Tastatur-Hacks gesucht – wohin mit dem großen Es-Zett?
Neue Tastatur kaufen?
Die Frage ist nun: Wie bekommt man das neue Zeichen aufs Blatt oder in die Textverarbeitung? Die hierzulande üblichen QWERTZ-Tastaturen bieten bisher noch keine Unterstützung für diese deutsche Extrawurst und es ist fraglich, ob und wann sich das ändert. Auch wenn sich dahinter natürlich großes Potential für die Ankurbelung der darniederliegenden PC-Peripherie-Wirtschaft verbirgt. Millionen von neuen Tastaturen könnten so auf den Markt kommen – üblicherweise ist das kein Eingabegerät, das im Alltag häufig neu gekauft wird.
Bis dahin können sich Windows-Nutzer mit dem Tastaturtrick behelfen, um beliebige Zeichencodes einzugeben: linke <Alt>-Taste drücken und dann auf dem Nummernblock den vierstelligen, dezimalen Unicode eingeben, nach der letzten Ziffer <Alt> loslassen: <Alt>+7838.
Für echte Maker ist das aber nicht befriedigend. Darum unsere Frage: Wie kann man seine Tastatur hacken und fit für das neue Zeitalter machen? Zum einen: Wie sorgt man dafür, dass der richtige Scancode gesendet wird und welcher soll es überhaupt sein? Immerhin ist das neue Zeichen noch nicht in den HID Usage Tables 1.12 des USB-Konsortiums enthalten. Vielleicht hilft eine Lösung, die wie bei einem Key-Sniffer zwischen Tastatur und PC eingreift und den Datenstrom manipuliert?
Zum anderen ist noch die Frage zu klären, wo das Zeichen hin soll und wie es auf die Tastenkappe kommt. Logisch wäre ja die ß-Taste zu nutzen und mit <Shift>+ß zu arbeiten. Dann müsste aber das "?" weichen und <Alt Gr>+ß ist auch schon belegt. Darüber hinaus: Ein Ausdruck mit dem Labelprinter für die Tastenbezeichnung wird nicht haltbar sein und entspricht auch keinen ästhetischen Ansprüchen. Also zum Mini-Laser-Gravierer greifen? Gibt es bald einzelne Tastenkappen aus dem 3D-Drucker?
Wir sind auf Ihre Ideen und Lösungen im Diskussionsforum zu dieser Meldung gespannt!
[Update 4.7.17, 10:30]: Im Forum und per Email erreichen uns zahlreiche Hinweise, wie das große-ß bereits teilweise implementiert ist.
Die DIN 2137 sieht mit der Tastaturbelegung T2 bereits vor, dass das ẞ auf der Taste <h> als drittes Zeichen liegen soll und per <Alt Gr>+<h> erreicht werden kann. Das funktioniert aber nur, wenn ein entsprechender Tastaturtreiber installiert ist.
(Bild: Cherry )
Unter Linux klappt es teilweise durch aktivieren der Feststelltaste (<Caps Lock>), <ß> tippen und dann <Caps Lock> wieder ausschalten oder <Shift>+<Alt Gr>+<s>. Ab Windows 10 kann man sich die Finger brechen und die Tastenkombination <Shift>+<Alt GR><ß> nutzen. Mit dem Microsoft Keyboard Layout Creator ist es möglich, eigene Belegungen zu definieren.
Echte Maker-Lösungen sind das natürlich noch nicht. Wir hoffen weiterhin auf Zuschriften, die uns zeigen, wie beispielsweise eine bisherige Tastatur mit einem Taster aus dem Elektronikfundus fürs ẞ erweitert wurde (sozusagen eine 105+1 Tastatur). Die überflüssige doppelte <Windows>-Taste oder die für das Kontextmenü sind vielleicht auch Kandidaten? Vielleicht auch als Taste <DeuProTa> ("Deutsche-Problemlösungs-Taste") ähnlich <alternative Grafik>. Bei der Gelegenheit könnte man die einzige englische Tastenbeschriftung auch endlich einmal übersetzen und "Fluch" (t) drauf schreiben.
(fls)