Tesla baut Riesenakku für texanisches Stromnetz

Nachdem die marode Energieversorgung von Texas im Februar in die Knie ging, plant Tesla jetzt offenbar einen Vorstoß in das Epizentrum der US-Energiewirtschaft.

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Stromkabel und Isolatoren an einem hölzernen Strommast

Symbolbild

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Von
  • Teo Lukas

In aller Stille baut eine Tesla-Tochtergesellschaft in Texas einen Riesenakku. in Angleton in Texas. Wie Bloomberg meldet, soll er mehr als 100 MW leisten können. Ein Akku dieser Größe kann demnach an einem heißen Sommertag etwa 20.000 Haushalte mit Strom versorgen. Öffentlich hat Tesla das Projekt noch nicht bestätigt, doch haben Aufmerksame das Logo des Elektroautoherstellers auf dem Schutzhelm eines Arbeiters entdeckt.

In öffentlichen Dokumenten taucht das Unternehmen Gambit Energy Storage LLC auf – eine Tesla-Tochter. Da Tesla-CEO Elon Musk gerade nach Texas gezogen ist und der Autohersteller dort eine neue Fabrik baut, hat das Unternehmen ureigenes Interesse im Sinn, das fragile Stromnetz in Texas zu stützen. Bloomberg erwartet, dass die Anlage Anfang Juni in Betrieb geht.

Der Kälteeinbruch im Februar hat in Texas zu Stromausfall und dann Wassermangel geführt. Hunderttausende Texaner und Unternehmen bekamen kein sauberes, fließendes Wasser, weil durch die Kälte Rohre, Pumpen und Wasserwerke beschädigt wurden. Ein Druckabfall sorgte außerdem für Verunreinigungen in den Rohren.

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Das betraf unter anderem Samsungs Chip-Produktionsstätte in Texas, die mehrere Wochen stillstand. Die texanische Regierung hatte Samsung und weiteren Halbleiterfertigern angewiesen die Chipproduktion herunterfahren, um das überlastete Stromnetz zu entspannen.

2017 hat Tesla in Australien den weltgrößten Akku eröffnet. Dort hat der Konzern für die Hornsdale Power Reserve hunderte PowerPack2 zusammengestellt, deren Akkuzellen allerdings nicht von Tesla sondern von Samsung SDI stammen. Gemeinsam speichern sie bis zu 129 MWh und können 100 MW leisten. Davon sind 70 MW für die Regelleistung reserviert.

Für den französischen Auftraggeber Neoen macht sich Teslas Riesenakku in Australien bezahlt. 70 MW sind für Regelleistung reserviert, was gutes Geld einbringt. Über die restlichen 30 MW kann die Betreiberfirma Neoen frei verfügen. Sie verkauft die Leistung dann auf dem allgemeinen Strommarkt, wenn dessen Preise hoch sind.

Und Während der Akku bei zu geringer Netzfrequenz Strom in das Netz speist, kann er bei zu hoher Netzfrequenz Strom aus dem Netz nehmen, um sich zu laden. Neoen kann also auch negative Regelleistung anbieten. Das ermöglicht dem Unternehmen, den Akku besonders günstig oder vielleicht sogar zu negativen Preisen zu laden. Nebenan betreibt die Firma einen Windpark, dessen Stromerzeugung ebenfalls zum Aufladen der Akkus genutzt werden kann.

Also ist es mehr als Edelmut von Elon Musk, wenn er die Speicherzellen an das überforderte texanische Stromnetz anschließt. Ein Riesenakku mit 100 Megawatt Kapazität kann einen Riesenprofit abwerfen, wenn er im richtigen Moment Strom ins Netz speist, also wenn der Bedarf gerade besonders hoch ist und an der Strombörse Mondpreise erzielt werden. Dann lohnt es sich sogar, wenn die Batterie nur einige Minuten durchhält.

Bei der Vorstellung der Konzernergebnisse im Juli 2020 sagte CEO Musk: "Langfristig wird unser Energiebereich die gleiche Bedeutung bekommen wie unsere Autoproduktion." Insgesamt sei das Energiegeschäft sogar größer als die Auto-Business.

(tol)