Tesla: Sicherheitsbedenken zu "Autopilot" und "FSD" von Musk beiseite gewischt

Dass Tesla oft Sachen verspricht, die dann nicht, anders oder verspätet kommen, ist bekannt. Nun berichten Insider über den Umgang mit Sicherheitsbedenken.

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(Bild: TierneyMJ/Shutterstock.com)

Von
  • Martin Holland

Der US-Autohersteller Tesla hat bei der Entwicklung der eigenen Fahrassistenzsysteme immer wieder Sicherheitsbedenken beiseite geschoben, um die Wünsche von Firmenchef Elon Musk nach raschen Fortschritten zu erfüllen. Das geht aus Recherchen der New York Times hervor, die mit 19 Menschen gesprochen hat, die in den vergangenen Jahren bei Tesla gearbeitet haben.

Die Ausführungen bestätigen außerdem das Bild eines Unternehmens, das mit großspurigen Ankündigungen zum autonomen Fahren die Branche immer wieder vor sich her treibt, die Versprechen dann aber oft nicht halten kann. Ausführlich geht es noch darum, dass Tesla – aus Kostengründen – darauf zielt, autonomes Fahren nur durch Kameras zu ermöglichen, weil laut Musk "Menschen auch nur zwei Augen haben".

Der Bericht der US-Zeitung fällt in eine Zeit, in der Teslas Umgang mit den Fahrassistenzsystemen "Autopilot" und vor allem "Full Self Driving (FSD)" einmal mehr im Fokus steht. So hatte etwa die Chefin des National Transportation Safety Boards (NTSB) im September gefordert, Tesla müsse erst "grundlegende Sicherheitsprobleme" angehen, bevor FSD in den Fahrzeugen verfügbar gemacht werde. Ihre Verkehrsbehörde untersucht die Unfälle im US-Transportwesen. Als Musk im Oktober 2016 erstmals öffentlich behauptet hatte, dass alle neuen Tesla-Fahrzeuge die Voraussetzungen mitbrächten, um "vollständig selbst zu fahren" – und den Begriff "full self driving" damit einführte, habe das intern für Überraschung gesorgt und die Sorge, dass ihr Chef unmögliches verspreche, zitiert die New York Times.

Schon bei Beginn der Entwicklung des Systems namens "Autopilot" habe es im Ingenieursteam Widerspruch gegeben, weil der Name eine Autonomie suggeriere, die die Technik nicht leisten kann. So habe es den Vorschlag gegeben, das System stattdessen "Co-Pilot" zu nennen. Damit konnten die Entwickler sich aber nicht durchsetzen, schreibt die Zeitung. Auch wenn die Fahrzeuge damals auf Kameras, Radar und Audiosensoren setzten, habe Musk bereits gefordert, dass sie irgendwann mit Kameras auskommen sollten. Diese Forderung sei in den Jahren danach immer wieder wiederholt worden, auch wenn es deutliche Bedenken gegeben habe. Im Unternehmen habe sich der Fokus aber entsprechend verschoben und Musks Forderung erfahre auch Zuspruch. Auf die sonst übliche Lidar-Technik verzichtet Tesla.

Die Zeitung zitiert außerdem Anekdoten, die Musks Vorgehensweise verdeutlichen. So habe sich ein erfahrener Manager Mitte 2015 gegenüber Musk dafür ausgesprochen, einen Computerchip und andere Hardware in die Teslas einzubauen, die die Hardware der Fahrassistenz überwacht und bei deren Ausfall notfalls übernehmen könnte. Musk – der schon verärgert gewesen sei, dass der "Autopilot" in seinem Tesla an dem Morgen nicht funktioniert habe – habe das brüsk abgelehnt und den Manager "niedergemacht". Monate vorher hat Musk demnach die Verkleidung des Radarsensors kritisiert und eine Abdeckung gefordert, obwohl einige Angestellte davor gewarnt hätten, dass sich darin Schnee und Eis sammeln und die Technik blockieren könnte. Den Bericht der New York Times wollte das Unternehmen nicht kommentieren.

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Eine obendrein geschilderte Episode dreht sich um ein Werbevideo, mit dem Tesla noch immer für Version 2.0 des Systems "Autopilot" wirbt. Es zeigt angeblich einen Tesla, der voll autonom auf dem Land und in der Stadt unterwegs ist. Den anonymen Quellen zufolge war die komplette Strecke vorab dreidimensional abgetastet worden, das Fahrzeug hatte also eine digitale Karte zur Verfügung, wie es sie normalerweise nicht gibt. Trotzdem sei das Auto an einer Stelle an eine Fahrbahnbegrenzung gestoßen und habe repariert werden müssen. Zu sehen ist das in dem Video nicht, das vermittelt den Eindruck, dass das Auto völlig selbstständig unterwegs ist. Noch fünf Jahre später ist das aber weiterhin nur ein Versprechen. Auch in Teslas mit dem "Autopilot" und "Full Self Driving" sollen die Fahrenden ihre Hände jederzeit am Lenkrad belassen, um notfalls eingreifen zu können.

(mho)