Stromknappheit in China trifft Apple- und Tesla-Zulieferer

Wegen knapper Kohlevorräte und strengerer Emissionsnormen steckt China in einer Stromkrise. Das wirkt sich auf Industrieproduktion und private Haushalte aus.

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Strommast

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Von
  • Andreas Knobloch

Probleme mit ihrer Produktion könnten Konzerne wie Apple und Tesla vor der Haupteinkaufszeit zu Weihnachten bekommen. Die sich ausweitende Stromknappheit in China beeinträchtigt seit Wochen die Hersteller in den bedeutenden Industriezentren an der Ost- und Südküste der Volksrepublik. Um den strengeren Energieverbrauchsrichtlinien gerecht zu werden, haben mehrere wichtige Zulieferer Apples und Teslas die Produktion in einigen Werken ausgesetzt.

Der Apple-Zulieferer Unimicron Technology hat in drei seiner chinesischen Niederlassungen die Produktion eingestellt. Das Unternehmen begründet dies mit der "Politik der lokalen Regierungen zur Begrenzung der Elektrizität". Die Concraft Holding, die Lautsprecherteile für iPhones herstellt, setzt die Produktion für fünf Tage aus. Die Produktionsausfälle betreffen auch die Zulieferer des Elektroautoherstellers Tesla. Das Unternehmen hat, wie die gesamte Autoindustrie, mit Halbleiter-Engpässen zu kämpfen.

Mindestens 15 chinesische Unternehmen teilen in Börsenberichten mit, dass ihre Produktion wegen Strombeschränkungen unterbrochen wurde. Mehr als 30 in Taiwan notierte Unternehmen haben bei ihren Niederlassungen in China die Arbeit eingestellt, um die Strombeschränkungen einzuhalten, berichtet Reuters. Auch die Stahl-, Aluminium- und Zementindustrie seien stark von den Produktionsbeschränkungen betroffen. Ebenso Hersteller von Chemikalien, Farbstoffen, Möbeln und Sojamehl.

Aber auch Privathaushalte, vor allem im Nordosten Chinas, leiden unter der Stromknappheit. In der Provinz Liaoning wurden in der vergangenen Woche die Stromabschaltungen von Industrieunternehmen auf Wohngebiete ausgeweitet. Die Stadt Huludao forderte ihre Einwohner auf, während der Spitzenzeiten keine Geräte mit hohem Energieverbrauch, wie Wassererhitzer oder Mikrowellen, zu benutzen. Bewohner von Städten wie Changchun in der Provinz Jilin berichteten staatlichen Medien, dass die Stromausfälle früher eintreten und länger andauerten. Die Region ist das Zentrum der chinesischen Automobilproduktion. Am Montag hat sich Chinas staatlicher Netzbetreiber verpflichtet, die Grundversorgung sicherzustellen und Stromausfälle zu vermeiden.

Die Stromknappheit sorgt für Verunsicherung zu einer Zeit, da sich die Wirtschaft mit Chinas Tech-Crackdown, sowie der ungewissen Zukunft des in Finanznot geratenen Immobilienriesen Evergrande konfrontiert sieht. Hervorgerufen wurde die Stromkrise in dem Land durch knappe Kohlevorräte, die zum Teil auf eine Belebung der Industrietätigkeit zurückzuführen sind, da sich die Wirtschaft von der Coronavirus-Pandemie erholt. Hinzu kommt, dass die Volksrepublik aus politischen Gründen Kohlelieferungen aus Australien boykottiert.

Starke Nachfrage haben die Kohlepreise auf Rekordhöhen getrieben. Mehrere Provinzbehörden haben in den vergangenen Monaten die Durchsetzung der Energieverbrauchsrichtlinien verschärft, um Klimaziele zu erreichen. China, der weltweit größte Energieverbraucher und Verursacher klimaschädlicher Treibhausgase, hat sich zum Ziel gesetzt, die Kohlendioxidemissionen bis 2060 auf Null zu senken.

(akn)