Studie: Homeoffice bedroht Work-Life-Balance, ist aber gut für Frauen

Eine Studie von Atlassian beleuchtet Vor- und Nachteile des mobilen Arbeitens. Hierbei enthüllt sie einige länder- und geschlechterspezifischen Besonderheiten.

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(Bild: epixproductions/Shutterstock.com)

Von
  • Ute Roos

Morgens früher anfangen mit der Arbeit, am Abend etwas länger machen: Zwar ist es bequem, durch das Arbeiten zuhause den mitunter weiten Weg zum Arbeitsplatz einsparen zu können, dennoch kann einen das Homeoffice an den Rand des Burnouts bringen und die Work-Life-Balance empfindlich stören. Diese beim Collaboration-Anbieter Atlassian gehegte Mutmaßung hat das Unternehmen nun durch eine Studie mit Zahlen unterfüttert.

In einer groß angelegten Befragung nutzte Atlassian das "große (wenn auch ungeplante) Fernarbeitsexperiment" namens Corona und wertete die Erfahrungen vom 5000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus fünf Ländern – Frankreich, Deutschland, USA, Australien, Japan – sowie Daten aus seinen Kollaborations-Werkzeugen aus weiteren Ländern aus, um Erkenntnisse zu verschiedenen Arbeitsformen und ihren Auswirkungen zu gewinnen.

Um die rein quantitativen Änderungen zu erfassen, bildete die Data-Science-Abteilung des Unternehmens zunächst aus den Jira-, Confluence- und Bitbucket-Daten einen Durchschnittswert bei Arbeitsbeginn und -ende anhand von Benutzeraktivitäten – etwa der Erstellung eines Dokuments, der Aktualisierung eines Tickets oder der Kommentierung einer Codeüberprüfung – vor der Pandemie und verglich sie dann mit den Zahlen ab April 2020, als viele Menschen im Homeoffice saßen. Obwohl viel Arbeit auch außerhalb der Atlassian-Tools geleistet wird, war anhand der aggregierten Daten ein Muster erkennbar: Die Zahlen gingen signifikant nach oben, wenngleich nicht in allen Ländern gleichermaßen.

Die aggregierten Analysedaten aus den Collaboration-Werkzeugen belegen einen deutlichen Anstig der Arbeitszeit seit der coronabedingten Zunahme der Telearbeit.

(Bild: Atlassian)

Außer den Arbeitszeiten untersuchten die Datenanalysten auch die Arbeitsintensität anhand der Verteilung der Benutzeraktivitäten. Auch hier wurden signifikante Veränderungen sichtbar. Die Muster wiesen darauf hin, dass für viele Menschen die Grenzen zwischen Heim und Büro verschwimmen. Das bestätigten auch die Befragungen, die parallel zu den Datenanalysen durchgeführt wurden. Viele berichteten, dass sie Schwierigkeiten mit der Abgrenzung persönlicher Zeit und Arbeitszeit hätten und häufig zu lange ohne Pause arbeiten würden.

Mehr als 50 Prozent der Befragten gab an, dass es heute schwieriger sei, die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben aufrechtzuerhalten, als vor der Pandemie, und 23 Prozent meinten, in ihrer Freizeit mehr als früher an die Arbeit zu denken. Hier sind vor allem Teamleiter und Führungskräfte gefragt, die dafür sorgen müssen, dass Mitarbeiter auch Pausen einhalten, im Feierabend Benachrichtigungen stumm schalten und mehr.

In Deutschland fällt es den Berufstätigen weniger schwer, die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben zu ziehen, als in den anderen untersuchten europäischen Ländern. 35 Prozent der Arbeitnehmer gehen während der Pandemie ihrer Tätigkeit von zu Hause aus nach. Ein knappes Drittel von ihnen fand es weder besonders schwierig, noch besonders leicht, während der Einschränkungen zu Hause effektiv zu arbeiten – zum Vergleich: alle Länder kommen auf 20 Prozent. Von den Befragten, die nicht dauerhaft von zuhause aus arbeiten wollen, gaben 32 Prozent an, mehr Unterstützung und Anleitung bei der Erledigung ihrer täglichen Aufgaben zu benötigen.

Ferner herrscht in Deutschland der Studie zufolge eine stärkere Präsenzkultur als in anderen Ländern: Vor der Pandemie arbeiteten hierzulande deutlich weniger Menschen im Homeoffice als andernorts. Auch arbeiten mehr familienorientierte Arbeitnehmer zuhause, als Menschen, die karrierefokussiert sind. Dennoch sind 45 Prozent der befragten Deutschen genervt, dass es erst einer Pandemie bedurfte, um im Homeoffice arbeiten zu können.

Trotz einer starken Präsenzkultur in Deutschland ist auch hierzulande der Wunsch nach mehr Heimarbeit groß.

(Bild: Atlassian)

Unterschiede gab es nicht nur in den verschiedenen Ländern, auch Frauen und Männer nehmen das Homeoffice anders wahr. So fühlten sich Frauen im Homeoffice selbstbewusster und gaben an, dass sich ihr Vertrauen in ihre Leistungsfähigkeit seit dem Wechsel zur Fernarbeit verbessert habe (46 Prozent). Bei Männern glaubten das nur 40 Prozent. Auch die Anzahl der Frauen, die lieber komplett zuhause arbeiten würden, ist mit 39 Prozent deutlich höher als die der Männer (30 Prozent). Allerdings zeigen sich bei beiden Geschlechtern viele besorgt, ob sie dann noch ausreichend sichtbar wären am Arbeitsplatz – insbesondere dann, wenn die Kollegen in einflussreichen Positionen wieder im Büro arbeiten.

Die detaillierte, rund 200-seitige Studie untersucht weitere Rahmenbedingungen wie die Komplexität des Haushalts als Einflussfaktor, die Kommunikation, das Netzwerken, der Umgang mit Arbeitsroutinen, synchrones versus asynchrones Arbeiten und vieles mehr. Auszüge finden sich im Blogeintrag von Atlassian.

(fo)