Studie: Airbnb-Inserate lassen die Mieten in der Nähe steigen

Je mehr Angebote es auf Airbnb in der Nähe gibt, desto höher die Monatsmiete. Das haben Forscher am Beispiel Berlin ermittelt und nennen auch konkrete Zahlen.

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Studie: Airbnb-Inserate lassen die Mieten in der Nähe steigen

(Bild: mirtmirt/Shutterstock.com)

Von
  • Martin Holland

Die Vermittlungsplattform Airbnb treibt die Mieten in Großstädten wie Berlin messbar in die Höhe. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung anhand von Daten zur Bundeshauptstadt. Dort gilt seit Mai 2016 ein Zweckentfremdungsverbot – für die gewerbsmäßige Untervermietung ganzer Wohnungen auf Plattformen wie Airbnb ist seitdem eine Genehmigung nötig. Im Sommer 2018 wurde diese Regelung weiter verschärft. Die Forscher haben untersucht, welche Konsequenzen das für das Angebot auf Airbnb und für die Mietpreise hatte, erläutern sie in ihrer nun öffentlich gemachten Studie.

Als das Zweckentfremdungsverbot in Berlin im Frühjahr 2016 seine volle Wirkung entfaltete, sank nicht nur die Anzahl der Inserate auf Airbnb für Berlin – vor allem, wenn es um ganze Wohnungen ging. Pro Quadratkilometer sank die Zahl der Inserate demnach um durchschnittlich acht. Auch die durchschnittliche Zahl an Tagen im Jahr, in dem die Wohnungen für Gäste offenstanden, ging jeweils substanziell zurück, schreiben die Forscher. Die Gesetzesänderung im August 2018 – bei der es vor allem um eine Registrierungsvorgabe ging – sorgte demnach dann zwar noch einmal für einen weiteren Rückgang – um weitere zehn Inserate pro Quadratkilometer. Der habe aber vor allem um Wohnungen betroffen, die nur an vergleichsweise wenigen Tagen weitervermietet wurden. Diese deutlichen Veränderungen auf der Plattform konnten die Forscher nun in Relation zu den verlangten Mieten setzen.

Jede zusätzliche komplette Wohnung in einem Umkreis von 250 Metern um eine Mietwohnung sorgt für einen Anstieg der Monatsmiete um mindestens 0,07 Euro pro Quadratmeter, haben die Wissenschaftler ermittelt. Bei Airbnb-Inseraten, die an besonders vielen Tagen im Jahr offen standen, stiegt dieser Wert demnach sogar auf bis zu 0,13 Euro – abhängig vom Stadtviertel kamen sogar Steigerungen von 0,46 Euro pro Quadratmeter Mietwohnung zusammen. Damit seien frühere Studien bestätigt, die bereits nahegelegt hatten, dass mit einer wachsenden Popularität von Airbnb Mietsteigerungen einhergehen. Für den Fall von Berlin konnten sie den Effekt nun nicht nur quantifizieren, sondern auch ergänzen, dass vor allem die besonders aktiven Inserate für diesen Einfluss verantwortlich sind.

Die Sorge, dass Vermieter Wohnungen über Plattformen wie Airbnb lieber lukrativ über kurze Zeiträume anzubieten, als langfristig zu vermieten und so dem Wohnungsmarkt entziehen, gibt es schon länger. Die Forscher um Thomas Duso zitieren mehrere Arbeiten, die bereits Bestätigungen dafür geliefert hätten, bislang aber nicht für Deutschland. Dass die Politik darauf durchaus Einfluss nehmen kann, habe das Beispiel Berlin gezeigt. Weltweit haben Stadtverwaltungen in den vergangenen Jahren Schritte unternommen, um den Druck auf den Wohnungsmarkt zu verringern. Zu den damit verbundenen Schwierigkeiten kam für Airbnb noch die massiven Auswirkungen der Corona-Krise hinzu. Trotzdem will der Konzern nun an die Börse.

Wenn es um die Begrenzung von Mietsteigerungen geht, lasse sich aus dem Berliner Beispiel deshalb schließen, dass sich die Politik vor allem auf jene Wohnungen konzentrieren sollte, die für viele Tage zur Weitervermietung angeboten werden. Die Ausweitung des Zweckentfremdungsverbots in Berlin im Jahr 2018 dürfte stattdessen vor allem jene Anbieter getroffen haben, die kurzzeitig ihre Wohnungen angeboten haben, ohne Apartments dem Wohnungsmarkt zu entziehen, schreiben die Forscher. Die geben damit also nicht nur Kritikern der Plattform weitere Daten in die Hand.

(mho)