Tesla Grünheide: Produktion steht zwei Wochen still – Rückruf von Model Y und 3

Probleme für Tesla: Die Produktion in Grünheide muss umgebaut werden. Zuvor stehen die Bänder still. Zudem müssen die Modelle Y und 3 zurückgerufen werden.

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(Bild: Markus Mainka/Shutterstock.com)

Update Stand:
Von
  • Bernd Mewes
  • Tobias Knaack

Beim Elektroautobauer Tesla läuft es alles andere als rund. In der Gigafactory im brandenburgischen Grünheide bei Berlin kämpft Tesla einem Bericht der FAZ zufolge massiv mit Problemen bei der Produktion sowie der Auslieferung des Model Y. In Internetforen beschweren sich demnach Kunden über die Verzögerung bei der Auslieferung ihrer bestellten Autos. Als Gründe wurden neben fehlenden Batterien aus China und Problemen mit der Antriebseinheit – zu denen Tesla sich nicht äußert – auch der Mangel an Fachkräften angegeben.

Am Montag berichten "Bild" und "B.Z." nun unter Berufung auf das Fachmagazin „Teslamag“, dass das Tesla-Werk im brandenburgischen Grünheide vorübergehend geschlossen werden soll – nach nur drei Monaten.

Zur Begründung heißt es: Die Produktion sei zu langsam, die Arbeitsabläufe sollen zwei Wochen lang umgestellt werden. Während des Stillstands würden die Produktionsabläufe so überarbeitet, dass die Karosserien nur noch 30 Sekunden an jeder Fertigungsstation verbringen sollen. Aktuell seien es bis zu drei Minuten.

Nach der Produktionspause soll dem Bild-Bericht zufolge in drei statt zwei Schichten gearbeitet werden. Außerdem könnte Tesla dann in einer Nachbarhalle mit der Antriebsfertigung beginnen. Die in dem Bericht genannten Zahlen drücken die aktuellen Probleme aus: In der Gigafactory Grünheide sollen jährlich 500.000 E‑Autos vom Typ Model Y vom Band laufen. Bislang waren es allerdings nur 1000 Fahrzeuge wöchentlich – rund ein Zehntel des Plans. Zudem müssen viele Autos vor der Auslieferung wegen Mängeln nachbearbeitet werden.

Und dort zeigt sich ein weiteres Problem Teslas aktuell: Laut KBA gibt es beim Tesla Model Y und Model 3 des Baujahrs 2022 einen Softwarefehler, der zum Ausfall des E-Call-Systems führen kann. Das automatische Notruf-System wird bei schweren Unfällen aktiv und wählt die jeweiligen Notrufnummern des entsprechenden Landes automatisch.

Von dem Problem betroffen sind demnach fast 60.000 Fahrzeuge aus den Produktionsstätten in Berlin, Fremont (Kalifornien) und der Nähe von Shanghai, in denen das Model Y produziert wird. Als Abhilfemaßnahme gibt das KBA eine Softwareaktualisierung an.

Zurück noch einmal nach Berlin: Das angepeilte Ziel von etwa 12.000 Beschäftigten habe Tesla bisher nicht ansatzweise erreicht – mit geschätzten 4.500 bis 5.000 Mitarbeitern nicht mal die Hälfte. Der IG Metall zufolge wirbt der Autobauer um Mitarbeiter bereits mit höheren Gehältern. Das wiederum führe zu Unmut bei den bereits Beschäftigten, die davon scheinbar nicht profitieren. Nach Tarif der IG Metall zahle Tesla auch nicht und auf einen Brief von Gewerkschaftschef Jörg Hofmann habe Elon Musk nicht geantwortet.

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Ungelernte bekämen bei Tesla in Grünheide ein Bruttogehalt von 2.700 Euro und verdienten damit weit über dem Mindestlohn. Die Arbeitsagentur in Frankfurt/Oder betreibe ein Büro direkt in der Fabrik und hat nach eigenen Angaben bereits 1.000 Mitarbeiter vermitteln können – 650 davon seien zuvor arbeitslos gewesen –, die Hälfte davon wiederum lange Zeit ohne Arbeit.

Für einen Güterbahnhof, die Logistik und eine Kita würde Tesla sein 300 Hektar großes Betriebsgelände gerne um mehr als 100 Hektar erweitern. Problematisch sei dabei, dass es für die gewünschte Fläche noch keinen Bebauungsplan gibt, während die Gebäude bis jetzt auf vorgesehenem Gewerbegebiet gebaut wurden. Für die Erweiterung müsste wieder Wald gerodet werden.

In einem Hauptausschuss der Gemeinde soll eine knappe Mehrheit Anfang Juni für eine Einleitung eines Verfahrens zur Erweiterung und einen neuen Bebauungsplan gestimmt haben – unter den Gemeindevertretern zeichnete sich eine solche Mehrheit nicht ab, berichtet die FAZ weiter. Auf den 300 Hektar sei noch ausreichend Platz für Gebäude und die zusätzliche Fläche würde weiter als bisher in das Wasserschutzgebiet ragen.

Die Rodung des Waldes und die Wasserversorgung sind seit Beginn ein Reizthema. Der lokale Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) erklärte, dass der Vertrag nur die erste Ausbaustufe der Gigafactory abdecke und für größere Liefermengen kein Spielraum mehr sei – auch nicht für neue Industrieansiedlungen in der Region. Die Landesregierung teile diese Auffassung nicht.

Während Brandenburgs Wirtschaftsminister "keinen Zwiespalt zwischen Wirtschaftsansiedlungen und der Umwelt" sehe, wurde der FAZ zufolge die erlaubte Wassermenge privater Verbraucher, "die einen neuen Wasseranschluss im Verbandsgebiet beantragen, im April schon auf 105 Liter pro Person und Tag rationiert". Der übliche Trinkwasser-Verbrauch in Deutschland lag 2016 bei etwa 123 Liter.

Update

Dieser Text wurde am Montag, 4. Juli 2022, ergänzt und aktualisiert. Neu ist die zweiwöchige Umstellung der Produktionsabläufe.

(bme)