TSMC: Chips werden gehortet

TSMC-Chef Liu verdächtigt Firmen in der Lieferkette, Chips zu horten. Sie hätten Angst vor Chip-Mangel – was wiederum zum globalen Mangel beitrage.

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Wafer von TSMC

(Bild: Taiwan Semiconductor Manufacturing Co., Ltd.)

Von
  • Frank Schräer

Seine Chips würden gehortet, anstatt genutzt. Darüber beschwert sich Mark Liu, Vorsitzender des Verwaltungsrates des weltgrößten Chip-Fertigers TSMC. Der weltweite Mangel an Computerchips liege nicht nur an der Coronavirus-Pandemie, sondern auch an Angst vor Auswirkungen des Handelskonflikts zwischen China und den USA. Die daraus folgende Chip-Hortung verschärfe den globalen Chip-Mangel.

Der Halbleitermangel begann, als Automobilhersteller ihre Bestellungen reduzierten, da sie eine niedrigere Nachfrage aufgrund der Coronavirus-Pandemie erwarteten. Diese erholte sich allerdings schneller als prognostiziert. Gleichzeitig stieg der Bedarf an Elektronik, weil viele Arbeitnehmer von Zuhause arbeiten mussten. Dadurch haben sich Lieferzeiten teilweise dramatisch verlängert.

Im Gespräch mit dem Magazin Time erklärte Mark Liu, dass TSMC (Taiwan Semiconductor Manufacturing Company) darüber hinaus mehr Chips an seine Kunden liefert, als fertige Produkte deren Fabriken verlassen. "Es gibt definitiv Leute, die wer-weiß-wo in der Lieferkette Chips anhäufen", sagte Liu. Daraufhin habe TSMC auf Basis eigener Daten untersucht, welche Kunden wirklich Chips benötigen und welche möglicherweise bevorraten.

Das habe zu schwierigen Entscheidungen bei der Priorisierung von Aufträgen geführt. "Wir lernen ebenfalls, denn so etwas haben wir zuvor noch nie machen müssen", erklärte Liu. "Manchmal sind Kunden nicht zufrieden, aber wir müssen das Beste tun für die Branche." Auch die US-Regierung vermutet Chip-Hortung als eine Ursache des Chipmangels und verlangt Auskunft.

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Liu kommentierte gegenüber Time die Pläne der US-Regierung. Die Biden-Administration will mit Investitionen in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar die eigene Wettbewerbsfähigkeit in der Halbleiterindustrie fördern. Dazu kommen weitere 52 Milliarden Dollar aus einem US-Gesetz für Innovation und Wettbewerb, das der Senat im Juni verabschiedet hat, um mit China im Technologiebereich mitzuhalten. Dagegen investiert TSMC innerhalb der nächsten drei Jahre allein 100 Milliarden Dollar in seine Fertigungskapazitäten. Das sei eine enorme Summe, aber Liu meinte: "je mehr ich es mir anschaue, es wird nicht ausreichen".

Mark Liu stammt aus Taiwans Hauptstadt Taipeh und erwarb seinen Doktortitel an der University of California, Berkeley, bevor er eine Stelle bei Intel annahm. Dort half er bei der Einführung des i386-Prozessors, der die PC-Revolution der späten 1980er-Jahre ankurbelte.

Danach forschte der Mann sechs Jahre lang bei AT&T Bell Laboratories in New Jersey, bevor er 1993 zu TSMC kam. Bei TSMC war er Firmengründer Morris Chang direkt unterstellt. Seit der sich 2013 aus Altersgründen zurückgezogen hat, leitet Liu gemeinsam mit CEO C.C. Wei das Unternehmen.

(fds)