Studie: Luftverschmutzung führt zu Millionen frühzeitigen Todesfällen

Das Verbrennen fossiler Energieträger hat allein 2012 das Leben von 10,2 Millionen Menschen verkürzt, schätzen Forscher. 2018 waren 8,7 Millionen betroffen.

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Kraftwerk Herne

(Bild: Volker Polednik, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)

Von
  • Stefan Krempl

Luftverschmutzung durch Kraftwerke, Fahrzeuge und andere Feinstaubquellen, für die allein das Verbrennen fossiler Energieträger verantwortlich sind, haben das Sterblichkeitsrisiko deutlich stärker erhöht als bisher angenommen. Allein 2012 führte die verdreckte Luft laut einer neuen Studie zu 10,2 Millionen frühzeitigen Todesfällen. Bisher hatten Experten damit gerechnet, dass Feinstaub aus fossilen Brennstoffen weltweit pro Jahr 8,8 Millionen Menschen vorzeitig das Leben kostet.

Dieser Wert wurde laut Wissenschaftlern der Universitäten Harvard, Birmingham, Leicester und des University College in London wegen Klimaschutzes erst 2018 erreicht. Das Team gibt die Zahl der verfrühten Toten für dieses Jahr in der jetzt im Fachjournal Environmental Research veröffentlichten Analyse mit 8,7 Millionen an. Die Zahl der Opfer übersteigt die aller Menschen, die jedes Jahr weltweit durch das Rauchen von Tabak und an Malaria sterben.

Forscher verweisen auf Regionen mit einem hohen Anteil an Feinstaub aus fossilen Brennstoffen, für 2012 insbesondere auf China mit 3,9 Millionen vorzeitig Gestorbenen, Indien mit 2,5 Millionen und auf Teile der östlichen USA, Europas und Südostasiens. Bis 2018 sei die Zahl in China auf 2,4 Millionen gesunken, nachdem das Land den Ausstoß an Abgasen in der Zwischenzeit um 43,7 Prozent reduziert habe. Auch vor drei Jahren war Luftverschmutzung in den USA und Europa noch für zehn Prozent der Todesfälle verantwortlich.

Bei früheren Risikobewertungen stand die gesundheitliche Reaktion auf Feinstaub (PM2,5) insgesamt im Vordergrund, die Folgen fossiler Brennstoffe wurden meist nicht allein untersucht. Für die neue Studie haben die Verfasser nun eine spezielle Konzentrations-Wirkungs-Funktion genutzt und zusätzlich in einer Meta-Analyse bisherige Erkenntnisse und Daten sowohl bei hohen als auch bei niedrigen Feinstaubkonzentrationen mit einbezogen. Anstatt sich nur auf gemittelte Schätzungen aus Satelliten- und Oberflächenbeobachtungen zu verlassen, verwendeten die Forscher ein globales 3D-Modell der Atmosphäre der NASA mit einer detaillierteren Auflösung.

5,5 Millionen Menschen müssten weltweit pro Jahr nicht aufgrund von Luftverschmutzung vorzeitig sterben, hatten Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz (MPI) 2019 vorgerechnet. Als Voraussetzung nannten sie, dass die Menschheit komplett auf fossile Brennstoffe verzichten, nur noch auf erneuerbare Energien setzen und auch die sonstigen menschlich verursachten Emissionen vermeiden müsste. Im Jahr 2015 waren laut einer anderen Studie hierzulande etwa 13.000 frühzeitige Todesfälle auf Feinstaub und Ozon nur aus dem Verkehrsbereich zurückzuführen.

(anw)