Das Ende von De-Mail bei der Telekom: Widrigkeiten und Unklarheiten

Die Telekom hat Ende August ihren De-Mail-Dienst eingestellt. Der Übergang zu anderen Providern gestaltet sich schwierig, ebenso das Sichern vorhandener EMails.

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(Bild: Iven O. Schloesser/Shutterstock.com)

Von
  • Tim Gerber

Wie angekündigt, hat die Telekom zum 31. August ihren De-Mail-Service eingestellt. Die De-Mail-Kunden der Telekom werden noch drei Monate lang Zugang zu ihren Accounts haben, wie im De-Mail-Gesetz für solche Fälle gefordert. De-Mails versenden oder empfangen können die Nutzer allerdings nicht mehr.

Wer seine De-Mails aus dem Telekom-Postfach sichern will, um auch nach völliger Abschaltung des Dienstes Ende November noch Zugriff darauf zu haben, scheitert bislang an unzureichenden Funktionen der De-Mail-Nutzeroberfläche bei der Telekom. Die erlaubt derzeit nur maximal zehn Mails gleichzeitig zu archivieren. Für Nutzer mit vollem Postfach kaum praktikabel.

Immerhin hat die Telekom in einem Schreiben an die Kunden angekündigt, eine Funktion zur Sicherung des gesamten Postfachs bereitstellen zu wollen. Erst am 1. September wurde sie freigeschaltet, für eingehendere Tests blieb bis Redaktionsschluss zu wenig Zeit.

Wer bis 31. August bei der Telekom versucht hat, mehr als zehn De-Mails zu sichern, erhielt nur eine Fehlermeldung. Für die Zeit danach hat das Unternehmen eine Funktion für die Sicherung des gesamten Postfachs angekündigt.

Der Umzug zu anderen Providern bereitet kommerziellen und öffentlichen De-Mail-Nutzern mitunter Schwierigkeiten. So teilte etwa die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) Versicherten und deren Arbeitgebern in einem Anschreiben mit, dass sie ihnen wegen der Abschaltung bei der Telekom vorübergehend keine verschlüsselte elektronische Kommunikation mehr anbieten könne.

Auf Nachfrage von c’t, warum sich der fällige Providerwechsel verzögere, hieß es seitens der VBL, man sei bereits zu Beginn des Jahres aktiv geworden, um den Providerwechsel zu einem neuen De-Mail-Diensteanbieter anzustoßen. Allerdings sei es bei dem von der Telekom angekündigten Umzugsservice zu erheblichen Verzögerungen gekommen.

Auch die Angebotseinholung bei alternativen Providern habe sich schwierig gestaltet. Hinzu komme, dass die VBL an vergaberechtliche Regularien gebunden sei. Inzwischen zeichne sich allerdings eine Lösung ab, sodass man zuversichtlich sei, die Migration im Laufe des Herbstes 2022 abschließen zu können.

Nahezu zeitgleich zur Telekom hat auch die Deutsche Post ihr Konkurrenzangebot, den ePostbrief, eingestellt. Auch dieser im Unterschied zur De-Mail nicht gesetzlich geregelte Dienst hat sich in der Praxis nicht durchgesetzt. 

Abgesehen von einigen Spezialsystemen für Behörden, Notare und Anwälte bietet die De-Mail bislang die einzige digitale Entsprechung klassischer Postdienstleistungen mit gesetzlich geregelter Nachweisfunktion. Wer einen gerichtsfesten Nachweis über die Zustellung eines Schreibens an einen Empfänger benötigt, muss nach wie vor entweder einen Boten beauftragen, der die Zustellung anschließend bezeugen kann, oder ein Faxgerät benutzen. Denn vor allem große Unternehmen bieten ihren Kunden selten einen De-Mail-Zugang an.

Der Bundesgesetzgeber hat es bislang versäumt, entsprechende Pflichten für bestimmte Branchen wie Banken, Versicherungen oder Energieversorger einzuführen. So bleibt die De-Mail weiterhin ein "toter Gaul", wie Telekom-Chef Tim Höttges sie Anfang 2021 nannte, den die Anbieter United Internet (Web.de, GMX) und FP Business Solutions allerdings bis auf Weiteres reiten wollen.

c't Ausgabe 20/2022

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