Suchmaschine Neeva: Google-Konkurrent jetzt deutschsprachig verfügbar

Neeva ist ab sofort in Europa und deutschsprachig verfügbar. Die Suchmaschine will "unverfälschte Ergebnisse" liefern und ohne Werbung auskommen.

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(Bild: Neeva)

Von
  • Eva-Maria Weiß

Keine Anzeigen, Werbung oder Affiliate Links – damit wirbt die Suchmaschine mit dem Namen Neeva. Sie ist ab sofort in Europa verfügbar und spricht auch deutsch. Entwickelt wurde sie von zwei ehemaligen Google-Mitarbeitern, die unzufrieden mit der Überfrachtung von bezahlten Links bei dem Suchmaschinen-Giganten waren. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal soll der Fokus auf Community-Seiten sein.

"Neeva legt den Fokus auf die Nutzer und gibt ihnen die Möglichkeit, ihre Websuche individuell zu gestalten und das ganz ohne Anzeigen und Werbung", heißt es in der Pressemitteilung. Suchergebnisse können sortiert und kategorisiert werden, man kann eine Anfrage stellen und diese per Klick unter den Ergebnissen der ersten Seite "anpassen" – das bedeutet, man grenzt die Ergebnisse beispielsweise auf bestimmte Medien ein. Auch können nur Shopping-Angebote angezeigt werden, Rezepte explizit angesteuert oder Bewertungen gesucht werden. Bekannte Reiter für die Bildersuche, Videos, Nachrichten und Orte gibt es an selber Stelle wie bei Google – direkt unter dem Suchfeld. Auch Vorschläge für ähnliche Suchanfragen macht Neeva.

Die Suchmaschine soll sich über ein Freemium-Modell finanzieren – statt Anzeigen. Sie ist allerdings nicht frei von Drittanbieter-Cookies. In den FAQ heißt es, "Wenn Sie Neeva verwenden, verknüpfen wir eine begrenzte Menge an Informationen über Sie mit Ihrem Konto, um das Produkt für Sie zu verbessern." Tatsächlich ist das ein Sprech, den man gut von Google kennt. Die Daten werden nach 90 Tagen automatisch gelöscht, "Informationen niemals an Dritte verkauft oder dafür genutzt, Produkte an Sie zu verkaufen". Zusätzlich zum eigenen Suchmaschinenindex stammen die Ergebnisse derzeit auch noch von Bing. Um alle Funktionen nutzen zu können, bedarf es eines Kontos. Dieses ist in der Basis-Version kostenlos, man kann sich auch via Google, Microsoft und Apple anmelden. Dann allerdings werden freilich entsprechend Daten verknüpft. Das Premium-Modell lässt sich aus Deutschland heraus noch nicht buchen, soll aber folgen. Mit ihm kommt unter anderem ein VPN und Passwort-Manager.

Mit Neeva kann man sich ein Dashboard zusammenbauen, das als Startseite fungiert. Neben der Desktop-Version gibt es eine App für iOS und Android. Sie beinhaltet zugleich einen Tracker-Blocker. Die Anzahl der blockierten Tracker wird sogleich auch angezeigt. Im mobilen Browser lässt sich Neeva als Standardsuchmaschine festlegen.

"Google dominiert den Suchmaschinenmarkt mit einem Anteil von über 90 Prozent. Neeva wird diese Vormachtstellung herausfordern, indem es ein besseres Such- und Browsing-Erlebnis schafft, das die Nutzer begeistern wird", sagt Sridhar Ramaswamy, einer der Gründer. Anstatt Community-Inhalte zu ignorieren, wie es Google täte, sollen eben diese bei Neeva berücksichtigt werden. Tatsächlich hat Google allerdings gerade erst auf dem hauseigenen Event "Search on" angekündigt, dass auch sie verstärkt Treffer auf Diskussionen und Foren anzeigen wollen.

Die Ausweitung auf den europäischen Markt, so heißt es in der Pressemitteilung, folgt einer erfolgreichen Serie-B-Finanzierungsrunde 2021 über 77,5 Millionen US-Dollar. Neeva hat laut eigenen Aussagen seit seinem Start in den USA im Jahr 2021 mehr als 600.000 Nutzer monatlich.

(emw)