T-Mobile USA verkauft Festnetz um einen Dollar

T-Mobile entledigt sich der mit Sprint übernommenen Glasfasern, samt Kunden, und gibt Cogent noch 700 Millionen Dollar Zugabe. Die Abschreibungen sind hoch.

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1-Dollar-Schein, dahinter eine SIM-Karte von T-Mobile

Billiger wird's nicht.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

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  • Daniel AJ Sokolov

T-Mobile USA verkauft ihr überregionales Glasfasernetz an Cogent Communications für einen symbolischen US-Dollar. Außerdem verpflichtet sich T-Mobile, für Datenübertragung in dem verkauften Netz zu zahlen. Dafür wird die Tochter der Deutschen Telekom über 54 Monate ab Übereignung (Closing) 700 Millionen Dollar zahlen. Cogent übernimmt auch die derzeit von T-Mobile bedienten Kunden.

Die üblichen wettbewerbsrechtlichen Genehmigungen stehen noch aus. Das Closing ist für das dritte Quartal 2023 geplant. Das geht aus Unterlagen hervor, die T-Mobile Mittwochfrüh (Ortszeit) bei der US-Kapitalmarktbehörde SEC eingereicht hat. Cogent-Aktien verloren im anschließenden Tagesverlauf mehr als acht Prozent.

Das Glasfasernetz hat T-Mobile durch die Fusion mit dem US-Rivalen Sprint erworben, verwendet es nach eigenen Angaben aber nicht mehr für Datenübertragung für Mobilfunkdienste. In diesem Bereich sieht T-Mobile aber ihre Zukunft Die Umsätze mit Kunden, die an das Glasfasernetz angeschlossen sind, fallen. 2021 hat T-Mobile mit ihnen 739 Millionen Dollar umgesetzt. Unter Sprint 2019 waren es noch 1,3 Milliarden Dollar. Der Betrieb dürfte keinen Gewinn abwerfen.

Cogent sieht in dem Kauf die Chance, in Zukunft eigene Leitungen zu verwenden anstatt Leasingraten für fremde Leitungen zahlen zu müssen. Bestehende Kunden möchte Cogent behalten. Wer von ihnen noch MPLS VPN (Virtual Private Networks mit Multiprotocol Label Switching) nutzt, soll mit der Zeit auf Ethernet umgestellt oder Direct Internet Access mit Software Defined Wide Area Networks (SD-WAN/DIA) umgestellt werden. Natürlich möchte Cogent auch neue Kunden anlocken, nicht zuletzt für optische Datenübertragung (Optical Transport Network, OTN), was Cogent bislang nicht bieten kann.

Im zweiten Quartal des Jahres hat T-Mobile bereits 477 Millionen US-Dollar Abschreibungen auf die Buchwerte für das Sprint-Glasfasernetz durchgeführt. Doch das reicht nicht: Der Verkaufspreis von einem Dollar erfordert weitere Abschreibungen in Höhe von etwa einer Milliarde Dollar. Hinzu kommen Rückstellungen für die 700 Millionen Dollar, zu deren Zahlung sich das Unternehmen verpflichtet. Beides wird die Finanzzahlen T-Mobiles belasten, doch nur die 700 Millionen Dollar werden sich auf den Cash Flow auswirken, überwiegend in den ersten zwölf Monaten ab Closing.

Zu dem einen Dollar Kaufpreis kommen etwaige Barbestände und bestimmte ähnliche Vermögenswerte der Sprint-Abteilung hinzu, bestimmte Forderungen gegen Sprint werden abgezogen. Das könnte sogar dazu führen, dass T-Mobile Geld an Cogent überweisen muss.

(ds)