Studie: Bitcoin-Mining sorgt für 0,1 Prozent des globalen CO₂-Ausstoßes

Das Bitcoinmining ist seit Langem wegen seines Stromhungers in der Kritik. Laut Forschern kommen rund zwei Drittel der Energie dafür aus fossilen Quellen.

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(Bild: Shutterstock)

Das Mining der Kryptowährung Bitcoin sorgt laut einer Schätzung von Forschern des Cambridge Center for Alternative Finance für 0,1 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen. Allerdings gehen die Forscher davon aus, dass der Ausstoß zuletzt gesunken ist: So prognostizieren sie für das Gesamtjahr 2022 Emissionen in Höhe von 48,35 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalenten – das wären 14,1 Prozent weniger als im Jahr 2021 (56,29 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente). Der Ausstoß 2022 entspreche dann ungefähr dem von Ländern wie Nepal oder der Zentralafrikanischen Republik.

Den Grund für das Absinken der Klimagas-Emissionen sehen die Cambridger Wissenschaftler darin, dass das Schürfen nach Bitcoin weniger profitabel geworden ist. Das zwingt die Miner, ihre Hardware vom Netz zu nehmen und Stromkosten zu sparen angesichts eines Bitcoinpreises, der derzeit um die 20.000 US-Dollar dümpelt. Der Stromverbrauch sei im Jahresvergleich um ungefähr ein 1,1 Prozent gesunken, von 96.48 TWh auf 95.42 TWh.

Zuletzt machte die Bitcoin-Mining-Branche in den USA auch erhebliche Verluste, die Kurse der börsennotierten Unternehmen sind im Keller. Vergangene Woche musste Compute North, ein Hosting-Dienst für Schürfleistung, mit Verbindlichkeiten von 500 Millionen US-Dollar in die Insolvenz gehen. Ob noch weitere Firmen folgen, ist Stoff für zahlreiche Spekulationen.

Zugleich hat die Schürfleistung aber zugenommen – die Forscher gehen hier vom Austausch alter Hardware durch neue, effizientere Geräte aus. Zwischen Januar 2021 und September habe es einen Zuwachs um rund 75 Prozent geben von 137,76 Exahashes pro Sekunde auf 242,13 Exahashes pro Sekunde.

Beim Energiemix, der für den Schürfstrom sorgt, hätten laut Daten vom Stand Januar 2022 die fossilen Energieträger deutlich die Nase vorn. 62,4 Prozent des Stroms stammten aus diesen Quellen, nur 37,6 Prozent dagegen aus klimafreundlicher Stromerzeugung, wozu die Forscher auch Atomkraft zählen. Größte Stromquelle sei Kohle mit 36,6 Prozent. Bei den erneuerbaren Energien sei Wasserkraft mit fast 15 Prozent wichtigster Beiträger. Dadurch, dass viele Mining-Betreiber ihre Anlagen von China in die USA oder nach Kasachstan verlegt hätten, hätten sich auch die Anteile der Energieträger verschoben, was man unter anderem an dem gesunkenen Wasserkraftanteil sehe.

Die Forscher weisen darauf hin, dass ihre Ergebnisse bei der Schätzung des Energiemixes erheblich von denen der Bitcoinmining-Branche abweichen. Die wähne sich mit einem Anteil von fast 60 Prozent erneuerbarer Energien deutlich grüner. Allerdings sei man für das theoretische Modell für den ökologischen Fußabdruck des Bitcoins von öffentlich zugänglichen Daten abhängig. Fälle wie Stromerzeugung in Inselanlagen oder die Verwertung von Fackelgas, einem Abfallprodukt der Ölförderung, das oftmals sonst nur verbrannt wird, würden nicht einfließen.

Geschätzt habe das Bitcoin-Netzwerk seit Erzeugung seines ersten Blocks im Jahr 2009 bis in den September 2022 für den Ausstoß von rund 200 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalenten gesorgt. 92 Prozent davon seien ab 2018 in die Atmosphäre gepustet worden. Zum Vergleich: Der Ausstoß Deutschlands lag laut Zahlen des Umweltbundesamtes im Jahr 2021 bei 762 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalenten.

(axk)