Studie: Viele Klimaschutzmaßnahmen greifen erst nach Jahrzehnten

Erfolge im Kampf gegen die Erderwärmung werden sich laut einer Studie erst mit beträchtlicher Zeitverzögerung auf die globale Mitteltemperatur auswirken.

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(Bild: yotily/Shutterstock.com)

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Selbst wenn der Ausstoß verschiedener Treibhausgasen umgehend stark limitiert würde, wären die Auswirkungen auf die globale Erwärmung wahrscheinlich in den meisten Fällen erst nach Jahrzehnten messbar. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forscherteam aus Norwegen. Die Experten haben mit einem vereinfachten Klimamodell zur Erdsystematik berechnet, wann sich eine Reduktion einzelner Treibhausgase auf die Temperaturentwicklung der Erde auswirken würde. Sie stellten so etwa fest, dass eine konsequente CO2-Reduktion etwa von 2044 an nachweisbar sei.

Mit dem man genutzten Verfahren lassen sich relativ schnell viele Simulationen durchführen. Dabei hat das Team laut einem am Dienstag im Fachmagazin "Nature Communications" veröffentlichten Artikel auch geprüft, wie sich die Reduktion einzelner Treibhausgase auf die Klimaerwärmung auswirkt. Es zeigte sich, dass etwa ein Senken von kurzlebigem Industrie-Ruß (Kohlenstoffaerosole) zwar einen schnellen, aber letztlich nur kleinen Effekt auf das Klima hätte. Das Begrenzen des Kohlendioxid-Ausstoßes dauert bei weitem am längsten, könnte aber auch am meisten bewirken und den Temperaturanstieg am effektivsten bremsen.

Als Mittelweg für das Verhältnis von Aufwand zu Auswirkungen zeigen die Autoren reduzierte Methan-Emissionen auf, die noch deutlich stärkere Erwärmungseffekte haben als CO2. Sie betonen dabei auch mögliche Grenzen der Studie wie die Tatsache, dass sie sich in vielen Rechnungen auf vereinfachte Modelle verlassen müssen, die ungenau seien können und möglicherweise entscheidende Faktoren außer Acht lassen.

Aus ihrer Arbeit ziehen die Wissenschaftler den Schluss, dass die "verzögerten Wirkungen" explizit öffentlich kommuniziert werden sollten. Nur so sei zu verhindern, dass Klimamaßnahmen als wirkungslos wahrgenommen werden, weil ihre Effekte kurzfristig nicht messbar sind. Dies könnte die Akzeptanz der Schutzvorkehrungen stark einschränken.

"Die Grundlage dieser Untersuchungen sind Simulationen des Erdsystems, also der atmosphärischen Dynamik, des Strahlungshaushalts, der Ozeane und der Rückkopplungen auf die Eismassen und die Vegetation", erläutert Holger Kantz vom Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme in Dresden den Hintergrund. Die Autoren verwendeten das Projekt Magicc, das an vielen Stellen vereinfachte Modellierungen einsetze, um Rechenzeit zu sparen. Die hier vorgestellten Ensemble-Simulationen erforderten Tausende von Simulation von jeweils 90 Jahren. Solche vereinfachten Ansätze seien prinzipiell "sehr wichtige Werkzeuge".

Stefan Hagemann vom Zentrum für Material und Küstenforschung in Geesthacht misst der Studie "hohe Relevanz" bei. Sie verdeutliche erneut, wie wichtig es sei, das in der Forschung prinzipiell bekannte verzögerte Greifen klimarelevanter Effekten "in die Öffentlichkeit und zu Entscheidungsträgern zu kommunizieren". Als wichtigste Botschaft nimmt Helge Goessling, Gruppenleiter am Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, aus der Untersuchung die Erkenntnis mit, "dass die Temperatur-Auswirkungen von Emissionsreduktionen rein statistisch nur über lange Zeiträume klar zu erkennen sein werden". Sonst würden sie vielfach von natürlichen Schwankungen überlagert.

(axk)