Tesla baut in Brandenburg mit Tempo – Kritik an der Fabrik wächst

Am Mittwoch debattieren Umweltschützer mit der brandenburgischen Umweltbehörde über das Tesla-Werk. Dabei geht es unter anderem um den Wasserverbrauch.

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So soll die Tesla-Fabrik in Grünheide einmal aussehen.

(Bild: Tesla)

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  • dpa

Die Fabrik von US-Elektroautohersteller Tesla im brandenburgischen Grünheide wächst rasant, aber auch die Bedenken nehmen zu. Am Mittwoch (23. September) treffen Kritiker bei einer öffentlichen Anhörung auf das Landesamt für Umwelt, das für die umweltrechtliche Genehmigung zuständig ist. Wann grünes Licht für das Projekt kommt, ist offen. Tesla baut bisher mit vorläufigen Befugnissen für einzelne Bauschritte.

Gegen die Fabrik gibt es 406 formelle Einwände, über die am Mittwoch in Erkner debattiert werden soll. Umweltschützer befürchten unter anderem negative Folgen für die Natur und das Grundwasser. Das Brandenburger Umweltministerium erklärte, die Einwendungen "werden nach dem Termin vom Landesamt für Umwelt ausgewertet und in das Genehmigungsverfahren einbezogen".

Aus internen Unterlagen, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen, geht hervor, dass der Wasserverband Strausberg-Erkner im Juni keine positive Prognose für die Genehmigung abgab. Er sprach sich gegen Ausnahmeregelungen für die Trinkwasserschutzzone aus, weil daraus eine Gefährdung der Trinkwasserversorgung zu befürchten sei. Im Juli warnte der Verbandsvorsteher intern vor zu wenig Trinkwasser für einen weiteren Ausbau. Die Landesregierung hatte erklärt, sie halte die Probleme für lösbar.

Tesla reduzierte inzwischen den prognostizierten Wasserverbrauch in der Spitze von 3,3 Millionen auf rund 1,4 Millionen Kubikmeter im Jahr. Musk sagte Anfang September bei seinem Besuch in Grünheide: "Wir sind nicht in einem sehr trockenen Gebiet." Die Bäume rundherum könnten nicht wachsen, wenn kein Wasser vorhanden sei.

Für Kritik von Umweltschützern sorgt auch, dass ein Teil der Fabrik auf Pfählen gebaut wird. Das Unternehmen will nun statt den ursprünglich geplanten 15 000 Pfählen mit 550 auskommen. Das Presswerk wird auf Pfählen gegründet, die Gießerei nicht.

Die Bürgerinitiative Grünheide kritisierte mit Blick auf den Erörterungstermin am Mittwoch einen fehlenden Livestream. Sprecher Steffen Schorcht wertete dies als Versuch, die Öffentlichkeit außen vor zu lassen. Das Umweltministerium verwies dagegen auf Persönlichkeitsrechte. Wie vorgeschrieben würden diejenigen angehört, die Einwendungen eingebracht hätten.

Schorcht sieht zudem in Äußerungen etwa von Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) eine Vorwegnahme des Ergebnisses. Steinbach rechnet mit einem erfolgreichen Abschluss der Umweltprüfung – er hält im Dezember eine Genehmigung für denkbar. Der Vertreter der Bürgerinitiative sieht eine Einflussnahme auf das Verfahren.

Die Fabrik nach Angaben von Tesla zu etwa 20 Prozent fertig. Für das Hauptgebäude ragen 14 Meter hohe Betonpfeiler aus dem Boden. Die Außenfassade der Halle für Antriebsfertigung steht. Vom kommenden Sommer an will Tesla in dem Werk 500 000 Elektroautos pro Jahr bauen.

Tesla sieht als eine Hauptherausforderung die Gewinnung von Arbeitskräften, zeigt sich aber zuversichtlich. Das Unternehmen biete gut bezahlte Arbeit und habe gute Entlohnungssysteme, sagte ein Vertreter. Der Bedarf an Mitarbeitern werde mitwachsen, erst müsse der Markt da sein. Die IG Metall fordert eine Bezahlung nach Tarifvertrag.

Tesla-Chef Elon Musk machte sich Anfang September ein Bild von der Baustelle. "Sie sehen, wie schnell der Fortschritt ist", sagte er vor Journalisten. Für die Fertigstellung kündigte er bereits eine "big party" an. (cwo)