Studie: Elektromobilität gefährdet nicht so viele Arbeitsplätze wie befürchtet

Fraunhofer-Forscher meinen, die Auswirkungen des Wandels zur E-Mobilität sei für die gesamte Branche nicht so alarmierend wie bisher angenommen.

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Mitarbeiter im Volkswagen-Werk Zwickau bauen Scheinwerfer in einen ID.3.

(Bild: Volkswagen)

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  • Andreas Wilkens

Der Übergang zur Elektromobilität wird bei Volkswagen nicht so viele Arbeitsplätze kosten wie bisher befürchtet. Davon geht das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation aus. Sie wenden ihre Ergebnisse auf die gesamte Branche an und geben teilweise Entwarnung.

Der durchschnittliche Bedarf an Mitarbeitenden werde bis 2029 um 12 Prozent sinken, . Das ergebe sich weniger aus den Veränderungen am Produkt, sondern vor allem aus der Entwicklung der Stückzahlen sowie aus Verbesserungen prozess- und standortspezifischer Faktoren. "Folglich wird die zunehmende Elektromobilität selbst nur einen geringen direkten Beschäftigungseffekt haben, aber Auslöser und Katalysator für weitere Optimierungen in verschiedenen Bereichen sein", schreiben die Fraunhofer-Forscher.

Für die Herstellung eines konventionellen Antriebsstranges werden 70 Prozent mehr Mitarbeitende benötigt als zur Herstellung eines E-Antriebsstrangs, heißt es in der Studie. Volkswagen habe daher bereits Maßnahmen eingeleitet, um Stellen sozialverträglich abzubauen oder die Beschäftigung zu sichern. Zu letzterem gehört die Erhöhung der Stückzahlen und die Verlagerung auf die Fertigung neuer Komponenten wie Batteriezellen.

Die Beschäftigungsverluste, die bei Volkswagen durch die Einführung digitaler Technik anfallen können, verteilen sich unterschiedlich auf die Bereiche. Am negativsten betroffen sein werden laut den Forschern mit einem Beschäftigungsrückgang von bis zu 15 Prozent Produktion und Logistik, unter anderem durch Einführung von Robotern und fahrerlosen Transportfahrzeugen. Im Gegenzug werde es in diesen Bereichen mehr Planungs- und Verwaltungsaufgaben geben, um die eingeführte Automatisierungstechnik zu implementieren und zu betreiben.

In anderen Bereichen werde der Beschäftigungseffekt durch Digitalisierung "sehr moderat" ausfallen: in der Beschaffung zwischen 0 und minus 6 Prozent, im Finanzbereich zwischen minus 1 und minus 2 Prozent und im Personalbereich zwischen plus 3 und minus 5 Prozent.

Auf der anderen Seite könnte es durch die Digitalisierung einen höheren Beschäftigungsbedarf im IT-Bereich zwischen plus 2 und plus 3 Prozent geben, in Vertrieb & Marketing zwischen 0 und plus 2 Prozent und die technische Entwicklung zwischen plus 2 und plus 7 Prozent.

Auf die gesamte Branche der Autohersteller bezogen meinen die Fraunhofer-Forscher, ihre Studie relativiere "teils alarmierende Befunde bisheriger Publikationen und entkräftet gängige Szenarien einseitig negativer Beschäftigungseffekte. Die Transformation der Industrie sei nicht einheitlich, sondern ein "vielfach verflochtenes Nebeneinander von Arbeitsplatzaufbau, Arbeitsaufwertung und Arbeitsplatzentfall".

Die nationale Plattform Zukunft der Mobilität, die die Bundesregierung berät, ging im Januar dieses Jahres beispielsweise davon aus, dass bis 2030 rund 410.000 Arbeitsplätze in der Automobilindustrie in Gefahr sind.

(anw)