Studie: Frauenstimmen werden in Videokonferenzen benachteiligt

Für Meetings-Tools sollte mehr auf die Übertragung von Merkmalen wie Ausdrucksstärke oder Emotionalität geachtet werden, meinen Ingenieure.

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Videokonferenzens mit MS Teams.

(Bild: Microsoft)

Von
  • Andreas Wilkens

"Frauen fehlt Charisma" betiteln Magdeburger Ingenieure ihr Fazit einer Studie über technisch bedingte Diskriminierung in Videokonferenzen. Systeme wie Zoom, Skype oder Teams übertragen nicht alle Anteile der Sprache und dünnen Frequenzen aufgrund des hohen Datenvolumens aus. Dabei würden Männer- und Frauenstimmen nicht gleichbehandelt.

Jun.-Prof. Dr.-Ing. Ingo Siegert von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und Prof. Dr. Olvier Niebuhr von der Universität Sønderborg in Dänemark ließen 12 Testhörerinnen und 9 Testhörer Audiobeispiele von trainierten Sprecherinnen und Sprechern, die über Remote-Meeting aufgenommen wurden, auf einer Skala von 1 bis 10 bewerten. Dabei schnitten die Frauenstimmen signifikant schlechter ab. Anschließend nutzten die Ingenieure zur Analyse der gleichen Aufnahmen messbare akustische Marker wie Stimmhöhe, Stimmumfang oder Klangtiefe. Den Frauenstimmen fehlten dabei im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen wesentliche emotionale Komponenten.

Die Wirkung unserer Stimme sei immens wichtig, um überzeugend zu sein und Präsenz zu zeigen, erläutert Siegert, "insbesondere, weil Videokonferenzen oft unter suboptimalen Licht-, Haltungs- und Blickverhältnissen stattfinden". In der Audioverarbeitung werde bisher mit vorher festgelegen Frequenzbereichen gearbeitet, die den stimmlichen Unterschieden der Geschlechter nicht immer gerecht würden.

Künftig sollte bei der Entwicklung der Codes für digitale Meeting-Tools nicht nur auf die reine Sprachqualität, auf Verständlichkeit und Unterdrückung von Hintergrundgeräuschen geachtet werden, sondern auch auf die Übertragung von Merkmalen wie Ausdrucksstärke oder Emotionalität, fordert Siegert. Das sei wichtig in einer Zeit, in der Verkauf, Kundenakquise, Unternehmensführung und auch politische Agenden über digitale Kommunikationsmittel abgewickelt werden.

Die nun von ihm und Niebuhr vorgestellten Arbeiten zeigten auf, welche "Charisma-Marker" durch die Kompression beeinflusst würden. Nun könne diese Veränderung in der Entwicklung neuer Kompressionsmethoden berücksichtigt werden.

(anw)