Tesla-Chef Musk verunsichert Kryptomarkt: Bitcoin fällt auf Dreimonatstief

Zeitweise fiel der Bitcoin Montag früh auf einen Tiefstand von rund 42.000 US-Dollar. Tesla-Chef Elon Musk hatte zuvor via Twitter für Spekulationen gesorgt.

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(Bild: Shutterstock)

Von
  • Axel Kannenberg

Die Kryptowährung Bitcoin ist mit Preisen von knapp über 42.000 US-Dollar am Montag kurzzeitig auf ein Drei-Monatstief gefallen. Auch den Rest des Kryptomarktes zog das nach unten: Zeitweise fiel laut der Plattform Coinmarketcap der gesammelte Börsenwert der Kryptogeldwelt auf unter zwei Billionen US-Dollar. Auslöser für den Kursrutsch dürften Spekulationen darüber sein, dass Elon Musks E-Auto-Hersteller Tesla die erst vor wenigen Monaten für 1,5 Milliarden US-Dollar erworbenen Bitcoins komplett abstoßen könnte. Inzwischen hat sich der Bitcoin aber wieder auf über 45.000 US-Dollar stabilisiert.

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Anlass für die Spekulation gab Musk selber auf Twitter: Ein User namens @Cryptowhale hatte dort geschrieben, die Bitcoin-Community werde sich noch ärgern, wenn bekannt werde, dass Tesla im kommenden Quartal alle restlichen Bitcoins verkauft habe. Angesichts des Hasses, der Musk gerade entgegenschlage, könne man ihm das nicht verübeln. Musk hatte darauf am Sonntagabend mit "Indeed" geantwortet, zu Deutsch "In der Tat", und damit Bewegung in die Kryptogeldkurse gebracht. Am Montagmorgen teilte Musk jedoch mit, dass er Unklarheiten beseitigen wolle: Tesla habe nicht weiter verkauft. Dabei bezog er sich auf einen Tweet, der Kursverluste beklagte. Über Verkaufspläne in der Zukunft sagte Musk allerdings nichts. Dennoch ließ sich nach diesem Tweet eine Preiserholung beobachten.

Vergangene Woche hatte Tesla mit der Mitteilung überrascht, wegen Umweltbedenken die Akzeptanz von Bitcoin wieder zu beenden. Infolge der Bekanntmachung purzelte der Preis für Bitcoin nach unten. Der Konzern habe die Entscheidung wegen des rapide ansteigenden Verbrauchs von fossilen Brennstoffen für die Herstellung von und Transaktionen mit Bitcoins getroffen, erklärte Tesla-Chef Elon Musk. Er sehe aber nach wie vor großes Potenzial im Prinzip von Kryptogeld und wolle mit Entwicklern des Dogecoin zusammenarbeiten, um die Skalierbarkeit der Währung zu verbessern.

Tesla hatte erst im März begonnen, Bitcoins zum Kauf von Elektroautos zu akzeptieren. Zuvor hatte der Konzern eine Investition in Bitcoins für 1,5 Milliarden Dollar (1,2 Milliarden Euro) bekannt gegeben und der ältesten und bekanntesten Kryptowährung zu Kurssprüngen verholfen. Warum Musk und Tesla erst vergangene Woche Bedenken kamen, obwohl die Umweltproblematik um Bitcoin und andere Währungen mit Proof-of-Work-Verfahren schon lange bekannt ist und breit diskutiert wird – das blieb unklar.

Die Umweltbedenken hinderten Tesla auch nicht, einen Teil der Gewinne aus dem Bitcoin-Investment bereits mitzunehmen. Im jüngsten Geschäftsquartal hatte das Unternehmen Bitcoins im Wert von fast 300 Millionen Dollar (circa 250 Mio. Euro) wieder verkauft und daran nach eigenen Angaben rund 100 Millionen (etwa 83 Mio. Euro) verdient. Der Reingewinn Teslas lag in dem Quartal bei 438 Millionen Dollar.

Unter Bitcoin-Fans hatte Teslas Abkündigung für Unmut gesorgt, der sich etwa via Twitter über Musk ergoss. Unter anderem hatte der Ökonom Saifedean Ammous, Autor des in der Szene sehr beliebten Buches "Der Bitcoin-Standard", Musk als "corporate-welfare whore" und "rent-seeking leech" beschimpft (auf Deutsch in etwa "Subventions-Hure" und "Rendite-Blutsauger"). In den zivilisierter laufenden Debatten versuchten Bitcoiner, Musk davon zu überzeugen, dass der hohe Stromverbrauch des Bitcoins notwendig und wichtig sei, um Sicherheit und Dezentralität der Kryptogeld zu gewährleisten. Musk bezweifelte mit Verweis auf die Abhängigkeit von wenigen großen Mining-Betreibern, dass Bitcoin dezentral sei.

Generell hat Musk inzwischen einen enormen Einfluss auf die Preise der Kryptomärkte entwickelt. So stieg etwa vor über einer Woche im Vorfeld seines Auftritts bei der Comedysendung Saturday Night Live der Preis des Dogecoin auf ein Rekordniveau von rund 74 US-Cent. Musk hatte zuvor immer wieder Sympathie für die Währung durchblicken lassen. Und nach dem Auftritt stürzte der Kurs auch sogleich wieder ab – möglicherweise, weil Musk in einem Sketch das Kryptogeld mit dem mehrdeutigen Wort "Hustle" bezeichnete, was unter anderem Betrug bedeuten kann.

(axk)