Tastatur pur: Textbasierter E-Mail-Client Mutt in Version 2 erschienen

Der E-Mail-Client Mutt für die Konsole macht einen großen Versionssprung. Der Grund: Manche Änderungen sind nicht mehr zur Vorgängerversion kompatibel.

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(Bild: Michael Traitov/Shutterstock.com)

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  • Tilman Wittenhorst

Der textbasierte, freie E-Mail-Client Mutt hat einen Versionssprung auf die Nummer 2.0 vollzogen. Allerdings ist der Grund dafür weniger ein umfangreicher Umbau oder eine größere Erweiterung, sondern die Einführung einiger Änderungen, mit denen die Abwärtskompatibilität zu Vorgängerversionen entfällt.

In den Release Notes gibt der Entwickler einen Überblick über die wichtigsten Neuerungen; dort findet sich auch ein Link auf die vollständige Liste aller Änderungen im Quellcode-Repository bei Gitlab. Wer ein Update auf Version 2.0 plant, sollte sich dort vor allem den Abschnitt mit den Features anschauen, die mit der Kompatibilität zu Vorgängerversionen brechen: Dies betrifft unter anderem das Verhalten beim Hinzufügen an Anhängen. Einige Variablen haben nun Default-Wert, die an die jeweilige Lokalisierung angepasst sind, sie sind erkennbar am Typ string (localized). Beim Verbindungsaufbau zum Server wird nun eine Verschlüsselung angenommen und TLS erzwungen (die Variable ssl_force_tls ist auf yes gesetzt).

Außerdem gibt es wie üblich auch einige Neuerungen, aber wie der Entwickler Kevin McCarthy betont, seien es diesmal sogar eher weniger als bei früheren Versionen. Beispielsweise kann man mit dem cd-Kommando innerhalb von Mutt nun das Verzeichnis wechseln. Bricht die Verbindung zum IMAP-Server ab, versucht Mutt automatisch, die Verbindung wiederherzustellen. Das XOAUTH2-Protokoll beherrscht Mutt nun ebenso wie das Vervollständigen von Patterns per Tabulatortaste.

Außerdem gibt es mit MuttLisp eine an Lisp angelehnte Erweiterung der Konfigurationssyntax, etwa für bedingtes Ausführen von Kommandos. Der Entwickler betont aber die Beschränkungen: MuttLisp sei keine vollständige Programmiersprache, könne keine Makros ersetzen und sei experimentell. Last, but not least: Nutzer können ein Verzeichnis fürs Speichern von Anhängen bestimmen.

Mutt ist für Linux- und Unix-Systeme unter der GNU General Public License (GPL) frei verfügbar. Die Software erschien erstmals 1995 und wird seitdem weiterentwickelt; die letzte Version 1.14.7 stammt vom August dieses Jahres. Die letzte große Änderung gab es mit Version 1.6 im Jahr 2016. Als Mail User Agent (MUA) für die Konsole ist Mutt eine Kuriosität, erfreut sich aber weiterhin einer gewissen Beliebtheit, weil sich E-Mails per Tastatur unerreicht effizient und rasch verwalten lassen – wenn sich man einmal in die Software eingearbeitet hat.

(tiw)