Südkorea: Nächtliches Online-Spielverbot wird gestrichen

Seit zehn Jahren verbietet Südkorea nächtliches Online-Spielen für Kinder unter 16. Das hatte unerwartete Nebenwirkungen, weshalb nun Schluss damit ist.

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Alte Computer, drei Kinder - eines spielt ein Text Adventure Game

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Von
  • Frank Schräer

Vor zehn Jahren hat Südkorea nächtliches Online-Spielen für Kinder verboten. Nun wird das wieder erlaubt. Das ist Teil der geplanten Überarbeitung des Jugendschutzgesetzes. Bisher mussten Spieleanbieter dafür sorgen, dass Kinder unter 16 Jahren zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens keine Online-Spiele nutzen. Die Neuregelung soll Erziehungsberechtigten und den Kindern selbst wieder mehr Eigenverantwortung übertragen.

Ursprünglich sollte die Regelung Spielsucht bei Kindern verhindern, und dafür sorgen, dass die jungen Bürger genug Schlaf bekommen. Sie wirkte sich auch auf einzelne Spiele aus. So hat Microsoft das vor allem bei Jüngeren weltweit beliebte Spiel Minecraft aufgrund des Gesetzes in Südkorea erst ab 17 Jahren freigegeben. Damit müssen Kinder auf alternative Spielkonten, zum Beispiel eines ihrer Eltern, ausweichen. Das unterläuft den Gesetzeszweck.

Derzeit drohen Spieleanbietern, die Kindern nächtliches Online-Gaming erlauben, noch Geldstrafen von bis zu 10 Millionen Won (umgerechnet 7250 Euro) oder bis zu zwei Jahre Gefängnis. Nur China hat strengere Jugendschutzgesetze, denn dort dürfen Spieler unter 18 Jahren zwischen 22 und 8 Uhr nicht online spielen. Zu den restlichen Tageszeiten sind in der Volksrepublik nur 90 Minuten Spiel an Werktagen und drei Stunden am Wochenende und Feiertagen zugelassen.

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Komplett rechtlos wird Online-Gaming für Kinder in Südkorea nicht. Das sogenannte "Auswahlsystem", das 2012 zur Bekämpfung der Spielsucht Jugendlicher eingeführt wurde, soll bestehen bleiben, wie die Ministerien für Kultur, Sport und Tourismus sowie für Gleichstellung und Familie diese Woche laut der Zeitung Korea Herald bekannt gegeben haben.

Beim Auswahlsystem für Koreaner unter 18 Jahren können Eltern und Erziehungsberechtigte spezielle Zeiten für das Spielen der Kinder definieren. Nach Angaben des Kultusministeriums liegt die Nutzung des Auswahlsystems bei 40 Spielen von sieben Spielefirmen zwischen einem und 28 Prozent. Das überarbeitete Jugendschutzgesetz soll noch vor Jahresende verabschiedet werden.

(fds)