Systemvoraussetzungen für Windows 11: Wann läuft es, woran kann es scheitern

Die Systemvoraussetzungen für Windows 11 liegen höher als bei Windows 10. Vor allem aber werden bislang optionale Sicherheitsfunktionen Pflicht.

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(Bild: Microsoft)

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  • Florian Müssig

Im Rahmen der Vorstellung von Windows 11 hat Microsoft die Systemvoraussetzungen für die neue Betriebssystemversion veröffentlicht. Für einen schnellen Check, ob der schon vorhandene Desktop-PC oder das im Einsatz befindliche Notebook dafür in Frage kommen, hat Microsoft ein Hilfsprogramm mit dem sperrigen Namen PC-Integritätsprüfung bereitgestellt, welches auf einen Klick verrät, ob Windows 11 laufen wird.

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Letzteres ist nicht selbstverständlich: Obwohl Windows 11 grundsätzlich als kostenloses Upgrade für Windows 10 kommen wird, läuft Windows 11 nicht auf allen Systemen, die bislang auf Windows 10 setzen. Das betrifft vor allem Systeme, die schon vor Windows 10 (also vor 2015) erschienen sind und bereits von Windows 7 oder Windows 8/8.1 auf Windows 10 gehoben wurden.

Windows 11 erfordert einen Doppelkernprozessor mit mindestens 1 GHz – was arg genügsam ist. Allerdings muss der Prozessor auch 64 Bit beherrschen, wodurch einige ältere Netbooks und Tablets mit Small-Core-Prozessoren (etwa alte Intel Atom) herausfallen. Die von Microsoft veröffentlichten Listen (AMD, Intel) umfassen die offiziell unterstützten Modelle, doch Windows 11 kann auch auf anderen (älteren) CPUs laufen, wenn die restlichen Umgebungsbedingungen stimmen.

Was Microsoft nur implizit sagt: Ein System, das auf Windows 11 aktualisiert werden soll, muss bereits im 64-Bit-Modus laufen. Eine 32-Bit-Version des Betriebssystems wird es anders als noch bei Windows 10 nicht mehr geben. Auch das betrifft aber nur ältere oder selbst installierte Systeme: Wer ein Gerät mit vorinstalliertem Windows 10 gekauft hat, hat eine 64-Bit-Version erhalten – und selbst die meisten Windows-8/8.1-Geräte wurden bereits mit einem 64-Bit-Betriebssystem ausgeliefert.

32-Bit-Anwendungen werden freilich weiterhin auch unter einem 64-Bit-Windows ausführbar bleiben, und auch für die meiste Hardware sollte es mittlerweile 64-Bit-Treiber geben.

Windows 11 Screenshots (11 Bilder)

Windows 11 Startmenü

4 GByte Arbeitsspeicher und mindestens 64 GByte Massenspeicher sollen es für Windows 11 sein. Beides ist nicht allzu hoch gegriffen, schließt aber etwa günstige Tablets der Windows-8.x-Ära aus, die mit 16 oder 32 GByte lahmem eMMC-Speicher ausgestattet sind. Vor solchen Geräten hatten wir bislang aber schon gewarnt, weil das nicht nur für die Nutzung zu wenig Speicherplatz war: Auch die Upgrades auf neuere Windows-10-Versionen waren nur über Umwege mittels angesteckten USB-Sticks zum Daten-Auslagern durchführbar.

Microsoft listet in den Hardware-Anforderungen auf, dass ein zu Windows 11 kompatibles System eine UEFI-Firmware samt Secure Boot benötigt und auch ein Trusted Platform Module (TPM 2.0). Bei Notebooks und anderen Komplettsystemem, die von PC-Herstellern mit Windows ausgeliefert werden, ist das kein Stolperstein, wohl aber für alte Systeme – und auch neuere solche, die man selbst zusammengebaut hat.

Wie strikt Microsoft die Vorgaben durchsetzen wird, lässt sich aktuell noch nicht beurteilen: Die letzte Woche geleakte Entwicklerversion von Windows 11 lässt sich mit Tricksereien jedenfalls auf Systemen ohne eigenständigen TPM-Chip installieren (oder in virtuellen Maschinen mit nur 2 GByte Arbeitsspeicher), etwa durch die Aktivierung des Firmware-TPM (fTPM), das bei AMD und Intel über Sicherheits-Koprozessoren in den Chipsätzen läuft.

Das heißt aber nicht, dass das auch bei der finalen Version im Herbst so sein wird: Microsoft sagt, dass Windows-Insider im Dev-Channel das neue Betriebssystem auch auf Hardware testen können, die die Minimalvoraussetzungen nicht erfüllen – aber eben auch nur, solange Windows 11 nicht allgemein freigegeben wurde. Danach müssen die Systeme laut Microsoft mit Windows 10 neu aufgesetzt werden.

Die neue Bedienoberfläche von Windows 11 setzt auf Transparenzeffekte.

(Bild: Microsoft)

Auch bei anderen Aspekten ist noch Abwarten angesagt. So sollen Grafiktreiber im mit Windows 10 eingeführten Treibermodell WDDM 2.0 vorliegen. Windows 10 selbst läuft aber auch problemlos mit älteren WDDM-1.x-Treibern. Womöglich muss man je nach Grafiktreiber auch nur optische Einschränkungen in Kauf nehmen: Es gibt ja wieder viele Transparenzeffekte in der neuen Bedienoberfläche – was damals bei Windows Vista auch nur mit neueren Treibern und GPUs geklappt hat.

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Wer ein Gerät mit Windows 11 Home erwirbt, benötigt laut Microsoft für die Ersteinrichtung eine Internetverbindung und ein Microsoft-Konto. Letzteres hätte Microsoft auch schon bei Windows 10 gerne, doch der Dialog lässt sich umgehen, indem man das Netzwerkkabel abzieht oder erst einmal kein WLAN einrichtet.

Bei der geleakten Version von Windows 11 klappt das weiterhin, doch es ist nicht ausgeschlossen, dass der Kontozwang in der finalen Version strikter durchgesetzt wird. So oder so: Er gilt nur für die Home-Version, aber nicht für Windows 11 Pro.

Für die neuen Gaming-Features, die bei der Windows-11-Präsentation beworben wurde, sind Hardwarefunktionen nötig, die über die Minimalvoraussetzungen hinausgehen. Damit man Auto-HDR nutzen kann, ist beispielsweise auch ein HDR-tauglicher Monitor Pflicht – für Windows 11 selbst genügt eine beliebige Anzeige mit 720p-Auflösung oder mehr.

Das neue DirectStorage, das Ladezeiten in Spielen beschleunigen soll, erfordert rasante SSDs und raytracingfähige GPUs.

(Bild: Microsoft)

Und damit DirectStorage die Ladezeiten von Spielen beschleunigen kann, müssen sowohl eine rasante NVMe-SSD mit mindestens 1 TByte an Bord sein als auch eine Grafikkarte, die DirectX 12 Ultimate unterstützt. Letzteres ist nur mit High-End-GPUs von AMD und Nvidia gegeben, die Raytracing unterstützen.

Siehe dazu auch:

(mue)