Tesla schafft ersten Jahresgewinn

E-Auto-Hersteller Tesla hat 2020 erstmals Gewinn geschrieben, doch liegt das Quartalsergebnis unter den Erwartungen. Die Aktie fällt.

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Tesla-Filiale

Tesla hat im vierten Quartal 2020 fast so viel umgesetzt wie im Gesamtjahr 2017.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

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  • Daniel AJ Sokolov

Tesla hat 2020 erstmals ein Finanzjahr mit Betriebs- und Nettogewinn abgeschlossen. Auf Quartale heruntergebrochen sind die beiden Kennzahlen nun Quartale in Folge positiv. Zieht man Einnahmen aus dem Verkauf jener Emissionszertifikate ab, die Tesla den USA und der EU für jedes verkaufte Elektroauto erhält, verdient Tesla nun schon die letzten sechs Monate Geld.

Das geht aus den Mittwochabend veröffentlichten Quartals- und Jahreszahlen Teslas hervor. Die Aktie hat im nachbörslichen Handel dennoch nachgegeben. Zwar verbucht das Unternehmen für das vierte Quartal einen Umsatzrekord mit erstmals mehr als zehn Milliarden US-Dollar, doch liegt der Gewinn deutlich unter den Erwartungen. Daraufhin rutschen Tesla-Aktien um gut fünf Prozent ab. Eine Anteilsschein war dann mit über 800 Dollar aber immer noch mehr als elf mal so viel wert wie zum niedrigsten Kurs der jüngsten 52 Wochen (70,10).

Im vierten Quartal des Jahres hat Tesla 10,7 Milliarden US-Dollar umgesetzt, ein Zuwachs von 46 Prozent im Jahresabstand. Davon stammen 401 Millionen Dollar aus dem Verkauf von Zertifikaten (+202%) und 8,9 Milliarden Dollar aus dem Verkauf von Fahrzeugen (+43%). Die restlichen 1,4 Milliarden Dollar Quartalsumsatz verdient Tesla mit Stromspeichern und Solarzellen (+41%).

Teslas Betriebsgewinn von 575 Millionen Dollar ist 60 Prozent höher als vor einem Jahr, liegt aber unter dem dritten Quartal 2020 (809 Millionen Dollar). Auch der Nettogewinn ist der zweithöchste der Firmengeschichte: 270 Millionen Dollar sind gleich 157 Prozent mehr als vor einem Jahr, aber weniger als die 331 Millionen des unmittelbar vorangegangenen Quartals. Die gut 180.000 ausgelieferten Fahrzeuge sind neuer Quartalsrekord.

Im Jahr 2020 hat Tesla 31,5 Milliarden US-Dollar umgesetzt, ein Zuwachs von 28 Prozent. Davon stammen 1,6 Milliarden Dollar aus dem Verkauf von Zertifikaten (+166%) und 25,7 Milliarden Dollar aus dem Verkauf von Fahrzeugen (+27%). Die restlichen 4,3 Milliarden Dollar Quartalsumsatz hat Tesla mit Stromspeichern und Solarzellen (+15%) verdient.

Teslas Jahresbetriebsgewinn beträgt zwei Milliarden Dollar. 2019 hatte Tesla noch einen Jahresverlust von 69 Millionen Dollar hinnehmen müssen. Das Nettoergebnis hat Tesla von 862 Millionen Dollar Verlust zu 721 Millionen Dollar Gewinn gedreht. Mit knapp 500.000 Fahrzeugen hat Tesla einen neuen Auslieferungsrekord aufgestellt. Auch die Zahl der eigenen Ladestationen (2.564) war zum Jahresende hoch wie nie.

Das Unternehmen hat seine Autos im vierten Quartal um einen durchschnittlich elf Prozent geringeren Preis verkauft als ein Jahr davor. Das liegt einerseits an einer Verschiebung der Nachfrage von den Typen S und X zu den weniger teuren Typen 3 und Y, andererseits an Preiswettbewerb in China, dem sich Tesla stellen musste.

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Teslas Sparstrumpf bläht sich inzwischen in Richtung 20 Milliarden Dollar auf. Das Unternehmen hat sich auch stattliche Mengen Akkumulatoren gesichert; das ist ein Wettbewerbsvorteil insbesondere gegenüber neuen Mitbewerbern wie Rivian und Lucid. Zudem möchte Tesla noch dieses Jahr die Eigenproduktion eines modernen Zelltyps in Grünheide in Brandenburg aufnehmen.

Positiv ist außerdem die Aussicht auf die Auslieferung des ersten Tesla-Sattelschleppers zum Jahresende. Für Freunde sportlicher Autos legt Tesla jetzt eine überarbeitete Version des Model S mit Plaid-Antrieb auf. Es soll das schnellstbeschleunigende Serienauto überhaupt sein. Wer ein Haar in der Suppe sucht, findet es bei dem zwar wachsenden aber offenbar Verlust bringenden Geschäft mit Solarzellen und Stromspeichern.

In der Vergangenheit hat Tesla regelmäßig Vorhersagen über die eigene Entwicklung gemacht und nicht eingehalten. Das Management hat daraus gelernt und macht nun weniger konkrete Vorhersagen. Beispielsweise gibt es kein konkretes Produktionsziel für 2021. Tesla sagt lediglich, die Auslieferungszahlen um 50 Prozent pro Jahr steigern zu wollen, allerdings über mehrere Jahre hinweg gerechnet. Die neuen Fabriken in Brandenburg und Texas sollen noch dieses Jahr in Produktionsbetrieb gehen.

(ds)