Telekom vor Abschied von ihrer Großkundensparte T-Systems

Nach jahrelangem Umbau prüft die Deutsche Telekom verschiedene Szenarien für den Verkauf ihrer IT-Tochter T-Systems. Zwei Großkunden könnten Probleme bereiten.

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Deutsche Telekom - Hauptgebäude mit Fahnen

(Bild: Deutsche Telekom)

Von
  • Andreas Knobloch

Die Deutsche Telekom bereitet den Verkauf ihrer verlustreichen Großkundentochter T-Systems vor. Das berichtet unter anderem das Handelsblatt mit Verweis auf den Vorgang vertraute Personen. Der Zeitung zufolge lassen Konzernchef Timotheus Höttges und T-Systems-Chef Adel Al-Saleh verschiedene Szenarien für eine komplette Abspaltung und Neuaufstellung oder einen Verkauf durchspielen. Es liefen bereits Gespräche mit potentiellen Käufern, darunter die Beratungsgesellschaften Accenture und Capgemini. Der Verkauf könnte im September nächsten Jahres über die Bühne gehen, hieß es.

"Wir haben Wachstumspläne. Aber wir prüfen auch andere Optionen", sagte ein T-Systems-Sprecher. Die Telekom-Tochter, die IT-Dienste und Cloud-Services für Großkunden anbietet, bereitet dem Bonner Dax-Konzern seit einiger Zeit Sorgen. Ein jahrelanger Umbau, bei dem Tausende Mitarbeiter ihre Jobs verloren, brachte keine Trendwende. Zwar kommt die langwierige Neuaufstellung voran – Wachstumssparten wie Cybersecurity oder das Internet der Dinge wurden in eigenständige Gesellschaften übertragen –, die Sparte schreibt aber weiter rote Zahlen. T-Systems mit seinen rund 29.000 Beschäftigten verbuchte 2020 bei einem Umsatz von 4,2 Milliarden Euro einen Verlust vor Steuern von 650 Millionen Euro. Allerdings macht die IT-Tochter heute nur noch drei Prozent des Gesamtumsatzes des Telekom-Konzerns aus. Dessen Geschäfte "laufen noch besser als erwartet". Erst kürzlich erhöhte die Deutsche Telekom die Jahresziele nach 8,8 Prozent Umsatzsteigerung.

Womöglich müsse die Telekom bei einem Verkauf von T-Systems draufzahlen, schreibt das Manager Magazin. Die Rede ist von bis zu einer Milliarde Euro. Probleme könnten auch zwei große Kunden von T-Systems bereiten. Denn die Telekom-Tochter arbeitet unter anderem für die Bundeswehr und den Bundesnachrichtendienst. Dies könnte den Verkaufprozess verkomplizieren, wenn der Käufer weder aus der Europäischen Union stammt noch unter Geheimschutzbetreuung des Bundes steht. Das für die öffentliche Hand sensible Geschäft könnte deshalb vor einem Verkauf herausgelöst werden.

Laut Handelsblatt arbeitet das Telekom-Management an verschiedenen Optionen. Neben einem Verkauf prüft der Mutterkonzern eine Zerteilung und einen Verkauf einzelner Sparten sowie eine Abspaltung von T-Systems. Demnach würde die Telekom weiter einen Anteil an T-Systems halten, seinen Einfluss aber deutlich zurückfahren. Auch seien mit dem Großaktionär Bund bereits Pläne diskutiert worden, so das Blatt, wonach Telekom und Bund in der neuen Struktur jeweils ein Drittel der Anteile halten würden; für das verbliebene Drittel sollen dann ein oder mehrere Investoren gefunden werden.

(akn)