Studie: Feinstaubbelastung 2019 mitverantwortlich für 1,8 Millionen Todesfälle

Feinstaub- und Stickstoffdioxid-Belastung können Auswirkungen auf Gesundheit und Lebensdauer haben. Besonders Städter sind gefährdet, zeigen US-Studien.

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(Bild: BoJack/Shutterstock.com)

Von
  • Oliver Bünte

US-Forscherteams sehen einen Zusammenhang zwischen der Feinstaubbelastung in Städten weltweit und Todesfällen sowie zwischen Stickstoffdioxid-Belastungen und Asthma-Erkrankungen bei Kindern. Zu diesem Schluss kommen zwei Studien von US-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftlern. Demnach haben Analysen in der jüngsten Untersuchung zur weltweiten Belastung von Städten mit Feinstaub ergeben, dass 2019 rund 1,8 Millionen Todesfälle im Zusammenhang mit einer erhöhten Feinstaubbelastung stehen.

Das Forscherteam der im Fachmagazin Lancet Planetary Health veröffentlichte Studie "Global urban temporal trends in fine particulate matter (PM2.5) and attributable health burdens: estimates from global datasets" haben die Entwicklung der Feinstaubkonzentrationen von Partikelgrößen von weniger als 2.5 Mikrometer (PM2.5) zwischen den Jahren 2000 und 2019 in 13.160 Großstädten weltweit untersucht, um eine zurechenbare ursachenspezifische Sterblichkeit abzuschätzen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzten dazu Daten der Jahresdurchschnittskonzentrationen von PM2.5, epidemiologisch abgeleitete Konzentrations-Wirkungs-Funktionen und Informationen zu länderspezifischen Krankheitsraten. Die Feinstaubkonzentrationen wurden zusätzlich bevölkerungsgewichtet, um insgesamt eine möglichst genaue Schätzung der Sterblichkeit in Zusammenhang mit Feinstaub zu erzielen.

Das Forscherteam stellte fest, dass die regionalen Feinstaubkonzentrationen zwischen 2000 und 2019 zurückgingen, es aber eine erhebliche Heterogenität in den Trends der PM2.5-Konzentrationen in den Städten gegeben hat. Etwa 86 Prozent der Städter leben in städtischen Gebieten, in denen der von der WHO festgelegte Jahresmittelwert von 10 Mikrogramm pro Kubikmeter von PM2.5 überschritten wird. Das entspricht etwa 2,5 Milliarden Menschen, die dauerhaft einer erhöhten Feinstaubbelastung ausgesetzt waren. Dies führte 2019 zu mehr als 1,8 Millionen Todesfällen, heißt es in der Studie.

Die durchschnittliche Anzahl von PM2.5-bedingten Todesfällen seien in allen untersuchten Regionen, ausgenommen Europa sowie Nord- und Südamerika, angestiegen. Die Forscher führen die Entwicklung auf Veränderungen der Bevölkerungszahl, der Altersstruktur und den Krankheitsraten zurück. In einigen Städten stieg die PM2.5-indizierte Sterblichkeit trotz sinkender Feinstaubkonzentration an. In diesen Städten sei es zu Verschiebungen in der Altersverteilung und den Raten nicht übertragbarer Krankheiten gekommen. Obwohl es also Fortschritte bei der Verringerung der Feinstaubbelastung gegeben hat, nimmt weltweit die Gesundheitsbelastung durch PM2.5 zu.

PM2.5 sei heute der größte Umweltfaktor, der zur globalen Krankheitslast beiträgt, konstatieren die Forscherinnen und Forscher. 1990 habe er noch an fünfter Stelle der Umweltrisikofaktoren gestanden. Die Langzeitbelastung mit Feinstaub könne mit verschiedenen Krankheiten in Verbindung gebracht werden wie etwa Herz-Kreislauf-, Atemwegserkrankungen sowie Lungenkrebs und Infektionen der unteren Atemwege. Da die Anzahl der Stadtbevölkerung weltweit tendenziell zunehme und damit die Anzahl von Luftverschmutzung betroffener Menschen ansteige, weisen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler darauf hin, dass Regierungsverantwortliche in den Städten und engagierte Umweltschutzorganisationen ihr Handeln auf Grundlage der Forschungsergebnisse ausrichten können, um in Städten bessere Umwelt- und Luftbedingungen zu schaffen.

Die Diagramme zeigen die Trends weltweiter urbaner Mortalitätsraten und Feinstaubkonzentrationen zwischen 2000 und 2019.

(Bild: Veronica A. Southerland u. a.)

Von besseren Luftbedingungen in Städten würden dann auch Kinder profitieren, wie eine weitere Studie aufzeigt. Teile des gleichen Forscherteams der ersten Studie sowie weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben in der ebenfalls Anfang Januar in Lancet Planetary Health veröffentlichten Studie "Long-term trends in urban NO2 concentrations and associated paediatric asthma incidence: estimates from global datasets" die Konzentrationen von NO2-Konzentrationen in 13.189 Städten über den Zeitraum 2000 bis 2019 analysiert und ihren Zusammenhang mit Asthma-Erkrankungen bei Kindern untersucht.

Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass 2019 weltweit rund 1,85 Millionen neue Asthma-Erkrankungen bei Kindern auf eine Stickstoffdioxid-Belastung zurückzuführen ist. Zwei Drittel beträfen Kinder in städtischen Gebieten. Dort sei die Anzahl der NO2-bedingten Asthma-Fälle bei Kindern von 19,8 Prozent im Jahr 2000 zwar auf 16 Prozent 2019 zurückgegangen. Allerdings ging die Anzahl der Fälle in Städten nur in Ländern mit hohem Einkommen, darunter Mittel- und Osteuropa, zurück. In Südasien, in Afrika südlich der Sahara, in Nordafrika und dem Nahen Osten stieg die Fallzahl dagegen an.

Noch immer sei die verbrennungsbedingte NO2-Belastung in Städten ein gewichtiger Faktor für die Asthma-Erkrankungen bei Kindern weltweit, schreibt das Forscherteam. Deshalb sei eine weitere Verringerung der Luftverschmutzung angeraten.

Beide Studien wurden von der Raumfahrtbehörde NASA sowie der in London ansässigen gemeinnützigen Stiftung Wellcome Trust gefördert.

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(olb)