Studie: Atomkraft ist nicht nachhaltig und hilft nicht im Klimawandel

Österreich hat eine Expertin damit beauftragt, die Atomkraft mit Erneuerbaren Energien zu vergleichen. Sie kommt nach Studienstudium zu eindeutigen Schlüssen.

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AKW Emsland

(Bild: RWE)

Von
  • Andreas Wilkens

Atomkraft ist als Energiequelle nicht erneuerbar und kann auch nicht zur Erreichung der Klimaziele beitragen. In dieser Haltung sieht sich die österreichische Regierung nun durch eine Metastudie bestätigt. Diese Art der Energiegewinnung sei abzulehnen und sollte nicht Teil des Energiemix der Zukunft sein.

Atomkraft verursache als Energiequelle zwar weniger CO2-Emissionen als fossile Brennstoffe. Allerdings gibt es andere Energiequellen – erneuerbare Energieträger wie Sonne, Wind und Wasser – mit noch geringeren Treibhausgasemissionen. Deren Beitrag zum Klimaschutz werde auch nicht durch vergleichsweise hohe Risiken infrage gestellt.

Das ist eines der Ergebnisse der Studie der Umweltökonomin Professorin Sigrid Stagl , die für die österreichische Regierung die Atomkraft nach den Kriterien der EU-Taxonomie-Verordnung vornehmen sollte. Die Verordnung soll am 1. Januar 2022 in Kraft treten und enthält Kriterien für nachhaltige Investitionen. Die Studie hat Österreich zusammen mit Luxemburg an die EU-Kommission übermittelt.

Eine der Voraussetzungen der Verordnung – "Do No Significant Harm" – erfülle die Atomkraft zu allen in der Verordnung genannten Umweltzielen nicht, geht aus der Literaturstudie hervor. Diese Ziele sind Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel, nachhaltige Nutzung und Schutz der Wasser- und Meeresressourcen, Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung sowie Schutz und Wiederherstellung der Biodiversität und der Ökosysteme.

Durch erhöhte Temperaturen führe der Schutz gegen Auswirkungen des Klimawandels zu steigenden Kosten durch AKW. Gleichzeitig sinke deren Produktivität wegen extremer Klimaschwankungen. Atomkraft benötige überdurchschnittlich viel Wasser, erhöhte Wassertemperaturen und reduzierte Wasserführung hätten bereits zu Unterbrechungen der Stromerzeugung geführt.

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Beim Abbau von Uran fallen erhebliche Mengen an Abfallstoffen und Prozesswasser an, die schwach radioaktive Stoffe, Metalle und Säure enthalten, heißt es weiter in der Studie. Immer noch ungeklärt sei, wie radioaktive Abfälle gelagert werden sollen. Sie würden immer noch zwischengelagert und stellen eine weitere Gefahr dar. Auch gebe es Bedenken wegen der Verbreitung von Atomwaffen.

Auch entspreche die Atomkraft nicht den internationalen Sozialstandards, die in der Taxonomie-Verordnung vorausgesetzt werden. Uranbergbau und -verarbeitung seien immer wieder von Menschenrechts- und Sicherheitsfragen begleitet. Das betreffe sowohl die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in den Bergwerken als auch das Menschenrecht auf Zugang zu Ressourcen, wie zu sauberem Wasser und Land für die lokale Bevölkerung.

Weiter hat die Metastudie ergeben, dass Sonnen- und Windenergie sowie die Stromspeichertechnik politisch, wirtschaftlich, sozial und technisch bezüglich Durchführbarkeit in den vergangenen Jahren machbarer wurden. Auf diesen Feldern gebe es bei der Atomkraft keine Fortschritte.

Während die Atomkraft in weiten Teilen der Welt gesellschaftlich wenig akzeptiert sei, erschienen Erneuerbare Energieträger einfach realisierbar, weitgehend risikofrei, wirtschaftlicher und sie würden mit jedem Jahr kostengünstiger.

Wenn zu sehr auf die Atomkraft gesetzt werde, um die Treibhausgasemissionen zu senken, würde sich wegen der langen Entwicklungszeiten die Stilllegung von fossil befeuerten Kraftwerken verzögern. Die Klimaziele würden nicht erreicht. Wegen der Kapitalintensität behindere Atomkraft den Einsatz CO2-emissionsarmer Alternativen.

Sechs AKW sind noch in Deutschland in Betrieb (7 Bilder)

Seit März 1984 ist Block C des AKW im bayerischen Gundremmingen in Betrieb. Block A war von 1967 bis 1977 in Betrieb. Der 1984 ans Netz gegangene Block B wurde am 31. Dezember 2017 abgeschaltet, Block C – ebenfalls 1984 in Betrieb genommen – soll 2021 folgen. (Bild: kkw-gundremmingen.de)

(anw)