Tankrabatt lässt Benzin- und Dieselpreis schneller als erwartet sinken

Die Spritpreise sinken deutlich schneller als erwartet. Allerdings wurde die Entlastung noch nicht vollständig an die Verbraucher weitergegeben, sagt der ADAC.

Lesezeit: 4 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 73 Beiträge

Möglicherweise schauen die Tankenden heute weniger ängstlich auf das Display an der Zapfsäule.

(Bild: Shell)

Von
  • Andreas Wilkens
  • mit Material der dpa

Die Energiesteuersenkung hat sich am Mittwochvormittag bereits auf die Spritpreise ausgewirkt. E10 war zum Stichzeitpunkt 9.50 Uhr um rund 30 Cent pro Liter günstiger zu haben als 24 Stunden zuvor, Diesel um rund 14 Cent, wie aus Zahlen des ADAC hervor. Inklusive Mehrwertsteuer beträgt die Entlastung bei E10 35,2 Cent pro Liter, bei Diesel 16,7 Cent.

Im bundesweiten Durchschnitt kostete E10 am Mittwoch um 9.50 Uhr laut ADAC 1,881 Euro pro Liter, Diesel 1,941 Euro. Um diese Zeit ist der Spritpreis an normalen Tagen in der Regel etwas höher als der spätere Tagesdurchschnitt. Von den Tagesdurchschnittswerten des Dienstags aus gerechnet würde eine vollständige Weitergabe der Steuersenkung für E10 laut ADAC Preise von rund 1,80 Euro pro Liter ergeben, bei Diesel etwa 1,87 bis 1,88 Euro.

Die Spritpreise seien unabhängig vom Tankrabatt generell zu hoch, meint der ADAC. Über die Steuersenkung hinaus sieht der Automobilclub ein Potenzial für weitere deutliche Preissenkungen. ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand kündigte an, die weitere Preisentwicklung genau beobachten zu wollen.

Das hat auch das Bundeskartellamt vor. Dessen Präsident Andreas Mundt hatte am gestrigen Dienstag betont, das Monitoring mit Blick auf die Steuersenkungen intensivieren zu wollen. "Wir sehen seit Monaten eine Entkopplung von Rohölpreis und Raffinerie- beziehungsweise Tankstellenpreisen. Wir beobachten die Preisentwicklung deshalb mit sehr hoher Aufmerksamkeit", ergänzte Mundt.

Auch Erdgas (CNG/LNG) und Flüssiggas (LPG) sind übrigens durch den Tankrabatt günstiger geworden. Die Kosten für CNG/LNG verringern sich um 4,54 €/MWh, LPG wird um 238,94 €/1000 kg günstiger.

Vor der Steuersenkung war von vielen Experten erwartet worden, dass die Spritpreise am Mittwoch nicht abrupt fallen. Grund dafür ist, dass die gesenkte Steuer nicht beim Verkauf an der Zapfsäule, sondern ab Tanklager beziehungsweise Raffinerie anfällt. Das bedeutet, dass alle vor Mitternacht gelieferten Vorräte der Tankstellen noch mit dem normalen höheren Steuersatz belastet sind. Dass die Mehrheit der Tankstellen dennoch bereits am Morgen die Preise kräftig senkte, könnte eine Folge der hohen öffentlichen Aufmerksamkeit und des damit einhergehenden Wettbewerbsdrucks sein. Zuvor waren allerdings die Benzinpreise noch angezogen.

Die gesunkenen Preise sorgten am Mittwoch für kräftige Nachfrage an den Tankstellen. Der Bundesverband freier Tankstellen (bft) berichtete, dass an einzelnen Zapfsäulen Diesel zeitweise ausverkauft gewesen sei. Die Kaufzurückhaltung sei weg: "Die Autofahrer füllen ihren Tank auf für das Pfingstfest", hieß es. Laut Wirtschaftsverband Fuels und Energie (en2x) kam es allerdings zunächst nicht zu einem Ansturm auf die Tankstellen. Auch der Zentralverband des Tankstellengewerbes (ZTG) sprach von einer entspannteren Situation als befürchtet. Die Preise seien zurückgegangen, "dennoch stürmen die Verbraucher bisher keineswegs die Tankstellen".

Vor der Spritpreissenkung hatte es auch Spekulationen über mögliche Versorgungsengpässe am Mittwoch gegeben. Hintergrund ist auch hier das Steuersystem, das den Tankstellen erst seit Mittwoch den Einkauf zum niedrigeren Steuersatz ermöglicht. Volle Tanks mit der alten Steuerlast seien unter kaufmännischen Gesichtspunkten nicht verkraftbar, erklärte der bft. Der Füllstand der Tanks an den Tankstellen habe zum Teil zunächst nur bei 20 bis 30 Prozent gelegen. Vom ZTG hieß es dagegen, Leerstände seien nicht zu befürchten. "Bisher sieht es so aus, dass die Verbraucher verstanden haben, dass die Steuersenkung eben nicht nur am 1. Juni gilt."

Das Umweltbundesamt hatte unter anderem im März am Tankrabatt kritisiert, er sei klimapolitisch der falsche Weg, auch würden Menschen ohne Autos so nicht entlastet. Besonders das zweite Argument spielte dann in der Debatte über das Neun-Euro-Ticket, das seit dem heutigen 1. Juni gilt, eine Rolle, das weitere Entlastung bringen soll.

(anw)