Studie: Fachkräftemangel könnte schärfer werden

2040 könnte es nach Meinung des Instituts der Deutschen Wirtschaft gut 3 Millionen Fachkräfte weniger geben als im Jahr 2020.

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Fachkräfte in Husum.

(Bild: Deutsche Windtechnik AG)

Von
  • Andreas Wilkens

Die deutsche Wirtschaft sollte sich darauf einstellen, dass das Fachkräfteangebot insgesamt zurückgeht, meint das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). Hintergrund nach einem starken Anstieg der Erwerbspersonenzahlen in den vergangenen Jahrzehnten sei der anstehende Abschied der relativ vielen Mitte der 1960er Jahre Geborenen in den Ruhestand. Auch dürfte sich die Zusammensetzung des Fachkräfteangebots stark verändern, meinen die Forschenden des der Wirtschaft nahestehenden Instituts.

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Für die Vorausberechnungen zur Entwicklung der Fachkräftebasis bis zum Jahr 2040 ging das IW von drei verschiedenen Annahmen zu Wanderungsbewegungen und Erwerbsbeteiligung aus. Bei sehr positiven Verläufen in beiden Bereichen bleibe die Zahl der am Arbeitsmarkt aktiven Fachkräfte zwischen 20 und 69 Jahren nahezu konstant. Im Jahr 2040 liege sie bei 35,2 Millionen gegenüber 35,5 Millionen im Jahr 2020. Dieses Szenario schließt "gezielte Weiterentwicklungen des ordnungspolitischen Rahmens zur Zuwanderung und späterem Renteneintritt ein".

Bei einer geringen Zuwanderung und einem geringen Anstieg der Erwerbsbeteiligung sei von einem Rückgang um 4,2 Millionen oder 12 Prozent auszugehen. In einem – nach Meinung des IW – nach aktuellem Stand besonders plausiblen mittleren Szenario sei von 3,1 Millionen oder 8,8 Prozent weniger Fachkräften auszugehen.

"In jedem Fall wird es dabei zu einer starken Verschiebung zwischen den akademischen und den beruflich qualifizierten Erwerbspersonen kommen", schreibt das IW (PDF). Die Zahl der akademischen Erwerbspersonen steige bis zum Jahr 2040 in allen betrachteten Szenarien noch stark an, wohingegen bei beruflich Qualifizierten von einem viel stärkeren Rückgang auszugehen sei.

Prognostizierte Entwicklung der Fachkräfte im erwerbsfähigen Alter. Personen im Alter zwischen 20 und 69 Jahren und zwischen 20 und 64 Jahren.

(Bild: IW)

Das IW geht davon aus, dass zwei Faktoren maßgeblich beeinflussen, wie stark der Fachkräftemangel ausfallen werde: die Wanderungsbewegungen zwischen Deutschland und dem Ausland und die Erwerbsbeteiligung der über 60-Jährigen. Alle anderen Determinanten der Entwicklung der Fachkräftebasis ließen sich hingegen relativ genau prognostizieren oder hätten nur wenig Einfluss auf die Ergebnisse.

Dabei seien die Wanderungsbewegungen in den vergangenen Jahrzehnten in vorab kaum absehbaren Wellen verlaufen. 2010 beispielsweise habe es noch keine Anzeichen dafür gegeben, dass es zur Mitte des Jahrzehnts neben einer starken Nettozuwanderung aus den neuen EU-Mitgliedsländern zum stärksten Flüchtlingszuzug in der Geschichte der Bundesrepublik kommen würde, erläutert das IW.

Der zweite Faktor ist die Erwerbsbeteiligung der über 60-Jährigen. Diese werde mit dem Übergang zur Rente mit 67 Jahren aller Voraussicht nach noch weiter steigen. Allerdings seien die Zusammenhänge zwischen den Regelungen in der gesetzlichen Rentenversicherung und der Erwerbsbeteiligung im höheren Alter im Zusammenspiel mit der betrieblichen und privaten Altersvorsorge derart komplex, dass sich die Erwerbsbeteiligung kaum auf wenige Prozentpunkte genau abschätzen lasse. Auch sei denkbar, dass das gesetzliche Renteneintrittsalter in den nächsten zwei Jahrzehnten weiter ansteigt.

(anw)