Telekom: Berlin soll "Glasfaser-Hauptstadt" werden​

Die Telekom will in Berlin verstärkt mit Glasfaser ausbauen. Bis 2025 sollen so 600.000 FTTH-Anschlüsse entstehen, mittelfristig bis zu einer Million.

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Missing Link: Der Kampf um die Glasfaser, oder: Der verpasste Breitbandausbau in Deutschland
Von
  • Volker Briegleb

Die Telekom hat große Pläne für den Glasfaserausbau in der Hauptstadt. Bis 2025 will der Netzbetreiber in Berlin rund 600.000 FTTH-Anschlüsse schaffen, mittelfristig sollen es bis 2027 eine Million werden. Berlin werde "zur Glasfaser-Hauptstadt Deutschlands", teilte die Telekom am Freitag mit.

"Dafür fahren wir in der Hauptstadt jetzt unseren Glasfaserausbau hoch", erklärte Telekom-Deutschlandchef Srini Gopalan. "Dabei konzentrieren wir uns nicht auf bestimmte Stadtteile, sondern bauen in allen zwölf Bezirken aus." Die Telekom setzt dabei auf Vorarbeiten, die beim Vectoring-Ausbau durchgeführt wurden.

"Für die bevorstehenden Bauarbeiten haben wir durch unseren umfangreichen Vectoring-Ausbau gute Voraussetzungen geschaffen", erläutert Technikchef Walter Goldenits. "So können wir in weiten Teilen der Stadt auf Leerrohrsysteme zurückgreifen. Dadurch benötigen wir weniger Tiefbau."

Um bestehende DSL-Anschlüsse mit dem Beschleuniger Vectoring aufrüsten zu können, hat die Telekom zahlreiche Kabelverzweiger bereits mit Glasfaser angeschlossen. Je kürzer die Kupferstrecke zum Kunden ist, desto höher ist die mögliche Bandbreite. Um den Ausbau hat es jahrelang einen erbitterten Streit in der Branche gegeben.

Aber das Vectoring-Kapitel ist abgeschlossen. Telekom-CEO Tim Höttges will bis 2030 alle Haushalte in Deutschland mit einem Glasfaseranschluss versorgen können. Dafür investiert die Telekom viel Geld. Bis zu 2,5 Milliarden Euro pro Jahr sollen in den Netzausbau fließen.

2020 hat die Telekom nach eigenen Angaben rund 600.000 Haushalte mit FTTH erschlossen. Zum Jahreswechsel zählte der Netzbetreiber rund 2,2 Millionen FTTH-Anschlüsse. In diesem Jahr will die Telekom ihre Anstrengungen verstärken und die Anzahl der Neuanschlüsse in etwa verdoppeln, perspektivisch sollen bis zu 2 Millionen Anschlüsse pro Jahr dazukommen.

Der Berliner Senat zeigte sich erfreut von den Glasfaserplänen der Telekom in der Hauptstadt. "Ich freue mich, dass wir durch die Zusammenarbeit mit der Telekom die Versorgung mit leistungsfähigem Breitband sicherstellen können und gleichzeitig durch effiziente Planung die Anzahl und das Ausmaß von Baustellen reduzieren", erklärte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). In der Stadt gibt es den Angaben des Statistischen Bundesamtes zufolge rund zwei Millionen Haushalte.

Doch auch andere Anbieter bleiben nicht untätig. So will etwa auch die Deutsche Glasfaser, die sich auf den FTTH-Ausbau in ländlichen Regionen spezialisiert hat, mit neuen Investoren an Bord das Ausbautempo beschleunigen. Der Telefónica-Konzern hat für sein Glasfaserprojekt an unterversorgten weißen Flecken die Allianz als Investor gewinnen können.

Dabei geht der Trend ganz klar zur Zusammenarbeit. Die Telekom kooperiert mit zahlreichen Wettbewerbern wie der Deutschen Glasfaser, Vodafone oder Telefónica. Mit EWE Tel hat die Telekom eine gemeinsame Tochtergesellschaft gegründet, die Glasfaser im Nordwesten des Landes ausbauen soll.

(vbr)