnements zu verweisen. Anbieter von Content wie Musik- und Videostreaming-Dienste dürfen darauf verzichten, in ihrer App Apples Bezahlschnittstelle zu integrieren – diese Ausnahme gilt für andere plattformübergreifende Dienste wie etwa einen E-Mail-Dienst jedoch nicht.

Die EU-Kommission hat in der vergangenen Woche ein formelles Wettbewerbsverfahren eingeleitet, das bestimmte App-Store-Regeln prüfen soll. Der Vorsitzende des Kartellausschusses im US-Kongress, der eine Untersuchung gegen die großen IT-Konzerne leitet, bezeichnete Apples Provision für den App-Vertrieb jüngst als "Wegelagerei".

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(lbe)