Motorrad Suzuki GSX-8S: Was lange währt, wird letztlich gut?

Die Suzuki GSX-8S, eines der wenigen wirklich neuen Modelle auf der Motorradmesse Eicma. Sie soll die 23 Jahre alte SV 650 ablösen. Ein gelungener Nachfolger?

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Suzuki GSX-8S

(Bild: Suzuki)

Von
  • Ingo Gach
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Suzuki hat eine Nachfolgerin der SV 650 auf den Markt gebracht. Die GSX-8S ist eine Neukonstruktion, inklusive ihres Motors. Darauf haben die Suzuki-Fans seit Jahren sehnsüchtig gewartet. Die SV 650 (Test) soll als zurzeit meistverkaufte Suzuki in Deutschland auch nächstes Jahr noch im Programm bleiben. Seit 1999 erhältlich, ist sie gleichzeitig ein Beispiel für die Überalterung, unter der Suzukis Modellprogramm leidet.

Der Reihenzweizylinder ähnelt jenen Aggregaten, die so ziemlich alle Konkurrenten in der Klasse zwischen 650 und 750 Kubikzentimeter schon seit Jahren bestens verkaufen. Suzuki legte die Bohrung auf 84 mm und den Hub auf 70 mm fest, was bei zwei Zylindern 776 cm3 Hubraum ergibt. Als Höchstleistung stehen 83 PS bei 8500/min und ein maximales Drehmoment von 78 Nm bei 6800/min auf dem Datenblatt. Das sind sehr ordentliche Werte, damit überflügelt die GSX-8S den Bestseller Yamaha MT-07 (Test) um zehn, die ebenfalls sehr erfolgreiche Kawasaki Z 650 sogar um 15 PS – was bei dem größeren Hubraum auch kein Kunststück ist. Allerdings hat Honda gerade mit der neuen CB 750 Hornet die Pole-Position bei den günstigen Naked Bikes der Mittelklasse eingenommen: 92 PS aus 755 cm3 Hubraum.

Suzuki hat sogar eine Leistungskurve veröffentlicht, die allerdings ohne Zahlenskala bei Drehzahl und Leistung. Da die Höchstleistung bei 8500/min erreicht wird, lässt sich ungefähr abschätzen, dass ein deutlicher Drehmomentknick bei rund 4000/min anliegt, also in einem Drehzahlbereich, in dem man sich im normalen Fahrbetrieb häufig aufhält. Das muss zwar beim Fahren nicht unbedingt markant spürbar sein, von Vorteil ist es sicher nicht.

Suzuki GSX-8S (7 Bilder)

Suzuki präsentiert mit der komplett neuen GSX-8S endlich eine Nachfolgerin der SV 650 in der Mittelklasse.

Der neue Motor hat 270 Grad Hubzapfenversatz, um mit der Zündfolge eines V2-Motors ein entsprechendes Klangbild zu erzeugen, was inzwischen Standard bei den meisten Reihenzweizylindern ist. Suzuki hat sich bei der Konstruktion des Motors seine "Cross Balancer" patentieren lassen. Dabei handelt es sich um zwei Ausgleichswellen, eine vor und die andere unter der Kurbelwelle. Sie sollen Massenkräfte erster und zweiter Ordnung eliminieren. Eine Thermostatsteuerung sichert ein rasches Erreichen und das Halten der optimalen Kühlmitteltemperatur. Der Hersteller gibt den Verbrauch des Motors nach WMTC mit 4,2 Liter auf hundert Kilometer an. Das würde eine theoretische Reichweite von 333 km bedeuten.

Suzuki versucht, ein neues Design zu etablieren. Zum ersten Mal gezeigt haben es die Designer an der GSX-S 1000 und führen die Formensprache nun bei der GSX-8S fort. Es erinnert an das "Fast-Forward-Design" der KTM 790/890 Duke (Suzuki bezeichnet sein Design als "Mass-Forward") mit tief sitzender, spitz zulaufender Frontmaske und vom Tank ausgehenden, weit nach vorne gezogenen Seitencovern, dazu kommt ein knappes Heck, das auf Höhe der Hinterachse endet.

Insgesamt wirkt die GSX-8S schlank und sportlich, ihre Formen beschränken sich auf das Notwendige und sie trifft damit den Zeitgeist. Auffallend ist der ultrakurze Endschalldämpfer, der aus einem riesigen Sammler unter dem Motor herausragt. Interessant auch die neue Schwinge, die teilweise hohl ist, um Gewicht zu sparen.

In der GSX-8S-Front finden sich eng zwischen den Seitenabdeckungen eingepfercht zwei übereinander angeordnete, kleine LED-Scheinwerfer, ähnlich wie in der GSX-S 1000. Flankiert werden sie von eckigen Blinkern, ebenfalls mit LEDs bestückt. Der breite Lenker ist zwar flach, aber sitzt auf relativ hohen Risern, womit sich eine aufrechte, leicht nach vorn orientierte Haltung ergibt. Der Fahrer sitzt in 810 mm Höhe auf einer vorne schmal zulaufenden Sitzbank, was einen guten Knieschluss ermöglicht. Enttäuscht werden etwaige Mitfahrer auf den kärglichen Soziussitzplatz blicken.

Auch der Rahmen ist komplett neu. Der Verbund aus Stahlrohren und Stahlprofilen und einem angeschraubten Heckteil integriert den Motor als mittragendes Element. Suzuki nennt das Leichtbauweise. Mit 202 kg bei vollem 14-Liter-Tank ist die 8S zwar kein Schwergewicht, aber die Konkurrenz liegt doch deutlich darunter, die Yamaha MT-07 wiegt nur 184 kg. Die Fahrwerksgeometrie der GSX-8S ist eher universell als radikal: Der Radstand beträgt 1465 mm, der Nachlauf 104 mm und der Lenkkopfwinkel 65 Grad. Damit darf der Fahrer eine ausreichend gute Handlichkeit auf Landstraßen erwarten, ohne dass es an Geradeauslaufstabilität auf der Autobahn mangeln würde.

Beim Fahrwerk setzt Suzuki auf eine Upside-down-Gabel von KYB mit 130 mm Federweg, das hintere Federbein stammt vom selben Hersteller und ermöglicht der Schwinge ebenfalls 130 mm Arbeitsweg. Beide Dämpfer sind weder in Zug- noch in Druckstufe einstellbar, lediglich die Federvorspannung des Federbeins ist variabel. Die Räder bestehen aus Aluminiumguss und optisch vermitteln die dünnen Speichen Leichtigkeit. Serienmäßig rollt die GSX-8S auf Dunlop RoadSport 2 in den Dimensionen 120/70ZR17 und 180/55ZR17. Vorn verzögern zwei radiale Nissin-Bremszangen an 310-mm-Bremsscheiben, hinten unterstützt eine 240-mm-Bremsscheibe mit Einkolben-Bremszange.

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Die GSX-8S verfügt über Ride-by-wire und einige elektronische Assistenzsysteme. Drei Fahrmodi (Acitve, Basic und Comfort) unterscheiden sich in der Gasannahme, erreichen aber alle dieselbe Maximalleistung. Die Schlupfregelung lässt sich ebenfalls in drei Stufen einstellen oder ganz deaktivieren. Ein Quickshifter mit Blipperfunktion und eine Slipper-Kupplung sind serienmäßig an Bord. Eine Anfahrhilfe verhindert ein Abwürgen des Motors durch Überwachung der Drehzahl, Kupplung und Gasgriffstellung.

Suzuki GSX-8S (9 Bilder)

Die spitz zulaufende Front beherbergt zwei übereinander angeordnete LED-Scheinwerfer. Auch die eckigen Blinker sind mit LEDs bestückt.

Heute kann sich kein neues Modell erlauben, auf ein TFT-Display zu verzichten, bei der GSX-8S hat es einen Durchmesser von fünf Zoll. Drehzahl und Geschwindigkeit sind erfreulich groß dargestellt und entsprechend gut ablesbar. Für die restlichen Informationen ist ein scharfes Auge erforderlich – ein Problem, das die GSX-8S mit vielen anderen Modellen teilt. Suzuki verzichtet erstaunlicherweise auf Konnektivität zum Smartphone, Bluetooth ist nicht einmal gegen Aufpreis erhältlich. Immerhin verfügt das Display über einen Helligkeitssensor, der automatisch vom Tag- in den Nachtmodus umschaltet. Bedient wird das Display über einen großen Up-/Down- und einen Modus-Schalter am linken Lenkerende.

Den Preis des neuen Modells hat Suzuki noch nicht bekannt gegeben, er dürfte sich aber an der Konkurrenz orientieren und demnach vermutlich um die 8000 Euro liegen. Die GSX-8S ist ab Frühsommer 2023 in den Lackierungen Blau, Weiß/Blau oder Schwarz verfügbar.