Sunrise III: Sonnenobservatorium absolviert erfolgreich wichtigen Test

Ein unter deutscher Leitung entwickeltes Sonnenobservatorium soll in wenigen Monaten durch die Stratosphäre gleiten. Ein Meilenstein wurde nun absolviert.

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Der Hangtest in Göttingen

(Bild: MPS/Mehle Hundertmark Fotografie)

Von
  • Martin Holland

Das größte nicht bodengestützte Sonnenobservatorium kommt aus Deutschland und hat vor dem geplanten Start im kommenden Jahr nun einen wichtigen Test absolviert. Sunrise III hat an einem Kran hängend erstmals die Sonne ins Visier genommen und selbstständig nachverfolgt. An einem Ballon hängend, soll die sieben Meter hohe Konstruktion das im kommenden Jahr auf einem Flug durch die Stratosphäre über mehrere Tage lang ununterbrochen schaffen und wichtige Daten aus der unteren Atmosphäre der Sonne, der Chromosphäre, sammeln, erläutert das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS). Die Auswertung des sogenannten "Hangtests" werde zwar noch einige Tage dauern, aber "es sieht sehr gut aus", meinte MPS-Chef Sami Solanki gegenüber der dpa.

Sunrise III ist, wie der Name schon deutlich macht, das dritte gleichnamige Sonnenobservatorium, das die Vorteile eines Weltraumteleskops mit denen bodengestützter Astronomie verbindet. Entwickelt von einem internationalen Konsortium schwebten die beiden Vorgänger im Juni 2009 und 2013 – also während der Mitternachtssonne – an einem Stratosphärenballon hängend von Nordschweden nach Kanada. Mehrere Tage lang konnte die Sonne dabei sowohl in ruhigem (2009) als auch aktivem (2013) Zustand genau untersucht werden, erläutert das MPS. Auf Basis der dabei gesammelten Daten sind demnach bereits mehr als 100 wissenschaftliche Artikel veröffentlicht worden. Für den dritten Flug wurden nun eine komplett neue Gondel konstruiert und drei neue Instrumente hinzugefügt. Es ist demnach viel komplexer aufgebaut, sei dadurch aber auch fehleranfälliger.

Die Flugstrecken der ersten beiden Forschungsflüge

(Bild: MPS)

Bei dem nun vorgenommenen Test seien erstmals die Abdeckungen zum Schutz der empfindlichen Spiegel entfernt worden, heißt es weiter. Danach sei das Sonnenlicht zu den wissenschaftlichen Instrumenten geleitet worden, die dann in Betrieb genommen und kalibriert wurden: "Keine künstliche Lichtquelle kann das Sonnenlicht für diese Messungen ersetzen", erklärt Projektmanager Andreas Lagg. Für weitere Vorarbeiten bleiben nach dem geglückten Test nun noch sieben Monate. Dann wird das Observatorium verpackt und ins nordschwedische Kiruna gebracht. Von dort soll das sechs Tonnen schwere Gerät dann bei günstiger Witterung an einem Ballon hängend abheben und unter anderem UV-Licht der Sonne analysieren. Mit den gesammelten Daten soll etwa in Erfahrung gebracht werden, wie die Sonne ihre äußere Hülle auf mehr als eine Million Grad Celsius aufheizt.

(mho)