Suche nach Leben: SOFIA-Sternwarte findet kein Phosphin auf Venus – oder doch?

Bevor das einzigartige Observatorium SOFIA eingemottet wurde, hat es noch die Venus ins Visier genommen. Was es da gefunden hat, darüber gibt es Uneinigkeit.

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(Bild: NASA/JPL-Caltech, Cordiner et al.)

Die Forschungsdebatte über den möglichen Nachweis des Spurengases Phosphin (PH₃) in der Atmosphäre der Venus dauert weiter an. Bevor die fliegende Sternwarte SOFIA ihre Arbeit eingestellt hat, hat sie den zweiten Planeten des Sonnensystems vergangenen November ins Visier genommen, um nach dem Gas zu suchen. Über die Ergebnisse gibt es nun Uneinigkeit. Während ein Team um Martin Cordiner vom Goddard Space Flight Center verkündet, dass den Daten zufolge dort nicht viel Phosphin vorhanden ist, widerspricht eine Gruppe um Jane Greaves von der Universität Cardiff. Die Messung könnten dadurch erklärt werden, dass Phosphin von Sonnenlicht aufgespalten wird. Messungen auf der Morgen- und der Abendseite könnten deshalb unterschiedliche Ergebnisse liefern.

Phosphin beziehungsweise Monophosphan entsteht auf der Erde nur in biologischen oder industriellen Prozessen, deswegen hatte ein angeblicher Nachweis in der Atmosphäre der Venus im September 2020 für Aufregung gesorgt. Schon damals gab es Widerspruch, dann kamen Zweifel an den Daten hinzu. Die wurden zurückgezogen und neu veröffentlicht. Auch danach habe man das Gas entdecken können – nur deutlich schwächer – hatte das ursprüngliche Team verkündet. Unterstützung kam unerwartet durch 40 Jahre alte Daten einer NASA-Sonde, in denen ebenfalls Spuren gefunden worden. Im Sommer des vergangenen Jahres hieß es dann vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS), dass bei der Überprüfung der Originaldaten keine Hinweise auf Phosphin gefunden wurden.

Das wurde mit dem Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie nun bestätigt, meint zumindest das Team um Cordiner. Bei den äußerst schwierigen Beobachtungen der Venus seien dort maximal 0,8 ppm (Anteile pro Million) des Spurengases gefunden worden, viel weniger als nach dem angeblichen Nachweis angenommen. In der Atmosphäre der Venus gebe es einfach kein Phosphin. Genau das sieht die Forschungsgruppe um Greaves aber anders und erklären ihre Herangehensweise vorab in einem Fachartikel, der bei den Geophysical Research Letters eingereicht, aber noch nicht überprüft wurde. Wenn man Effekte von Instrumenten herausrechne, komme man bei den Messungen auf einen Anteil von etwa 1 ppm. Den scheinbaren Widerspruch könne man auflösen, wenn man die Tageszeit der Messungen einbeziehe, es sei möglich, dass Phosphin dort durch Sonnenlicht abgebaut wird.

Das letzte Wort in der Debatte ist damit sicher nicht gesprochen, meint auch Greaves und ihr Team. Die Frage werde wohl noch eine Weile diskutiert, schreiben sie. Die sicherste Antwort würden wohl erst Messungen vor Ort liefern können, schreiben sie weiter. In Betracht komme da etwa die geplante Sonde Davinci (Deep Atmosphere Venus Investigation of Noble gases, Chemistry, and Imaging). Die soll aber erst Ende des Jahrzehnts gestartet werden. Die eigentlich für Ende 2027 angesetzte Venusmission Veritas wurde erst vor wenigen Tagen wegen Personalproblemen um mindestens drei Jahre nach hinten verschoben. SOFIA jedenfalls hat den letzten Forschungsflug hinter sich, das einzigartige fliegende Observatorium war zu teuer geworden.

(mho)