Stuttgarter Krawallnacht: Polizei sammelt Beweisvideos und -fotos

Im Internet kursieren viele Aufnahmen von den Ereignissen in der Stuttgarter Innenstadt am vergangenen Sonntag. Davon will die Polizei profitieren.

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Ein Unbekannter schlägt mit einem Stuhl auf ein Seitenfenster eines abgestellten Einsatzwagens ein.

(Bild: Twitter)

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Die Polizei hat nach den Ausschreitungen am vergangenen Wochenende im Internet ein Hinweisportal eingerichtet. Wer Fotos oder Videos von den Ereignissen in der Nacht auf den 21. Juni besitzt, kann diese dort hochladen, damit sie als mögliche Beweise herangezogen werden können. Ermittelt wird unter anderem wegen des Verdachts des schweren Landfriedensbruchs.

Damit kann sich die mittlerweile eingesetzte 40-köpfige "Ermittlungsgruppe Eckensee" möglicherweise die Arbeit ersparen, massenhaft verbreitete Bilder von der Nacht selbst aus den sozialen Medien zu fischen. Bereits am sehr frühen Sonntag hatte der Hashtag #stuttgart die Spitze der deutschsprachigen Trendcharts auf Twitter erreicht. Mitsamt den Tweets zu dem Thema wurden Videos der Ausschreitungen geteilt. Vor diesem Hintergrund hat Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) auch das Geltungsbewusstsein in sozialen Medien als Grund für die Ausschreitungen genannt.

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Auslöser für die Ausschreitungen war nach Angaben der Polizei auf dem Hinweisportal ein Einsatz wegen eines Rauschgiftdelikts. Kontrolliert wurde ein 17-jähriger Deutscher. Während der vorläufigen Festnahme gegen 23.30 Uhr im Bereich des Oberen Schlossgartens hätten sich viele umstehende Personen solidarisiert, die Polizeibeamten angegriffen und mit Steinen und Flaschen beworfen.

Mehrere hundert Personen auf dem Schlossplatz sollen sich dem angeschlossen und weiter mit Steinen und Flaschen nach den Polizisten sowie auf mittlerweile eingetroffene Rettungskräfte geworfen haben. Anschließend seien die Randalierer in diversen Kleingruppen bis etwa 4.30 Uhr am Sonntag durch die Innenstadt gezogen.

Die Polizei nahm 24 mutmaßliche Randalierer fest, 19 Polizeibeamte wurden verletzt. 30 Geschäfte und Einrichtungen wie Mobilfunkläden, Bekleidungsgeschäfte und Juweliere seien durch Einschlagen von Türen und Fensterscheiben teilweise erheblich beschädigt worden. In acht Geschäfte seien die Randalierer eingedrungen und hätten Waren geplündert.

Laut dem baden-württembergischen Innenminister Thomas Strobl (CDU) kommen die Randalierer aus der Stuttgarter "Party- und Eventszene", es seien sicherlich auch Drogen und Alkohol im Spiel gewesen. "Gewalt ist männlich und betrunken", kommentierte Thomas Berger, Vizepräsident des Polizeipräsidiums Stuttgart die Ereignisse.

In Baden-Württemberg gab es von 2010 bis 2017 ein nächtliches Alkoholverkaufsverbot. Ab 22 Uhr durfte an Kiosken und Tankstellen sowie in Supermärkten kein Alkohol mehr verkauft werden. Die schwarz-gelbe Landesregierung hatte das Verbot damals eingeführt, unter der grün-schwarzen Landesregierung wurde es wieder aufgehoben. Auswertungen haben ergeben, dass es in dem Zeitraum etwa 11 Prozent weniger leichte Körperverletzungen und ungefähr 8 Prozent weniger schwere Körperverletzungen gegeben hat.

(anw)