TOI-1231 b: Kühler Exoplanet mit besonders gut zu untersuchender Atmosphäre

Mit dem Weltraumteleskop TESS wurde ein Exoplanet mit besonders erdähnlichen Temperaturen entdeckt. Seine Atmosphäre könnte Überraschungen bereithalten.

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Künstlerische Darstellung von TOI-1231 b

(Bild: NASA/JPL-Caltech)

Von
  • Martin Holland

Eine Gruppe von Astronominnen und Astronomen hat einen Exoplaneten gefunden, auf dem es nur etwas wärmer ist als auf der Erde und in dessen Atmosphäre es sogar Wolken aus Wasser geben könnte. Der Himmelskörper mit der Bezeichnung TOI-1231 b umkreist in etwa 90 Lichtjahren Entfernung einen Roten Zwergstern und könnte mit bald einsatzbereiten Instrumenten besonders gut zu untersuchen sein, erklären sie nun. Gleich mehrere Faktoren seien dafür bei dem mit dem Weltraumteleskop TESS der NASA entdeckten Exoplaneten besonders günstig. Für lebensfreundliche Verhältnisse ist der Himmelskörper demnach aber zu groß.

Wie das Team nun im Fachmagazin The Astronomical Journal erläutert, wurde der Exoplanet in den Daten des Transiting Exoplanet Survey Satellite (TESS) gefunden. Der Satellit war im April 2018 als Nachfolger des überaus erfolgreichen Exoplanetenjägers Kepler gestartet worden, sucht aber anders als Kepler den gesamten Himmel nach periodische Verdunkelungen von Sternen ab. Mit weiteren Analysen wird dann ermittelt, ob dafür jeweils Exoplaneten verantwortlich sind, die aus unserer Perspektive vor ihrem Stern vorüberziehen.

Viele der so gefunden Exoplaneten kreisen deutlich enger um ihre Sterne als Keplers Funde, in beiden Datenbanken finden sich deswegen vor allem besonders heiße Exemplare. TOI-1231 braucht für einen Umlauf beispielsweise nur 24 Tage. Weil sein Stern aber vergleichsweise kühl ist, gehört er zu kühlsten bekannten Exoplaneten überhaupt.

TOI-1231 b ist etwa dreieinhalb mal so groß wie die Erde und an seiner Oberfläche herrschen Temperaturen von etwa 57 Grad Celsius. Aktuell sind nur zwei Exoplaneten bekannt, auf denen es kühler ist – darunter ein besonders spannender namens TOI-700 d. TOI-1231 b erinnert das Forschungsteam nun vor allem an den Planeten Neptun, während die Temperaturen aber denen auf der Erde zumindest glichen.

Weil sein Stern zwar ziemlich kühl, aber im infraroten Spektrum trotzdem besonders hell sei, könnte der Exoplanet mit Weltraumteleskopen wie Hubble und vor allem dem JWST besonders gut untersucht werden. Auf dem Weg dorthin durchquert das Sternenlicht auch die Atmosphäre und enthält dann auch Spuren davon. Weil TOI-1231 b für einen Transit über drei Stunden braucht, gebe es für solche Beobachtungen auch noch besonders viel Zeit.

Darüber hinaus entfernt sich das Sternsystem TOI-1231 auch noch so schnell von uns, dass dort entweichende Wasserstoffatome trotz des sonst hinderlichen interstellaren Gases und der Erdatmosphäre von uns aus erforscht werden könnten. Der Exoplanet habe also quasi einen Schweif, der gesondert analysiert werden kann. Der Exoplanet könnte den Forschern und Forscherinnen viel über vergleichbare, aber weniger gut positionierte Welten verraten. Möglich ist dem Team zufolge sogar, dass es auf TOI-1231 b Wolken aus Wasser gibt.

(mho)