TV+: Apples Streamingdienst weit hinten

Laut einer Untersuchung kommt der Videoservices des iPhone-Herstellers in seinem Heimatmarkt USA auf einen Mini-Marktanteil – trotz Milliardenausgaben.

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Die Apple-TV-Box ist längst nicht der einzige Empfangsweg für TV+ – mittlerweile ist der Dienst auf Fernsehen und Streamingsticks verfügbar.

(Bild: Apple)

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Von
  • Ben Schwan

Lohnt sich Apples Investition in sein eigenes Streaming-Angebot? Wenn man sich die nackten Zahlen ansieht, kann man bislang eindeutig sagen: nein. Mindestens eine Milliarde US-Dollar soll der iPhone-Konzern bislang für Apple TV+ in die Hand genommen haben, um Serien und Filme produzieren zu lassen oder diese exklusiv anzukaufen. Vermutlich ist die Summe noch deutlich höher, wenn man sich die Ankündigung über geplante Filmprojekte ansieht. Dem stehen bislang fast keine Einnahmen gegenüber. So hat der Konzern erst kürzlich seine Gratisphase für Käufer diverser Apple-Produkte verlängert – maximal 19 kostenlose Monate kann man so bekommen. Dabei ist Apple TV+ mit 5 Euro im Monat deutlich billiger als die Konkurrenz.

Nun liegen erste Zahlen vor, wie viel Prozent Marktanteil Apple damit bislang erreichen konnte. Trotz der Gratisphase und dem Schnäppchenpreis soll dieser im wichtigen Heimatmarkt USA nur bei drei Prozent liegen, wie aus einer Erhebung des Analyseunternehmens Just Watch hervorgeht. Die Informationen stammen aus dem vierten Quartal 2020. Damit wäre Apple signifikant hinter Netflix, Disney+ und sogar dem erst gestarteten NBC-Streamingdienst Peacock. Letzterer, ein halbes Jahr alt, soll bei sechs Prozent gelandet sein. Apple TV+ läuft hingegen bereits seit November 2019.

An den Vertriebswegen liegt es nicht. Apple bietet seine TV-App mittlerweile auf zahllosen Geräten an – vom Fernseher (auch von der Konkurrenz Samsung) über Streamingboxen und -sticks bis hin zu Playstation und Xbox. Apple gibt sich hier erstaunlich systemoffen, was für den Konzern ein Novum ist. Dennoch scheint es TV+ aktuell nicht zu helfen – auch nicht die Tatsache, dass der Service den vielen Millionen Apple-Kunden geradezu aufgedrängt wird. Laut Just Watch lag Netflix mit 31 Prozent Marktanteil in den USA ungeschlagen vorne, Amazon Prime Video folgte mit 22 Prozent. Hulu hielt 14 Prozent und Disney+ – dank zahlreichen beliebten Franchises der Chartstürmer – kam auf 13 Prozent. Danach folgt HBO Max mit neun Prozent. Sowohl HBO Max als auch Disney+ und wie erwähnt Peacock starteten nach Apple TV+, Apple konnte seinen Vorsprung also nicht nutzen.

Warum der Service so schlecht läuft, geht aus den Zahlen nicht hervor. Allerdings setzte Apple von vornherein auf einen sehr eigenen Ansatz. Der iPhone-Hersteller nimmt nur Original-Content, der aufwendig produziert werden muss. Das Repertoire-Angebot ist äußerst klein und die reine Ausnahme. Entsprechend müssen sich Kunden vom gebotenen Content überzeugen lassen – und der ist keineswegs für jeden Geschmack. Es ist nicht damit zu rechnen, dass Apple aufgeben wird. Der Konzern setzt augenscheinlich auf den Langzeiteffekt, den TV+ erzielen kann. Neu wäre diese Strategie nicht – und tiefe Taschen besitzt Cupertino.

[Update 23.01.21 14:46 Uhr:] Laut einer frisch veröffentlichten Umfrage sollen im vierten Quartal des letzten Jahres 62 Prozent der Apple-TV+-Nutzer noch im Probeabo sein. 29 Prozent davon wollen ihr Abo nach dem Ende der Gratisphase nicht verlängern, 30 Prozent möchten dies, der Rest ist unschlüssig.

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(bsc)