Täuschend echte Roboter-Delfine

In den USA gibt es in Wasserparks nun Schwimmtiere zu sehen, die in Wirklichkeit keine sind.

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Kinder-Badespaß mit einem Roboter-Delfin.

(Bild: Edge Innovations)

Von
  • Veronika Szentpetery-Kessler

Die Besucher der Vorführung in der San Francisco Bay Area sind sich einig. Die Delfindame, die mit ihnen im Becken schwimmt und ihnen zunickt, sieht vollkommen echt aus. Alle wissen, dass es sich in Wirklichkeit um einen Roboter handelt, schließlich mussten sie beim Eintritt eine Haftungsausschluss-Erklärung unterschreiben. Doch die fließenden Bewegungen, seine Wendigkeit und das zum Luftholen typische Auftauchen schaffen eine „überzeugende Illusion eines lebenden Delfins, mit dem man interagieren kann“, sagt ein faszinierter Besucher in einem Video des Unternehmens Edge Innovations aus San Francisco.

Sie entwickeln den täuschend echt wirkenden großen Tümmler mit dem Namen DRU 2.0 (Dolphin Robotic Unit) für ein chinesisches Aquarium, sagt Roger Holzberg von Edge Innovations. Der Delfin sei nicht der einzige Meeresbewohner, an dem sein Unternehmen arbeite. Genaueres dürfe er leider nicht verraten, deutet aber auf ein Foto von sich in einem Hai-Käfig. „Bisher hat es nur ein Marinepark geschafft, einen Weißen Hai zu halten…“

Holzberg geht es nicht allein um tierwohlkompatible unvergessliche Erlebnisse. Schwimmende Robotiere könnten Besuchern auch viel über die Ozeane und den Meeresschutz vermitteln, sagt der frühere Vizepräsident von Walt Disney Imagineering. „Die Idee ist, irgendwann keine Tiere mehr dafür einzusperren.“ Das scheint nicht nur die chinesische Aquarien-Industrie anzusprechen. Auch der Chef eines großen Wasserzoos in den USA sagte nach einer Demo: „Ich glaube, ich habe die Zukunft unserer Branche gesehen!“

Für eine überzeugende Delfindame haben sich die Edge-Entwickler eng an ihrem Vorbild orientiert. „Sie wiegt ebenfalls 270 Kilogramm und hat den richtigen Auftrieb“, sagt Holzberg. Ihr Skelett ist anatomisch korrekt, und die Aktuatoren besitzen dasselbe Gewicht und dieselbe Beweglichkeit wie die echten Muskeln. Nitrilkautschuk-Säcke imitieren die Fettschicht und Organe, zudem sorgen sie mit austarierten Volumina für den richtigen Auftrieb.

Aber erst Animatoren mit Fernsteuerungen für Kopf und Körper erwecken den Delfinkörper zum Leben. Sie haben echte Delfine beobachtet und gelernt, wie sie sich bewegen. Hinzu kommt eine künstliche Intelligenz (KI), durch die DRU 2.0 autonom abtauchen, auftauchen und mit ihrer Schwanzbewegung für Vortrieb sorgen kann. Soll sie Kurven schwimmen oder auf einen Besucher reagieren, übernehmen die Animatoren. Die Batterie hält mit zehn Stunden einen ganzen Arbeitstag. Als Holzberg bei einer Vorführung für Kinder ein Hai-Bild hochhielt und DRU fragte: „Hast du Angst vor Haien?“, schüttelte sie den Kopf. Dann konnte er erklären, wie Delfine Hai-Angriffe abwehren können.

Auch wenn die Illusion fast perfekt ist: DRU 2.0 kann weder sehen noch Echolokation betreiben. „Wenn sie sich einer Wand nähert, muss jemand das Steuer herumreißen“, scherzt Holzberg. Das nächste Modell soll allerdings schon Hindernissen ausweichen können.

Edge Innovations entwickelt seit 30 Jahren schwimmende Tierroboter, und Millionen Zuschauer hielten sie schon für echte Tiere: Delfin Darwin in Steven Spielbergs TV-Serie „SeaQuest“ (1993–1996) wurde von einem Roboter gespielt, in „Free Willy“ (1993) und im Kino-Remake von „Flipper“ (1996) absolvierten die Tierimitate etwa 40 Prozent der Szenen, sagt Edge-Chef Walt Conti. Einmal brachte der Firma seine Expertise sogar einen Polizeianruf ein: Als das Flipper-Nachfolgemodell DRU 1.0 1999 bei einer Vorführung in Disney Worlds Epcot Center auftrat, rannte ein Besucher hinaus und rief die Orlando Humane Society und auch die Polizei an, erinnert sich Roger Holzberg. „Er sagte: ‚Disney hat einen Delfin kostümiert, ihm eine Kamera auf den Kopf geschraubt und jetzt tun die so, als sei es ein Roboter!‘“

(bsc)