Super Follows: Twitter will Funktion für Bezahlinhalte einführen

Inhalte-Anbieter sollen exklusiven Content auf Twitter künftig zu Geld machen können. Für Twitter bedeutet dies eine zusätzliche Einnahmequelle.

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(Bild: Twitter (Screenshot))

Von
  • Oliver Bünte

Der Mikro-Blogging-Dienst Twitter will Inhalte-Anbietern künftig die Möglichkeit geben, ihren Content zu monetarisieren. Die "Super Follows" genannte Funktion erlaubt es ihnen, ihren Followern spezielle Inhalte exklusiv gegen Bezahlung in einem Abo anzubieten. Das gab Twitter am Donnerstag im Rahmen einer Präsentation vor Analysten und Investoren bekannt. Darüber hinaus will Twitter Special-Interest-Gruppen ("Communities") einführen. Twitter befürchtet offenbar, dass Kreative sonst zu anderen Plattformen abwandern könnten, um ihren Content zu Geld zu machen.

Die Bezahlfunktion "Super Follows" sieht vor, dass Content-Anbieter einen festen monatlichen Betrag für den Zugriff auf exklusive Inhalte festlegen. In einem Modell-Beispiel waren das 4,99 US-Dollar. Twitter-Nutzer können diese Inhalte dann abonnieren. Als Beispiele für solche Inhalte nannte Twitter Bonus-Tweets, den Zugriff auf Community-Gruppen, ein Newsletter-Abo und Abzeichen, mit der Follower ihre Unterstützung des jeweiligen Inhalte-Anbieters anzeigen können. Twitter sieht darin die Möglichkeit, dass Fans Kreative und Verlage direkt bezahlen können. Einen Teil der Abo-Gebühren will Twitter dabei für sich beanspruchen, nannte allerdings keine konkrete Höhe.

In "Communities" sollen Special-Interest-Themen behandelt werden.

(Bild: Twitter (Screenshot))

Ein Teil des "Super Follows"-Konzeptes sind "Communities". Twitter-Nutzer haben die Möglichkeit, Special-Interest-Gruppen anzulegen, in denen dann Tweets zu bestimmten Themen konzentriert sind. Die Twitter-Communities ähneln Facebook-Gruppen.

Die Initiative von Twitter kommt nicht von ungefähr: Content-Anbieter verlangen nach Möglichkeiten, ihre Inhalte gegen Geld anzubieten, um sich finanzieren zu können. Andere Plattformen wie Patreon, Facebook und YouTube haben dies bereits aufgegriffen und eine direkte Vergütungsoption für Inhalte-Ersteller eingeführt. Mit "Super Follows" möchte Twitter offenbar eine Abwanderung zu anderen Plattformen verhindern und einen weiteren Anreiz für die Nutzung des eigenen Dienstes schaffen.

Aber das dürfte nur ein Grund sein. Denn Twitter könnte, wenn denn die Funktion von den Nutzern angenommen wird, seine Einnahmen erhöhen. Bisher finanziert sich Twitter weitgehend über Werbung, die beispielsweise in die Timeline der Nutzer eingeblendet wird. Eine neue Einnahmequelle kann da nicht schaden. Schon bisher hatte Twitter über ein Abo-Modell nachgedacht. Auch die Tweetdeck-App, die sich unter anderem mit Real-Time-Tracking-Funktionen an professionelle Twitter-Anwender richtet, könnte auf eine Bezahlversion umgestellt werden.

Den Investoren stellte Twitter auf der Investorenkonferenz neben den neuen Funktionen in den nächsten Jahren ordentliche Umsatzsteigerungen in Aussicht, allerdings auf Grundlage des bisherigen Geschäftsmodells mit Werbung. Demnach beabsichtigt Twitter den Jahresumsatz bis Ende 2023 auf 7,5 Milliarden Dollar, rund 6,15 Milliarden Euro, in etwa zu verdoppeln. Dazu sollen vor allem mehr Nutzer gewonnen werden. Die Anzahl soll von jetzt 192 Millionen auf 315 Millionen innerhalb der drei Jahre ansteigen. Das soll auch durch kommende Funktionen erreicht werden wie eben "Super Follows", "Communities" aber auch die Audio-Chaträume "Spaces" und die bereits eingeführten selbstauflösenden Beiträge mit der Bezeichnung "Fleets".

Bei den Investoren rannte Twitter mit den Ankündigungen zunächst offene Türen ein: Die Aktie schoss am Donnerstagnachmittag auf 65 Euro pro Papier in die Höhe, sackte dann aber bis Freitagmorgen auf 60,62 Euro deutlich ab.

(olb)