Studie: Chatkontakt erzeugt mehr Nähe als ein Videocall

Chats oder Videoanrufe – was hilft in der Pandemie besser, mit anderen in Kontakt zu bleiben? Duisburger Sozialwissenschaftler sind der Frage nachgegangen.

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(Bild: fizkes/Shutterstock.com)

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  • dpa

In Pandemie-Zeiten ersetzt die digitale Kommunikation einen großen Teil der sonst selbstverständlichen persönlichen Kontakte. Wie können Menschen sich dabei trotz Distanz verbunden fühlen? Das war eine der Fragestellungen, der Sozialpsychologen von der Universität Duisburg-Essen nachgegangen sind. Außerdem wollten die Wissenschaftler herausfinden, welche Art der digitalen Kommunikation am ehesten dabei hilft, strikte Corona-Bestimmungen und Kontaktbeschränkungen zu befolgen.

Obwohl Videoanrufe das Gegenüber zeigen und mehrere Sinne ansprechen, sind sie nicht immer der beste Weg, um in Kontakt zu bleiben – so lautet das Fazit der Wissenschaftler um Studienleiterin Nicole Krämer, Professorin für Sozialpsychologie an der Universität Duisburg-Essen. „Wir haben herausgefunden, dass das Verschicken von kleinen Nachrichten über Messenger – das können Texte sein oder Videos – besser hilft, um in Kontakt zu bleiben, als Videokonferenzen“, sagte sie gegenüber der dpa. „So eine schnell verschickte Textnachricht kann eher dazu führen, dass man das Gefühl hat, ‚andere sind mir nahe‘“, so Krämer.

Videoanrufe seien aufwendiger zu planen und daher seltener. Für das Gefühl „andere Leute sind da, die mit mir verbunden sind“ genüge es, über den Tag verteilt etwas von den Menschen zu hören. Außerdem zeige die Studie auf Basis mehrerer Online-Befragungen, dass Videoanrufe es den Menschen nicht unbedingt leichter machten, strikte Corona-Auflagen einzuhalten, sagt Krämer: „Da sind alle Nachrichten, die über Messenger kommen, offensichtlich hilfreicher, um die Leute bei der Stange zu halten.“ Das könne daran liegen, dass die Nutzung audiovisueller Kanäle die Sehnsucht nach persönlichem Kontakt verstärkt und den Impuls „ich will raus“ erzeugt.

Der Text der Studie, die auf Basis mehrerer Online-Befragungen während des ersten Lockdowns 2020 durchgeführt wurde, stehen auf Englisch unter dem Titel „Putting the social back into physical distancing: The role of digital connections in a pandemic crisis” als PDF zum Download zur Verfügung.

(dwi)