Studie: Kein Einfluss auf männliche Fruchtbarkeit nach mRNA-Impfung

Es kommen immer wieder Gerüchte auf, dass die Coronavirus-Vakzinen die Fertilität tangieren. Nun wurden Spermien bei geimpften Männern untersucht.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 199 Beiträge

Spermien (Symbolbild).

(Bild: Deon Black / Unsplash)

Von
  • Ben Schwan

Die auf der mRNA-Technik basierenden Impfstoffe gegen das SARS-CoV-2-Virus sind eine faszinierende, aber noch sehr neue Technik. An dieser wird zwar bereits seit mehr als 20 Jahren geforscht, doch die Vakzinen von Moderna und Biontech-Pfizer sind bekanntlich die ersten ihrer Art, die für den breiten Einsatz beim Menschen zugelassen sind.

Nebenwirkungen und ungewöhnliche Krankheitsbilder oder gar Todesfälle nach der COVID-19-Schutzimpfung werden von Gesundheitsbehörden und Wissenschaft intensiv beobachtet und nachverfolgt, um die Sicherheit zu gewährleisten. Dennoch kommt es immer wieder zu Gerüchten und Unsicherheiten über mögliche gesundheitliche Gefahren. Eine sich hartnäckig haltende Angst ist, dass eine Impfung mit den neuen Wirkstoffen zu Infertilität führen könnte.

Nachdem es bereits ähnliche Studien zur Fruchtbarkeit bei Frauen nach der Vakzination gegeben hatte, haben sich nun Forscher in den USA mit dem Thema mRNA-Impfung und Spermien bei Männern beschäftigt. Ohne bewegliche, gesunde und ausreichend vorhandene Samenzellen ist bekanntermaßen keine Befruchtung möglich. Die Spermienkonzentration sinkt in den letzten 50 Jahren in den westlichen Ländern gefährlich ab – entsprechend problematisch wäre es, wenn eine Coronavirus-Schutzimpfung hier negative Auswirkungen hätte.

Doch wie sich nun zeigt, ist dies offenbar nicht der Fall. Eine im vergangenen Dezember gestartete Untersuchung der University of Miami, die aktuell noch weiter beobachtet wird, liefert dazu erste Ergebnisse. Die Studie war allerdings relativ klein: 45 gesunde Teilnehmer zwischen 18 und 50 Jahren nahmen daran teil, deren Altersmittel bei 28 Jahren lag.

Ihnen wurden jeweils zwei Spermienproben entnommen: vor der ersten Impfung sowie 75 Tage nach der zweiten Impfung. Es wurden jeweils Abstinenztage eingehalten, wie man sie auch bei Samenproben im Kinderwunschzentrum kennt. Die Versuchspersonen waren ungefähr zur Hälfte mit dem Moderna-Impfstoff (der leicht überwog) und dem Biontech-Pfizer-Impfstoff injiziert worden.

Im Ergebnis zeigte sich, dass es im Median nach der Impfung sogar eine Verbesserung des Ejakulateinhalts ergab. So stieg die Spermienkonzentration gemittelt von 26 Millionen pro Milliliter auf 30 Millionen. Bei den beweglichen Spermien ging es von 36 Millionen auf 44 Millionen hoch. Auch Gesamtbeweglichkeit und Samenzellvolumen stiegen. Es kam insgesamt zu keiner Azoospermie, das heißt in keinem der Ejakulate fehlten die Spermien ganz. Allerdings zeigten acht Personen bei der ersten Probe eine Spermienkonzentration von unter 15 Millionen pro Milliliter, die bei immerhin sieben der Männer bei der zweiten Probe in den Normbereich tendierte.

Die Forscher gehen nach der Untersuchung nicht von negativen Auswirkungen der mRNA-Impfung auf die Spermienkonzentration und Spermienanzahl aus. Die verbesserten Werte interpretieren sie als normale Schwankungen. Allerdings weisen die Forscher auf die geringe Anzahl der Männer hin und die Tatsache, dass das Altersmittel bei besagten 28 Jahren lag und alle untersuchten Männer gesund waren. Zudem sei die Spermienanalyse "ein nicht perfektes Vorhersagemittel" für die tatsächliche Fertilität. Allerdings habe man mit der Untersuchung den kompletten zeitlichen Spermienlebenszyklus abgedeckt.

Mehr von MIT Technology Review Mehr von MIT Technology Review

(bsc)